Lidl-Überfall in Neustadt? Das droht dem Täter
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Ostholstein Vorgetäuschte Lidl-Überfälle: Das droht dem Täter
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Lidl-Überfall in Neustadt? Das droht dem Täter

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17:50 19.01.2021
Diese Lidl-Filiale in der Eutiner Straße in Neustadt stand bei zwei Polizeieinsätzen im Fokus.
Diese Lidl-Filiale in der Eutiner Straße in Neustadt stand bei zwei Polizeieinsätzen im Fokus. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Neustadt

Ein Mitarbeiter soll zweimal innerhalb weniger Wochen Überfälle auf einen Neustädter Supermarkt vorgetäuscht haben (die LN berichteten). Die erste Tat ereignete sich laut Polizei am 7. Dezember, die zweite folgte am 15. Januar. Beide Male gab es einen Großeinsatz im Stadtgebiet. Am Dienstag äußerten sich Polizei und Staatsanwaltschaft zu der Strafe, die den mutmaßlichen Täter im Falle einer Verurteilung erwartet.

Nach vorgetäuschtem Überfall: Deshalb ermittelt die Polizei

Polizeisprecher Stefan Muhtz führte aus, dass die Kriminalpolizei in Zusammenhang mit dem ersten scheinbaren Raubüberfall wegen Diebstahl beziehungsweise Unterschlagung ermittelt. Damals wurde ein Teil der Einnahmen aus den Kassen erbeutet. Die Polizei war zunächst davon ausgegangen, dass eine bis dato unbekannte Person gegen 19.20 Uhr über ein Rolltor in den Lagerbereich und von dort aus in die Büroräume des Lidls an der Eutiner Straße gelangt sei.

Dort soll sie einen Mitarbeiter aufgefordert haben, den Tresor zu öffnen, während dieser mit einem unbekannten Gegenstand bedroht wurde. Weiter hieß es, dass der Täter durch einen Notausgang geflohen sei. Anschließend wurde nach einem dunkel gekleideten Mann gefahndet.

Ermittler gehen von vorgetäuschtem Überfall aus

Sechs Wochen später gehen die Ermittler davon aus, dass der angeblich Überfallene die Tat vorgetäuscht hat. Und genau dies soll er am vergangenen Freitag (15. Januar) erneut getan haben. Ein Augenzeuge (Name ist der Redaktion bekannt) sagte, dass ein Mitarbeiter gegen 19.20 Uhr zu einem Krankenwagen gebracht worden sei. Nach LN-Informationen soll es sich um den mutmaßlichen Täter gehandelt haben. Weiter berichtete der Zeuge von mehreren Streifenwagen sowie Beamten in zivil, die vor dem Supermarkt sowie im Stadtgebiet unterwegs gewesen seien.

So sah es am 15. Januar 2021 in Neustadt vor der Lidl-Filiale aus. Quelle: Arne Jappe

Versuchter Überfall: Hohe Gefängnisstrafe möglich

Wegen des zweiten versuchten Überfalls laufen Ermittlungen aufgrund des Vortäuschens einer Straftat (Paragraf 145d Strafgesetzbuch). Dazu sagt Stefan Muhtz, dass das Strafgesetzbuch für diesen Fall eine Geldstrafe oder eine bis zu dreijährige Freiheitsstrafe vorsehe. Der Strafrahmen für Unterschlagung fällt genau so aus (Paragraf 246 StGB).

Sollte ein Gericht zu der Auffassung gelangen, dass es sich um einen Diebstahl (Paragraf 242 Strafgesetzbuch) gehandelt hat, ist eine Geldstrafe ebenso wie eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren möglich. „Im Falle einer Verurteilung hat das Gericht entsprechend der festgestellten persönlichen Schuld des Angeklagten für jede Tat eine separate sogenannte Einzelstrafe festzusetzen“, erläuterte Muhtz. Eben diese würden dann zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst.

Überfall vorgetäuscht: Erinnerung an Scharbeutzer Fall

Die zwei versuchten Überfälle in Neustadt erinnern an den Fall eines Postfilialen-Betreibers in Scharbeutz. Dieser musste sich Anfang 2019 vor dem Schöffengericht Eutin verantworten. Richterin Anja Farries sah es als erwiesen an, dass der Mann einen Raubüberfall auf seine Filiale vorgetäuscht hatte. Knapp 55 000 Euro sollen damals erbeutet worden sein. Das Gericht verurteilte den Betreiber wegen Vortäuschens einer Straftat, Untreue in 18 Fällen und versuchten Betrugs zu zwei Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe.

Von Sebastian Rosenkötter