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Ostholstein „Ein schöner Luxus“: Unterwegs mit dem Bürgerbus
Lokales Ostholstein „Ein schöner Luxus“: Unterwegs mit dem Bürgerbus
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20:08 05.04.2019
Elsa Müller aus Rachut gehört zu den Stammfahrgästen des Malenter Bürgerbusses und lässt sich gerne von den ehrenamtlichen Fahrern wie Günther Jessen durch die Gemeinde kutschieren. Quelle: Dirk Schneider
Malente

Der Bürgerbus Malente ist ein Erfolgsmodell. Mehr als 10 000 Fahrgäste nutzten bereits den ehrenamtlichen Fahrdienst, der seit zwei Jahren die neun Dorfschaften und den Zentralort der Gemeinde miteinander verbindet. In dieser Zeit legten die 24 Fahrer rund 90 000 Kilometer mit dem Kleintransporter zurück.

„Für mich ist das eine sehr komfortable und bequeme Möglichkeit, meine Einkäufe zu erledigen oder den Friedhof zu besuchen“, erzählt Elsa Möller. Die 87-jährige Rentnerin aus Rachut ist ein begeisterter Passagier der ersten Stunde und – wie der Zufall es will – auch vor sechs Wochen als zehntausendste Mitfahrerin in den neunsitzigen Kleinbus eingestiegen.

Elsa Müller aus Rachut gehört zu den Stammnutzern des Malenter Bürgerbusses und wurde auch schon als 10000ster Fahrgast geehrt. Quelle: Dirk Schneider

Der Bürgerbus ermöglicht eine flexiblere Zeiteinteilung

Der Hinweg auf der Südschleife sei für sie zwar mit einem längeren Umweg über Kreuzfeld, Niederkleveez, Timmdorf und Neversfelde verbunden, aber das habe auch den Vorteil, dass die Strecke direkt am Waldfriedhof und am Wildtierpark vorbeiführe, wo sie gerne für leichte Gärtnerarbeiten oder einen kurzen Spaziergang verweile. „Da ist die Wartezeit vor Ort von einer Stunde ideal“, sagt Möller. Das gelte auch für den Besuch des Wochenmarkts. In Kombination mit dem regulären Bus, der frühmorgens und um die Mittagszeit insbesondere für die Schülerbeförderung eingesetzt werde, würden sich weitere Kombinationen ergeben. Im Vergleich zu früher, „wo man vor dem Frühstück los musste und dann erst nach dem Mittagessen wieder zu Hause war“, ermögliche der Bürgerbus nun eine deutlich flexiblere Zeiteinteilung. „Das ist schon ein schöner Luxus“, sagt die Seniorin erfreut.

Eine Busfahrt, die ist lustig

Auch für Heike und Elke aus Krummsee und Söhren, die nur ihre Vornamen nennen wollen, ist der Bus auf der Nordroute ein echter Gewinn. „Nur dank dieser Verbindung habe ich die Möglichkeit, als ehrenamtliche Helferin eine Betreuungsfunktion am späteren Vormittag in einem Seniorenheim zu übernehmen“, sagt Heike, während Elke auf diese Weise alte Freunde in der Tagespflege besucht.

Aber auch die Fahrt selbst ist für die kommunikativen Damen sehr unterhaltsam. „Man erfährt unterwegs, eigentlich alles, was neu ist und was man wissen muss“, sagt Heike und lacht. Dabei komme den Fahrern oft die ZRolle des Nachrichtensprechers zu, erzählt Günther Jessen, der nicht nur als Fahrer einmal pro Woche hinter dem Lenkrad sitzt. „Manchmal sind wir auch Fremdenführer für Touristen, die mit uns auf Rundfahrt gehen.“

Video: Unterwegs mit Busfahrer Günther Jessen

Auf diese Weise haben Marga und Karl-Heinz Müller aus Kiel einige Orte in der Holsteinischen Schweiz kennengelernt, die sie sonst vielleicht übersehen hätten. „Wir verbringen hier regelmäßig ein paar freie Tage“, erzählt die Rentnerin. Nach einer Wanderung rund um den Ukleisee sei man in den Bus eingestiegen. Im Gespräch mit dem Fahrer habe sie den Tipp für einen Spaziergang entlang der Malenter Au bei Sieversdorf bekommen. Weitere Ausgangspunkte habe sie während der Autofahrt beim Blick durchs Fenster gefunden. „Auch nach vielen Jahren kann man hier noch schöne neue Ecken entdecken.“

Als ehrenamtlicher Fahrer steuert Günther Jessen nicht nur den Bürgerbus, sondern hilft den Passagieren wie dieser älteren Dame mit ihrem Gehwagen auch beim Ein- und Aussteigen. Quelle: Dirk Schneider

Gute Alternative bei kaltem oder regnerischem Wetter

Für die 15-jährige Schülerin Milena aus Nüchel ist der Bus hingegen die beste Möglichkeit, am Nachmittag noch einmal nach Malente zu fahren, um sich mit Freunden zu treffen. Im Sommer könne sie auch mit dem Rad fahren, aber bei kaltem oder regnerischen Wetter mache dies keinen Spaß und in der dunklen Jahreszeit, sei es ihr ein bisschen zu gefährlich, erzählt die Jugendliche. Für Günther Jessen macht genau diese bunte Mischung der Mitfahrer den Reiz der ehrenamtlichen Arbeit aus. „Wir haben Pendler und Stammgäste, die unser Angebot fast täglich nutzen, und manchmal auch Fahrgäste, die eigentlich nur die Region erkunden wollen“, sagt Jessen.

Das für ihn unangenehmste Erlebnis: „Der Bus war einmal so voll, dass wir einen Wartenden nicht mitnehmen konnten, aber das ist in über zwei Jahren nur einmal vorgekommen.“ Das Schönste: „Der Dank der vielen Mitfahrer, deren Alltag wir ein bisschen besser machen können.“

Dirk Schneider

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