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Ostholstein Mann aus Timmendorfer Strand in Thailand verhaftet
Lokales Ostholstein Mann aus Timmendorfer Strand in Thailand verhaftet
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17:46 22.10.2019
Ein 52-jähriger Mann aus Deutschland wurde in Thailand verhaftet. Quelle: dpa
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Timmendorfer Strand/Bangkok

In Thailand ist ein 52 Jahre alter Deutscher verhaftet worden, weil er eine tote deutsche Rentnerin in einem Kanal versenkt haben soll. Der Mann kommt aus Timmendorfer Strand, lebt aber seit einiger Zeit in Thailand. Der genaue Hintergrund im aktuellen Fall des Timmendorfers ist noch unklar, wie die Polizei am Dienstag in Bangkok mitteilte.

Derzeit laufen Ermittlungen dazu, wie die 77 Jahre alte Frau ums Leben kam. Nach Angaben des Deutschen und seiner thailändischen Frau starb sie bei einem Sturz im Badezimmer, als sie bei dem Paar zu Gast war. Die Polizei schließt aber ein Gewaltverbrechen nicht aus.

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Der Mann wird auch in Deutschland mit Haftbefehl gesucht. Nach Angaben der thailändischen Behörden wird ihm Kreditkartenbetrug in verschiedenen Fällen zur Last gelegt. Opfer sollen mehrere ältere Frauen gewesen sein. Seit längerer Zeit hielt er sich in Thailand auf. Zusammen mit seiner Frau hat er ein Haus in der Provinz Chon Buri, etwa 90 Kilometer südlich von Bangkok.

Ähnlicher Fall in Thailand mit Ostholsteiner

Vor 15 Jahren saß schon einmal ein Ostholsteiner jahrelang in einem thailändischen Gefängnis. Ihm wurde damals Mord vorgeworfen. Ein thailändisches Gericht verurteilte den Großenbroder 2004 zum Tode. 2012 kam der Mann aber nach achtjähriger Haft frei. Er ließ sich im Kieler Umland nieder und versuchte ein neues Leben zu beginnen. Für den Mann aus Großenbrode bedeutete die Freilassung 2012 das Ende eines jahrelangen Martyriums. 1999 war der damals 28-Jährige nach Thailand ausgewandert, hatte in der Stadt Chiang Mai im Norden Thailands eine Ziegelei eröffnet.

2004 gab es dann den Verdacht, dass er einen 32 Jahre alten Freund aus der Schweiz getötet haben soll. Er hatte ihn bei sich im Haus aufgenommen. Der Angeklagte beteuerte immer wieder seine Unschuld, zudem gab es weder Zeugen noch eine Tatwaffe. Nach deutschen Maßstäben hätten die Beweise gegen den Ostholsteiner kaum zu einer Verurteilung ausgereicht.

Todesstrafe gegen den Ostholsteiner

Anders jedoch in Thailand: Das Gericht verhängte damals die Todesstrafe gegen den Ostholsteiner. Seine Mutter und ein Lübecker Rechtsanwalt kämpften jahrelang um das Wohl des Inhaftierten, der in einer kargen Zelle im Staatsgefängnis Bang Kwang saß. Die Haftbedingungen seien menschenunwürdig, hieß es damals. Mit Dutzenden anderen Häftlingen musste er sich eine Zelle teilen.

Ein zweiter Prozess, den der Großenbroder anstrengen konnte, brachte schließlich die entscheidende Wende. Das Todesurteil wurde in eine Haftstrafe umgewandelt. Da sich das Auswärtige Amt und der schleswig-holsteinische FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin weiter für den Schleswig-Holsteiner einsetzten, wurde er im Mai 2010 schließlich nach Deutschland überführt. In der Lübecker Justizvollzugsanstalt musste der Mann den Rest seiner Strafe absitzen. Im Mai 2012 wurde er aber endgültig freigelassen. Danach soll er sich in Schleswig-Holstein niedergelassen haben, um ein neues Leben zu beginnen.

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Von H. Lintschnig und L. Gäbler