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Ostholstein Großeinsatz im Jugendcamp: 50 Kinder und zwei Lehrer erkrankt
Lokales Ostholstein Großeinsatz im Jugendcamp: 50 Kinder und zwei Lehrer erkrankt
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22:22 19.09.2019
Insgesamt 100 Einsatzkräfte waren vor Ort und kümmerten sich um die erkrankten Schüler und Erwachsenen. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Grömitz

Es waren Szenen wie im Film. Weil sich zahlreiche Jugendliche am Mittwochabend im Jugendcamp Grömitz am Blankwasserweg in Lensterstrand immer wieder übergeben mussten, rückten Rettungsdienst und Feuerwehr mit einem Großaufgebot an. Um die jungen Patienten vor Ort behandeln und isolieren zu können, bauten die mehr als 100 Einsatzkräfte eine mobile Krankenstation mit beheizten Zelten auf. Sanitäter trugen Schutzanzüge, Handschuhe und Mundschutz.

Anfangs waren es 15 Jugendliche, die über schwere Magen-Darm-Beschwerden klagten. Am Abend stieg die Zahl der Erkrankten auf 47, am Donnerstagmorgen waren es 52 (50 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren und zwei Lehrer). Nach LN-Informationen erkrankten vor allem Mädchen. Unter anderem betroffen waren Schüler von drei achten Klassen der IGS Roderbruch in Hannover. Sie waren auf Klassenfahrt in Lensterstrand. Eine weitere Schülergruppe aus dem Vogtland (Sachsen) blieb nach Aussage einer Lehrerin „keimfrei“.

Eltern von betroffenen Kindern reisten sofort nach Lensterstrand

Am Donnerstagmittag durften die ersten Kinder das Gelände verlassen. Einige von ihnen wurden von ihren Eltern abgeholt, andere stiegen in bereitstehende Busse. Auch Emily aus Hannover reiste ab. Die 13-Jährige sagte: „Mir war die ganze Zeit schlecht, aber jetzt ist es wieder gut.“ Sie wurde von ihrem Vater abgeholt. Mitschüler Louis hatte Glück, er zeigte keine Symptome. „Vielen anderen war die ganze Zeit schlecht, sie haben sich übergeben und hatten Bauchschmerzen“, erzählt der 13-Jährige.

Falk Fiedler holte seine Tochter Emily (13) ab. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Noch sieben Kinder mit Beschwerden

Entwarnung gab es am frühen Nachmittag auch vom Kreis Ostholstein. „Der Zustand der Betroffenen hat sich stabilisiert“, teilte die stellvertretende Sprecherin Annika Sommerfeld mit. Keiner sei schwer erkrankt. Sieben Kinder mussten im Camp bleiben, weil sie weiterhin mit Magen-Darm-Beschwerden zu kämpfen hatten. Mitarbeiter vom Fachdienst Gesundheit erklärten Eltern, was sie in puncto Hygiene beachten sollten, um sich nicht doch noch bei ihren Kindern anzustecken.

Video zeigt, wie Eltern zu ihren Kindern dürfen

Zuvor waren die erkrankten Schüler bereits ab dem frühen Mittwochabend von den Gesunden isoliert worden. Einsatzleiter Robin Kühl vom Deutschen Roten Kreuz erläuterte, dass dies geschehe, um eine Ausbreitung eines möglichen Virus zu verhindern. Die Zufahrt zum Gelände war mit Flatterband abgesperrt. Auch Eltern aus Hannover, die gestern Abend gegen 20.45 Uhr telefonisch von der Elternvertretung über die Krankheitsfälle im Camp informiert wurden und sofort nach Lensterstrand reisten, mussten dort zunächst warten und wurden erst Donnerstagmittag auf das Gelände gelassen.

Am Morgen waren noch zehn Einsatzkräfte vor Ort und kümmerten sich um die Erkrankten. Da sie durch das Erbrechen viel Flüssigkeit verloren hatten, wurde ihnen in der Krankenstation wieder welche zugeführt.

50 Kinder und zwei Lehrer mussten stundenlang von Rettungskräften wegen Magen-Darm-Beschwerden versorgt werden. Ab Donnerstagmittag konnten die meisten Schüler aus dem Raum Hannover abreisen. Eindrücke vom Donnerstag.

Mitarbeiter des Kreises nehmen Proben

Um die Ursache für die Erkrankungswelle ausfindig zu machen, nahmen Mitarbeiter vom Fachdienst Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit Proben. Die Ergebnisse sollen ab dem kommenden Montag eintreffen. Kreissprecherin Annika Sommerfeld sagte, dass es sich wohl nicht um einen ansteckenden Virus handle, man im Umgang mit den Erkrankten aber auf entsprechende Hygiene- und Schutzmaßnahmen achten solle.

Im Jugendcamp Grömitz sind 50 Kinder und zwei Betreuer mit Magendarm-Beschwerden gemeldet worden. Die Einsatzkräfte errichteten vor Ort ein mobiles Krankenlager. Eindrücke aus der Nacht.

Patienten haben viel Flüssigkeit verloren

Im Einsatz waren unter anderem Sanitäter aus Eutin, Süsel, Göhl, Neustadt und Lübeck. Warum die Betroffenen nicht in Krankenhäuser gebracht wurden, hatte Notarzt Dr. Philip Sauter Mittwochabend so erklärt: „Wir versuchen, das hier vor Ort abzuarbeiten, damit wir nicht unnötig die Kliniken im Kreis Ostholstein gefährden.“ Zudem wäre es nach LN-Informationen ein Kraftakt geworden, die Jugendlichen von anderen Patienten isoliert unterzubringen.

Auch Bürgermeister Mark Burmeister (parteilos) sowie Mitarbeiter des Grömitzer Ordnungsamtes kamen, kümmerten sich unter anderem um die Versorgung der Einsatzkräfte. „Ich wurde aus einer Sitzung heraus alarmiert und bin sofort hierhergeeilt“, berichtete er. Die Gemeinde hätte – falls benötigt – kurzfristig Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt für mögliche weitere Krankenstationen.

Ähnliche Fälle auch in Weissenhäuser Strand

Kurz vor Mitternacht wurden den Einsatzkräften dann noch weitere Fälle gemeldet. Allerdings nicht aus Grömitz, sondern aus Weißenhäuser Strand. Dort zeigten ebenfalls sechs Jugendliche einer Gruppe ähnliche Symptome. Die Lehrkräfte wurden angewiesen, die Schüler zu isolieren. Das Gesundheitsamt schickte noch in der Nacht Mitarbeiter. Bis zum Morgen gab es keine weiteren Krankheitsfälle. Zudem hieß es im Laufe des Tages, dass die beiden Fälle nicht miteinander in Verbindung stehen würden. Zuvor war mitgeteilt worden, dass die Jugendlichen Kontakt miteinander gehabt hätten.

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