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Ostholstein Schulneubau auf grüner Auewiese?
Lokales Ostholstein Schulneubau auf grüner Auewiese?
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19:10 29.03.2019
Soll die Schule an den Auewiesen am Standort saniert oder durch einen Neubau im Westen ersetzt werden? Quelle: Dirk Schneider
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Malente

Es erinnert ein bisschen an die Brexit-Verhandlungen im englischen Parlament. Eigentlich wollten die Malenter Gemeindevertreter den mühsam erarbeiteten Kompromiss beschließen, die Schule an den Auewiesen in zwei Bauabschnitten im Bestand zu sanieren. In der Sitzung diskutierten die Kommunalpolitiker allerdings über die Vorteile, einen Neubau auf die grüne Wiese zu stellen.

Schulausschussvorsitzender Bernhard Kardell (SPD): „Das Geld ist weg, wenn wir uns nicht entscheiden.“ Quelle: Dirk Schneider

Hintergrund: Die Gemeinde hat offenbar die Option, ein Grundstück westlich der Sportplätze zu erwerben. Weil „noch nicht final verhandelt“ worden sei und auch „kein Vorvertrag“ bestehe, könne und dürfe man in öffentlicher Sitzung keine weiteren Details nennen, warnte Bürgervorsteher Rainer Geerdts (CDU) vor Verfahrensfehlern.

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In der anschließenden, etwas vage geführten Beratung plädierte Bernhard Kardell (SPD) nicht zuletzt aufgrund der vielen offenen Fragen und des hohen Zeitdrucks für die ursprüngliche Beschlussempfehlung, die der Schulausschuss unter seiner Leitung mitentwickelt habe. Nur diese Vorgehensweise garantiere eine zügige Umsetzung der Baumaßnahme sowie die bereits bewilligte Fördersumme in Höhe von 2,75 Millionen Euro. „Dieses Geld ist sonst verloren“, sagte Kardell. Ungeklärt seien auch die Fragen, ob die neue Fläche als Baugrund geeignet sei, wie lange ein Bauleitverfahren dauere und was man gegebenenfalls mit dem Areal der dann ehemaligen Schule machen sollte.

Bauausschussvorsitzender Uwe Potz: „Ein Neubau ist die charmantere Lösung.“ Quelle: Dirk Schneider

Dieses Argument mochte der Bauausschussvorsitzende Uwe Potz (CDU) nicht stehen lassen. Er habe große Zuversicht, dass die bereitgestellten Mittel auch für die neue Lösung gesichert werden könnten. „Wir werden jedenfalls alles versuchen, unseren Einfluss auf die Landesregierung und die Parteien zu nehmen.“

Hinnerk Frahm (FDP) betonte, dass es vor allem aus Sicht der Schüler und Lehrer besser sei, einen kompletten Neubau zu realisieren. Die bisherige Lösung, mit der er sich aufgrund fehlender Alternativen abgefunden habe, mute allen Beteiligten zu, mindestens zwei mal zwei Jahre in einer Baustelle zu lehren und zu lernen. „Angesichts der Erfahrungen, die wir mit derartigen Projekten gemacht haben, gehe ich eher von fünf bis sechs Jahren aus“, sagte Frahm. Die „signifikante Veränderung der Sachlage durch den möglichen Ankauf eines Grundstücks“ schaffe eine neue Situation. „Wir könnten jetzt im erweiterten Radius der Schule einen kompletten Neubau erstellen, ohne Beeinträchtigungen im laufenden Betrieb hinnehmen zu müssen“, lobte Frahm „den Charme dieser Variante“.

Finanzausschussvorsitzender Wilfred Knop (FDP): „Wir sollten uns für die wirtschaftlich günstigere Variante entscheiden." Quelle: Dirk Schneider

David Kardell (Grüne) stellte fest, dass er den jetzigen Standort für die geeignetere Fläche halte. „Wir hatten uns bereits geeinigt. Schüler, Eltern und Lehrer sind bereit, den Weg des Bauens im Bestand mitzugehen.“ Der Vorsitzende des Finanzausschusses Wilfred Knop (FDP) plädierte dafür, die wirtschaftlich günstigste Lösung umzusetzen. Da er keine Zahlen nennen durfte, blieb allerdings offen, welche dieses sei. Laut grober Schätzung des Bauamts bewegen sich beide Modelle in ähnlichen Dimensionen von 14 bis 15 Millionen Euro. In nicht öffentlicher Sitzung beauftragte und ermächtigte die Gemeindevertretung die Bürgermeisterin Tanja Rönck (parteilos) die Kaufverhandlungen bis zum 11. April abzuschließen. Sollte ein schneller Grunderwerb nicht möglich sein, würde dann wahrscheinlich die Beschlussempfehlung des Schulausschusses zum Tragen kommen.

Dirk Schneider

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