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Ostholstein Spielzeugwaffen lösen Polizeieinsätze aus
Lokales Ostholstein Spielzeugwaffen lösen Polizeieinsätze aus
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20:17 25.07.2019
Die Softair-Pistolen, hier nach einer Beschlagnahme auf Fehmarn, sehen täuschend echt aus und sind für Laien kaum von echten Waffen zu unterscheiden. Quelle: LN-Archiv
Lübeck/Grömitz

Den Abend wird Horst Schmidt (59) nicht vergessen: Der Taxifahrer macht am Mittwoch etwa um 20.15 Uhr Feierabend und setzt sich an einen Fenstertisch in einem griechischen Lokal in der Schlutuper Straße in St. Gertrud. Da beobachtet er von seinem Platz aus, wie ein junger Mann zwei Mädchen mit einer Pistole bedroht und beschimpft. Die Mädchen laufen weg, der junge Mann dreht sich um und richtet die Waffe auf Horst Schmidt. „Ich habe mir vor Angst fast in die Hose gemacht“, erzählt der Taxifahrer.

Wenig später ist die Polizei da. Schmidt und – so berichtet er – drei weitere Gäste des Lokals hatten die Beamten alarmiert. Die Polizei rückt mit drei Funkwagen an. Schmidt gibt den Beamten eine Beschreibung des jungen Mannes, hat sogar ein Foto gemacht, auf dem eine markante Umhängetasche, ein ebenso markantes Basecap und in der rechten Hand des Jungen die Waffe zu sehen sind. Laut dem Taxifahrer ist der mutmaßliche Täter etwa 20 Jahre alt, hat schwarze Haare, einen Dreitagebart und trägt ein graues Shirt.

Taxifahrer Horst Schmidt wurde Zeuge, wie der Junge mit der Softair-Waffe durch die Gegend lief. Quelle: Holger Kröger

Festnahme auf einem Waldweg

Aufgrund der Beschreibung entdecken die Polizisten den angeblich jungen Mann kurz darauf auf einem Waldweg in der Nähe. Schnell stellen sie fest, dass es sich bei der Pistole nicht um eine echte Waffe handelt, sondern um eine Spielzeugpistole. Die Beamten beschlagnahmen die Waffe, die in der Umhängetasche steckt, und bringen den jungen Mann nach Hause. Von seinen Eltern erfahren sie, dass er erst 13 Jahre alt ist.

Klingt im Nachhinein harmlos, aber das hat Horst Schmidt ganz anders erlebt. „Es hätte auch ein Psycho sein können“, sagt er und berichtet, außer ihm hätten auch die anderen Gäste des griechischen Lokals Panik bekommen. Ein Radfahrer, der dem Jungen mit der Waffe in der Hand vor dem Lokal begegnete, sei sofort weit ausgewichen. „Es war beim besten Willen nicht zu erkennen, dass es nur eine Spielzeugwaffe war“, sagt der Taxifahrer.

Das Foto, das er von dem Jungen mit der Waffe gemacht hat, postet er sofort auf Facebook. Wenig später ruft die Polizei bei ihm an und bittet darum, den Post zu löschen. „Weil er zur Verunsicherung geführt hätte“, sagt Schmidt.

Mit Pistole auf der Promenade

Ganz so schnell wie in Lübeck soll sich der zweite Fall mit einer Spielzeugpistole nicht auflösen. Er ereignet sich bereits am Dienstag, 23. Juli, in Grömitz. Ein junger Mann spaziert, eine Waffe im Hosenbund, über die Kurpromenade. Zeugen informieren die Polizeistation Grömitz, die fünf Beamte losschickt. Sie nähern sich dem Mann entsprechend bewaffnet und ausgerüstet, unter anderem mit zwei ballistischen Schilden zum eigenen Schutz.

Geschützt mit ballistischem Schilden, wie hier bei einem Einsatztraining, näherten sich die Polizeibeamten dem Jugendlichen in Grömitz. Quelle: Susanne Peyronnet

So gesichert, stellen die Beamten den Mann und überprüfen die Waffe. Auch in diesem Fall war es eine Spielzeugwaffe, die einer Pistole sehr ähnlich sieht. Diese Softair-Waffen mit einer geringen Geschossenergie können ohne Einschränkungen von jedermann gekauft werden.

Die Beamten belehren den jungen Mann mit der Waffe, einen 17-Jährigen aus Paderborn, eindringlich. Auch wenn die Waffe an sich harmlos ist: Wenn sie aussieht wie eine echte Feuerwaffe, darf sie nicht in der Öffentlichkeit getragen werden. Wer es doch tut, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Deshalb fertigen die Polizisten eine entsprechende Anzeige gegen den 17-Jährigen.

Auf den Anschein kommt es an

Wenn eine Softair-Waffe vom Gesamterscheinungsbild her den Anschein einer Feuerwaffe hervorruft, ist das Tragen einer solchen Waffe in der Öffentlichkeit eine Ordnungswidrigkeit nach dem Waffengesetz. Eine solche „Anscheinswaffe“ darf nicht gezeigt werden.

Anscheinswaffen dürfen nur in Ausnahmefällen mitgeführt werden, etwa für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen, für den Transport in einem verschlossenen Behältnis oder wenn sonst ein berechtigtes Interesse vorliegt. Dazu zählen etwa der Sport oder die Brauchtumspflege.

Waffen aus dem Sortiment genommen

Er teilt den Polizisten mit, dass er die Waffe gerade erst in einem Geschäft in Grömitz gekauft habe. Die Polizisten sprechen mit dem Verkäufer, der ihnen versichert, seine Kunden immer eindringlich zu warnen, was solche Waffen möglicherweise auslösen könnten. Angesicht des Grömitzers und eines weiteren Falles, von dem er gehört habe, nimmt der Ladenbesitzer die Spielzeugwaffen freiwillig aus dem Sortiment.

Im Fall des 13-Jährigen, der in Lübeck mit einer Spielzeugwaffe herumfuchtelte, sucht die Polizei noch Zeugen. Sie und insbesondere die beiden bedrohten Mädchen werden gebeten, sich unter Tel. 04 51/13 10 mit dem 3. Polizeirevier in Verbindung zu setzen.

Lesen Sie mehr zu den beiden Fällen:

Spielzeug-Alarm: Siebzehnjähriger mit Pistole festgehalten
Mit Spielzeug-Waffe gedroht: Polizei ermittelt

Saskia Bücker und Susanne Peyronnet

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