Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Sohn soll Mutter getötet haben: Prozess beginnt
Lokales Ostholstein Sohn soll Mutter getötet haben: Prozess beginnt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 18.04.2019
Der Tatort: Das Haus der getöteten Frau liegt in Malente weitab von der Straße.  Quelle: Benthien
Anzeige
Malente/Lübeck

Die Tat ereignete sich am 13. Oktober 2018. Ein Mann soll seine 64 Jahre alte Mutter im Ferienhaus der Familie in Malente getötet haben. Von Dienstag an muss sich der 37-Jährige vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann heimtückischen Mord vor. Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als sei die Frau eines natürlichen Todes gestorben.

Der Sohn hatte nach dem Tod seiner Mutter, so die Angaben der Staatsanwaltschaft nach den ersten Ermittlungen im Oktober, zunächst lediglich einen Bestatter gerufen. Erst später sei die Polizei dazugekommen. Auf den ersten Blick gab es offenbar keine Anhaltspunkte, die für einen gewaltsamen Tod der Frau sprachen. Den Polizeibeamten sind laut Staatsanwalt bei der Todesfallermittlung allerdings Bedenken darüber gekommen, wie plausibel die Schilderungen des Sohnes waren. Die Staatsanwaltschaft veranlasste daraufhin eine Obduktion, bei der schließlich der gewaltsame Tod der Frau festgestellt wurde.

Anzeige

Mutter in den Schwitzkasten genommen

In Vernehmungen hatte der Sohn schließlich einen Angriff auf seine Mutter eingeräumt, es war davon die Rede, dass er sie in den Schwitzkasten genommen habe. Jetzt teilte die Staatsanwaltschaft mit, laut Anklage habe der Mann seine wehr- und arglose Mutter in deren Haus erstickt.

Als Motiv gab er schon damals an, dass es familiäre Probleme gegeben habe. In einer Pressemitteilung vor dem Prozessbeginn präzisierte die Staatsanwaltschaft das mögliche Motiv noch weiter. Dem Angeklagten soll es zum einen darum gegangen sein, sich aus der von ihm empfundenen Unterdrückung seitens seiner Mutter zu befreien. Zum anderen hat er laut Anklagevorwurf verhindern wollen, dass die Mutter ihn enterben könnte.

Zwei Charakterisierungen einer Frau

Darüber, dass die Frau angeblich herrisch und bestimmend gewesen sei, zeigten sich nach der Tat im Oktober Freunde und Nachbarn bestürzt und irritiert. Langjährige Bekannte beschrieben sie als „liebevoll, zuvorkommend und wohlwollend“. Sie verhehlten aber auch nicht, dass Mutter und Sohn ein schwieriges Verhältnis hatten und er von ihr – offenbar auch finanziell – abhängig gewesen sei. Näheres dazu wird vermutlich der Prozess zutage fördern.

Das Gericht hat sieben Hauptverhandlungstage anberaumt und 18 Zeugen sowie zwei Sachverständige geladen. Der Prozess vor dem Landgericht Lübeck beginnt um 9 Uhr.

Susanne Peyronnet