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Ostholstein Sogar Zarah Leander gastierte in der Waldhalle
Lokales Ostholstein Sogar Zarah Leander gastierte in der Waldhalle
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07:00 05.10.2019
So sah die Waldhalle einst aus. Der große Kaffeegarten war ein bekanntes Ausflugsziel. Quelle: HFR
Bad Schwartau

Hochzeiten, Volksfeste und Musikfeiern: In der Waldhalle wurden über viele Jahrzehnte rauschende Feste gefeiert. Die Lokalität zwischen den Bahnschienen und der Trave war weit über die Grenzen der Stadt Bad Schwartau bekannt.

Nicht zuletzt, weil die Betreiber in den 20er Jahren eine gläserne Tanzfläche hatten, die von unten beleuchtet war. „Eine Neuheit zur damaligen Zeit. Die Waldhalle war auch für die Lübecker ein sehr bekannter Ort“, sagt Heimatforscher Klaus Faasch. Er klopft auf einen Betonklotz. „Das hier ist der Stromverteilerkasten für die frühere Musikmuschel“, sagt er. Direkt neben dem Wanderweg versteckt sich das Relikt früherer Jahre. Der Kasten hat die Musiker mit Strom versorgt. Zunächst spielten sie auf einer Holzbühne. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde dann ein richtiger Musikpavillon gebaut.

Klicken Sie sich für Impressionen der einstigen Waldhalle durch die Bildergalerie. Einige Relikte gibt es auch heute noch.

Davor saßen Hunderte, manchmal sogar tausend Besucher. Berühmte Künstler wie die Schauspielerin und Bühnensängerin Zarah Leander kamen, Militärkonzerte fanden statt, Firmenfeiern wurden veranstaltet. Im Sommer im großen Kaffeegarten, im Winter im großen Saal, der Platz für rund 600 Gäste hatte. Gebaut wurde die Waldhalle 1874 von Johannes Jürgens, der zu dieser Zeit ein Hotel am Marktplatz betrieb. „Aus Altersgründen hat er die Lokalität später an Otto Witt abgegeben, der sie bis zu seinem Tod 1926 geführt hat. Anschließend übernahmen seine Frau und seine beiden Töchter“, erzählt Faasch.

Waldhalle in Bad Schwartau: 18 Zapfhähne und 250 Kilo Gurken

Zuvor hatte Otto Witt bereits kräftig investiert. An das hölzerne Gebäude kamen Anbauten. Ab sofort konnten bis zu 1000 Personen in der Waldhalle feiern. An einer Kuchenbude gab es unter anderem die berühmten Bad Schwartauer Pfeffernüsse. Es wurden Waldfeste mit großem Feuerwerk und Kurkinderfeste mit Spielen gefeiert. Umzüge führten vom Riesebusch durch die Stadt bis in den Kaffeegarten der Waldhalle. „Es gab drei große Bierzapfanlagen mit jeweils sechs Hähnen“, erzählt Klaus Faasch. „Da ahnt man bereits, wie groß der Betrieb gewesen sein muss.“

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Aus Schlutup wurden 250-Kilo-Gurkenfässer geholt. Für 20 Pfennig kauften die Besucher die berühmt berüchtigten Salzgurken. An der Trave befand sich zudem ein Fähranleger, an dem die Ausflugsschiffe hielten. Wenige Meter weiter der Bahnhof Waldhalle. Noch heute ist im angrenzenden Wald eine Weg als große Schleife. „Der diente früher zur Anlieferung“, erklärt Faasch.

Nach dem Krieg: „Die Zeit der großen Gasthäuser war vorbei“

Während des Zweiten Weltkriegs änderten sich die Zeiten. „Der Betrieb wurde zwangsweise stillgelegt und Flüchtlinge wurden in der Waldhalle untergebracht“, sagt der Heimatforscher. Nach Kriegsende waren für elf Monate britische Soldaten in der Lokalität stationiert. Erst 1946 übernahmen die Schwestern das Lokal wieder. Schon bald gab es wieder Tanzkapellen. Am 2. März 1970 war dennoch Schluss. Die Waldhalle hätte umfangreich saniert werden müssen. Das hätte sich nicht gelohnt.

Stattdessen wurde das gesamte Inventar versteigert und die Türen geschlossen. „Die Zeit der großen Gasthäuser war einfach vorbei“, sagt Klaus Faasch. Nachdem das Lokal geschlossen wurde, war es in der Hand von Jugendlichen. „Die rissen alles heraus, was nicht niet und nagelfest war“, erzählt Faasch. „Wer hier gräbt findet sicher noch viele Steine der Waldhalle. Es wurde dann rund drei Wochen nach der Schließung platt gemacht und Erde drüber geschüttet.

Neue Pläne für die Waldhalle: Bau einer Autobahnraststätte

Dann gab es viele Pläne. Ursprünglich sollte an Stelle der Waldhalle eine Autobahnraststätte entstehen. „Aber dann ist den Verantwortlichen aufgefallen, dass es zu nah an Lübeck war. Man hat sich stattdessen für Neustadt entschieden“, erklärt Faasch. In Bad Schwartau sollten stattdessen Wohnblöcke entstehen. Doch aus daraus wurde offenbar nichts.

Ende der 90er Jahre wollte ein Architekt schließlich die Waldhalle an anderer Stelle in Bad Schwartau nachbauen. „Er hat sich von mir alle Unterlagen geben lassen“, sagt Faasch. Doch dann hat der Historiker nichts mehr von ihm gehört. „Heute wird die Strecke durch den Wald hier oft von Mountainbikern genutzt, weil sie so hügelig ist“, erzählt der Bad Schwartauer.

Vier Buchen als Naturdenkmal

Der Umweltbeirathat sich dafür eingesetzt, dass vier Rotbuchen, die sich am Rande der ehemaligen Waldhalle befinden, als Naturdenkmal eingestuft werden. Laut dem zuständigen Förster Karsten Tybussek sind die Bäume 220 bis 260 Jahre alt.

Die Baumkronensind laut dem Vorsitzenden des Beirats Rudolf Meisterjahn „ein eindrucksvolles Beispiel für die Schönheit und Seltenheit von besonderen Wuchsformen“, da alle Bäume bizarre, krebsartige Wucherungen an den Baumkronen aufweisen. Die Stadt hat dem Antrag bereits zugestimmt. Nun muss sich die Untere Naturschutzbehörde des Kreises damit befassen.

Von Maike Wegner

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