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Ostholstein Die große Freiheit im kleinen Zirkus
Lokales Ostholstein Die große Freiheit im kleinen Zirkus
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16:44 23.05.2019
Die Nachwuchsartisten Darlyn (8) probt schon recht professionell auf dem Sandplatz vor dem Zelt mit den Hula-Hoop-Ringen für ihren kleinen Auftritt im großen Finale. Quelle: Dirk Schneider
Malente

 „Manege frei, die Show beginnt“, heißt es derzeit in Ostholstein. Der Zirkus Monaco gastiert bis Pfingstmontag in Malente und Eutin. Ein Blick in den großen Container, in dem Sara und Miguel Schickler mit den Töchtern Darlyn und Alicia wohnen, offenbart ein überraschend normales Alltagsleben. Auf dem Herd in der Einbauküche, die man aufgrund ihrer Größe eher in einer festen Wohnung als in einem mobilen Campingwagen vermuten würde, köchelt das Mittagessen.

Die achtjährige Darlyn ist gerade aus der Malenter Grundschule gekommen, die sie während des Gastauftritts in der Holsteinischen Schweiz besucht. Wegen der häufigen Schulwechsel hat Darlyn eigene Lehrbücher und Aufgabenhefte dabei, die in ihrer Heimatschule im mecklenburgischen Lübtheen genutzt werden. Die Klasse dort sieht sie allerdings nur im Januar und Februar. „Ab Weihnachten machen wir Winterpause“, erzählt Sara Schickler. Dann wohnt die Familie in ihrer festen Unterkunft am Stammsitz des Zirkus’, der mittlerweile von Miguel Schickler in sechster Generation geführt wird.

Acht Wochen Winterpause sind genug

„Spätestens nach acht Wochen, wenn die Tage wieder länger werden, beginnt es zu kribbeln, dann müssen wir wieder los“, sagt Sara Schickler, die ebenfalls aus einer alten Zirkusfamilie kommt. „Wir sind fahrendes Volk. Ich kann und möchte mir ein anderes Leben gar nicht vorstellen.“ Der eigentliche Reiz sei die große Abwechslung. „Kein Tag ist wie der andere, jeder Ort ist anders.“ Es gebe immer neue Herausforderungen, die gemeistert, immer neue Probleme, die gelöst werden müssten, erzählt die 32-Jährige, während sie nach dem gemeinsamen Essen den Abwasch erledigt.

In Malente galt es zunächst einen Wasseranschluss für das mobile Dorf zu organisieren, das am Montag aufgebaut wurde, stellt sie angesichts des vollen Spülbeckens fest. Meistens hielten die Gemeinden an den Festwiesen entsprechende Einrichtungen vor. „Hier ist leider weder Strom noch Wasser vorhanden.“ Letzteres bekomme man per Gartenschlauch von einem freundlichen Anlieger. Für die elektrische Energie sorgt ein Notstromaggregat, dessen Motor leise, aber doch vernehmbar vor sich hin werkelt.

Erst die Tiere, dann die Menschen

Das ungarische Steppenrind Kaya genießt wiederkäuend die langen Pausen zwischen den kurzen Auftritten in der Manege. Quelle: Dirk Schneider

Bereits am Sonntag wurden die Gitter und Zäune sowie der wetterfeste Unterstand für den Stall und den Auslaufplatz der Tiere von einem Vorauskommando aufgebaut. Diesen Paddock habe man doppelt, sodass die beiden Kamele, die drei Lamas, sechs Ponys sowie ein Esel und ein Steppenrind unmittelbar nach dem Transport zwischen den Spielorten die Anhänger wieder verlassen können. „Wir arbeiten zudem nur mit Tieren, die gut an unser Klima angepasst sind, miteinander gut auskommen und gerne mit uns arbeiten“, sagt Miguel Schickler, der als Dompteur die verschiedenen Dressuren einstudiert hat. Die große Attraktion sei dabei der 15-jährige sibirische Kamelwallach „Attila“, der mit der Stute „Sheila“ und den Lamas in verschiedenen Formationen durch das Zirkusrund trabt. Trainiert wird dafür selten. „Bei den Übungsstunden geht es eher darum, dass die Tiere ihren Auslauf bekommen.“

Schule kommt vor Zirkus

Schule geht vor Zirkus: Sara Schickler und Tochter Darlyn widmen sich im Wohnwagen den Hausaufgaben, bevor die Arbeit in der Manege beginnt. Quelle: Dirk Schneider

Und auch die menschlichen Artisten setzen beim Bühnenprogramm auf Routine. „Unsere Nummern werden zwar ständig weiterentwickelt, aber die Grundlagen sitzen seit Jahren und Jahrzehnten“, sagt die 32-jährige Sara Schickler, die als Kind mit Jonglage begann und diese Kunst mittlerweile mit einem Balanceakt auf dem Hochseil verbindet. Genau diese ganz besondere Laufbahn strebt auch Darlyn an. Wie einst ihre Mutter tritt die Nachwuchsartistin bereits mit kreisenden Hula-Hoop-Reifen in der Manege auf. „Das Training dafür ersetzt teilweise sogar den offiziellen Sportunterricht“, erläutert Sara Schickler. Stattdessen hat Darlyn dann allerdings keine Freizeit, sondern Unterricht in anderen Fächern wie Deutsch und Mathematik. Und auch am Nachmittag lautet die Devise: Schularbeiten sind wichtiger als Zirkusproben. „Zuerst machen wir die Hausaufgaben“, sagt Sara Schickler und bittet ihre Tochter nach der gemeinsamen Mahlzeit am Tisch zu bleiben.

Ehemann Miguel versorgt derweil mit seinen Helfern die Tiere und setzt den Aufbau des Zirkuszeltes und der Manege einschließlich der technischen Einrichtungen fort. Dort wollen von Freitag, 24. Mai, an zehn Artisten vom Feuerschlucker bis zum Clown und 13 Tiere die Zuschauer in die Welt der „Menschen, Tiere, Sensationen“ entführen.

Dirk Schneider

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