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Ostholstein Malente: Zehn Jahre Haft für Mord an Mutter
Lokales Ostholstein Malente: Zehn Jahre Haft für Mord an Mutter
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13:02 14.06.2019
Vor dem Landgericht Lübeck wurde ein 37-Jähriger aus Malente wegen des Mordes an seiner Mutter zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Vordergrund ist seine Verteidigerin zu sehen. Quelle: Sabine Latzel
Malente

„Sie konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander“: So fasste Christian Singelmann, Vorsitzender Richter der I. Großen Strafkammer am Landgericht Lübeck, die „äußerst problematische Mutter-Sohn-Beziehung“ zusammen, die Jonathan und Barbara B. (beide Namen geändert) verband. Und die schließlich damit endete, dass der 37-Jährige seine damals 64 Jahre alte Mutter im Ferienhaus in Malente erstickte. Dafür muss er zehn Jahre in Haft: Mit diesem Urteil entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Außerdem zieht der Staat das Vermögen von Barbara B. ein, das heißt: Der Sohn erbt nichts.

„Für den Sohn sollte es nur das Beste geben“

Nach Ansicht des Gerichtes war das Verhältnis des Angeklagten zu seiner Mutter von früher Kindheit an gestört. Jonathan B. sei im Grunde nicht gewollt gewesen, „erwünscht war ein Mädchen“, gleichzeitig aber im wohlhabenden Zuhause überbehütet aufgewachsen. Sein Vater, deutlich älter als die Mutter und seinerzeit Arzt in Malente, ist bereits vor 15 Jahren gestorben. „Für den Sohn sollte es nur das Beste geben. Er wurde beispielsweise mit der großen Limousine des Vaters zur Schule gefahren“, führte Richter Singelmann aus. Jonathan B. sollte der elitären Einstellung seiner Eltern entsprechen und nur mit Kindern befreundet sein, deren Eltern dem gleichen Stand angehörten.

So sei aus dem Angeklagten ein Einzelgänger geworden, der in der Schule häufig gemobbt wurde. Die Folge: „Leistungsverweigerung als passiver Widerstand.“ Alkohol und Cannabis prägten den Tagesablauf von Jonathan B., er konsumierte exzessiv Pornofilme, ließ seine Wohnung vermüllen und entwickelte einen Waschzwang. Er absolvierte nie eine Ausbildung und jobbte nur gelegentlich, weshalb ihm seine Mutter oft schwere Vorwürfe machte. „Eltern wollen naturgemäß nur das Beste für ihre Kinder“, sagte Richter Singelmann dazu, „und ein solcher Tagesablauf kann Eltern nicht erfreuen.“

Eine Woche vor der Tat erschien Jonathan B. bei der Polizei

Sowohl Jonathan als auch Barbara B. zogen vor Jahren nach Berlin, nutzten das einstige Elternhaus am Malenter Dieksee aber als Ferienhaus. Trotz der schwierigen Beziehung wohnten sie dort im Herbst 2018 einen ganzen Monat lang zusammen. Die drohende Eskalation muss der Sohn zumindest geahnt haben, denn eine Woche vor der Tat erschien er auf der Malenter Polizeistation und beschuldigte seine Mutter dort des „psychischen Missbrauchs“. „Das war Anlass genug, sich aus Malente zu entfernen“, sagte Singelmann – doch das tat Jonathan B. nicht.

Stattdessen verbrachte er seine Tage weiterhin mit Alkohol und Pornofilmen. Am Tattag, dem 13. Oktober 2018, fühlte er sich nach Einschätzung des Gerichtes durch seine Mutter beim Onanieren gestört. Sie habe ihn mehrfach aufgefordert, für die Rückreise nach Berlin zu packen. Bis zum Mittag soll Jonathan B. etwa die Hälfte einer 0,7-Liter-Flasche Rum mit Cola geleert haben, dann begab er sich ins Erdgeschoss zu seiner Mutter.

Die Mutter beschimpfte ihn als „verkommenes Stück“

Die begrüßte ihn offenbar mit den Worten „Na, Saufi, bist du schon wieder besoffen?“ und bezeichnete ihren Sohn als „verkommenes Stück“. In Jonathan B. stauten sich immer mehr Wut und Aggressionen auf, doch das bemerkte seine Mutter wohl nicht. „Sie ging zum Schrank im Wohnzimmer und griff dort nach einem Schlüssel“, schilderte der Richter den Tatablauf. „Dabei kehrte sie ihrem Sohn den Rücken zu, war arg- und wehrlos.“ In diesem Moment habe Jonathan B. spontan beschlossen, die 64-Jährige zu töten.

„Er legte ihr den rechten Arm um den Hals, nahm sie in den Schwitzkasten und drückte sie zu Boden“, heißt es weiter in der Urteilsbegründung. Barbara B. habe noch gerufen: „Was versuchst du denn jetzt?“ Drei bis fünf Minuten lang soll Jonathan B. auf der Frau gelegen haben, die versucht habe, sich durch Kratzen und Beißen zu wehren, und die Blut gespuckt habe. Das Gericht sah das Mordmerkmal Heimtücke durch dieses Vorgehen als erfüllt an: „Die Mutter versah sich keines Angriffs, denn trotz aller Streitigkeiten hatte es nie körperliche Auseinandersetzungen gegeben.“ Barbara B. habe keine Chance gehabt, sich zu verteidigen.

Jonathan B. würde die Tat „gern ungeschehen machen“

Nach der Tat habe sich der Sohn lange in einem Zustand „zwischen Euphorie und Panik“ befunden. Einen Tag später habe er an den Hausmeister in Berlin eine Nachricht geschickt, laut der Jonathan B. und seine Mutter in der Hauptstadt „gut angekommen“ seien. Erst nach zwei Tagen rief er bei einem Bestattungsunternehmen an und bat darum, die Mutter möge bei Dunkelheit abgeholt werden. Eine Mitarbeiterin des Bestatters informierte daraufhin den Rettungsdienst, der wiederum die Polizei alarmierte.

Am Tötungsvorsatz bestehe kein Zweifel, so das Gericht, ebenso wenig an der Heimtücke der Tat. Allerdings habe sich Jonathan B. in einem „affektiven Erregungszustand“ befunden und an einer „tief greifenden Bewusstseinsstörung“ gelitten. Er hat die Tat gestanden und keine Vorstrafen. Anders als bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe besteht bei der jetzigen Verurteilung von Jonathan B. die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. Das Vermögen von Barbara B. erbt er nicht, es wird eingezogen, denn laut Gesetz kann eine Person als „erbunwürdig“ erklärt werden – etwa wenn sie den Erblasser tötet, um ihn zu beerben.

Unabhängig von der stets problematischen Beziehung bereue Jonathan B. den Mord an seiner Mutter, befand der Richter: „Wir glauben ihm, dass er die Tat gern ungeschehen machen würde.“

Sabine Latzel

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