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Ostholstein Marco Wriedt wird Chef der Eutiner Wehren
Lokales Ostholstein Marco Wriedt wird Chef der Eutiner Wehren
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12:23 23.02.2019
Der noch amtierende Eutiner Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt (links) gratuliert seinem Stellvertreter Marco Wriedt, der künftig an der Spitze der drei Wehren stehen wird.
Der noch amtierende Eutiner Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt (links) gratuliert seinem Stellvertreter Marco Wriedt, der künftig an der Spitze der drei Wehren stehen wird. Quelle: Dirk Schneider
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Eutin

Das Ergebnis wirkte wie ein Déjà-vu. Am Ende eines langen Abends setzte sich Marco Wriedt bei der Wahl zum neuen Eutiner Gemeindewehrführer mit 56 zu 36 Stimmen gegen Ralf Klesny durch. Vor vier Jahren hatten sich die beiden Gründungsmitglieder der Jugendfeuerwehr um das Amt des Stellvertreters beworben. Auch damals hatte sich Wriedt mit deutlicher Mehrheit gegen seinen Mitbewerber durchgesetzt. Der bisherige Amtsinhaber Heino Kreutzfeldt hatte aus Altersgründen auf eine Kandidatur verzichtet.

Schon bei der Kurzvorstellung wurde klar: Die beiden Kandidaten kennen und schätzen sich. Beide sind ausgebildete Atemschutzgeräteträger und verfügen über mehr als 30 Jahre aktive Einsatzerfahrung und engagieren sich in verschiedenen Vorstandsfunktionen. Wriedt ist noch stellvertretender Gemeindewehrführer, Klesny Ortswehrführer in Neudorf.

Die Unterschiede: Wriedt – gelernter Kaufmann, Zeitsoldat und IT-Administrator – präsentierte sich als Praktiker mit einem sehr direkten Draht zu den Wehren, der seine Schwerpunkte auf Kameradschaftspflege, Mitgliederwerbung und Ausbildung legen möchte. Klesny – Bankkaufmann und Filialleiter – verwies dagegen auf sein Verhandlungsgeschick, das er bei der anstehenden Klärung von Standortfragen und die Ausrüstung der Wehren Eutin, Fissau-Sibbersdorf und Neudorf gerne einbringen würde. Am Ende entschied sich die Mehrheit der mit 94 von 117 Aktiven der drei Wehren sehr gut besuchten Mitgliederversammlung für Wriedt.

Großes Lob für Heino Kreutzfeldt

Vor der Wahl nutzten viele Gäste Grußworte, um sich bei dem scheidenden Gemeindewehrführer für dessen drei Amtszeiten mit insgesamt 18 Jahren zu bedanken. Als Vertreter der Kreiswehrführung lobte der Bosauer Gemeindewehrführer Andreas Riemke dabei die gute Zusammenarbeit über die Gemeinde- und Kreisgrenzen hinweg, die zuletzt beim Großfeuer in Malente unter Beweis gestellt wurde. Der THW-Ortsbeauftragte Klaus-Peter Plötz sieht die Feuerwehren auch als eiserne Reserve für den Katastrophenschutz. Der Leiter und Initiator der Johanniter Schnelleinsatzgruppe Torsten Behrmann hob die persönliche Unterstützung Kreutzfelds für dieses Projekt hervor.

Schwierige Standortsuche für Gerätehaus

Die Vertreter aus Politik und Verwaltung wie Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) und der Vorsitzende des Bau- und Feuerwehrausschusses Klaus Kibbel (SPD) verknüpften ihre Lobreden auch mit Beiträgen über die Frage nach einem geeigneten Standort für das seit vielen Jahren geplante neue Gerätehaus der Eutiner Wehr. Nachdem die bereits getroffenene Entscheidung, einen Neubau auf dem Festplatz zu realisieren, nicht im Sinne der Wehr gewesen sei, so Behnk, sei man nun auf der Suche nach einem neuen Grundstück, dessen Lage deren Anforderungen besser erfülle. „Das ist nicht einfach, aber ich gehe davon aus, dass 2019 das Jahr der Entscheidung wird.“ Mehr könne und wolle er dazu nicht sagen, denn: „Grundstücksgeschäfte sind dann erfolgreich, wenn sie im Geheimen geführt werden“, betonte Behnk. Ansonsten stehe nach der Anschaffung des 420 000 Euro teuren Löschfahrzeugs, das vor einem Monat in Neudorf in Dienst gestellt worden sei, die Ersatzbeschaffung für die 20 Jahre alte Drehleiter an. Nach einigen Problemen, weil der Kreis den Austausch zunächst als verfrüht angesehen habe, sei die zwischenzeitlich gestoppte Ausschreibung für das 665 000 Euro teure Spezialfahrzeug jetzt raus. Die Stadt rechne mit einer Zuwendung aus der Feuerschutzsteuer von 180 000 Euro.

"Redet mit uns!" Eutins Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt nutzte seinen letzten Jahresbericht auch für klare Worte in Richtung der Verwaltung und der Politik. Quelle: Dirk Schneider

Informationen aus zweiter Hand

Heino Kreutzfeldt nutzte seinen Abschlussbericht für klare Worte. „In Sachen Feuerwehrhaus hat sich auch 2018 nur wenig bewegt“, so Kreutzfeldt. Statt den bereits 2008 gefassten Beschluss eines Neubaus zügig umzusetzen, sitze die Wehr immer noch in einem Gebäude, das 1968 für 50 Feuerwehrleute und sieben Einsatzfahrzeuge konzipiert wurde. Heute zähle die Wehr 70 Aktive sowie eine Jugend- und eine Kinderwehr. Besonders erbost sei er, dass im Zuge dieses Verfahrens die Wehr den Stand der Dinge immer aus zweiter Hand erfahren müsse. „Redet mit uns“, forderte Kreutzfeldt auch im Namen seines Nachfolgers und der anderen Wehrführungen. „Wir sind 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche erreichbar, das gilt nicht nur für Einsätze.“

Dirk Schneider