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Ostholstein „Ich möchte mich nicht mit einem Stillstand verabschieden“
Lokales Ostholstein „Ich möchte mich nicht mit einem Stillstand verabschieden“
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14:08 02.01.2019
Martin Voigt (parteilos) startet am 1. Januar in sein letztes Jahr als Oldenburger Bürgermeister. Quelle: BINDER
Oldenburg

Bürgermeister Martin Voigt sagt, was er in seinem letzten Amtsjahr alles noch verwirklichen will.

Nach elf Jahren starten Sie am 1. Januar in Ihr letztes Jahr als Oldenburger Bürgermeister. Was haben Sie sich dafür vorgenommen?

Martin Voigt: Ganz oben auf meiner Prioritätenliste stehen die Schulen. Ich werde den Abschluss der Sanierungs- und Neubaumaßnahmen nicht mehr als Bürgermeister erleben, aber mir ist wichtig, dass wir zeitnah über die nächsten Schritte entscheiden und das Vorhaben voranbringen. Gleiches gilt für die Stadtsanierung.

Die beiden Projekte stellen Oldenburg in den kommenden Jahren vor riesige Herausforderungen. Tut es Ihnen Leid, dass Sie die weitere Entwicklung nicht mehr aktiv begleiten werden?

Voigt: Ich gebe zu, dass mich diese Projekte nochmal zum Nachdenken gebracht haben. Die komplexe Planung und die aufwendige Suche nach Fördermöglichkeiten haben die Vorhaben zuletzt immer wieder ins Stocken gebracht. Wir haben viel angeschoben, aber leider gibt es bisher kaum sichtbare Ergebnisse. Ich hoffe, dass wir 2019 noch etwas bewegen können. Mit einem Stillstand möchte ich mich nicht verabschieden.

Werden Sie das Geschehen denn als Einwohner weiter verfolgen? Bleiben Sie Oldenburg treu?

Bisher haben meine Frau und ich zumindest keinen Ortswechsel geplant. Wir fühlen uns wohl hier. Wir wohnen in einer tollen Lage, nah am Stadtzentrum, nah an der Ostsee und nah an kulturellen Angeboten. Und vor allem ist es auch nach Lübeck nicht weit, wo unsere Kinder mit ihren Familien leben.

Kannten Sie Oldenburg schon gut, bevor Sie sich hier um das Amt des Bürgermeisters beworben haben?

Es wäre gelogen, wenn ich jetzt Ja sagen würde. Ich habe hier aber unheimlich schnell viele Menschen kennengelernt und mich darum auch sehr schnell zu Hause gefühlt.

Wenn Sie die Stadt von damals mit der Stadt von heute vergleichen – was sind Ihrer Meinung nach die größten Veränderungen?

Seither haben sich zahlreiche neue Betriebe in Oldenburg angesiedelt und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Einige Straßen, darunter die Göhler Straße, haben ein neues Gesicht bekommen und über die inzwischen gegründeten Stadtwerke erhält Oldenburg das leistungsfähigste Kommunikationsnetz, das heute überhaupt technisch möglich ist. Viele neue Kinderbetreuungsplätze sind entstanden und wir arbeiten heute mit den Trägern dieser Einrichtungen auf einer fairen Grundlage zusammen. Leider gibt es auch negative Entwicklungen wie die zunehmenden Leerstände in der Innenstadt. Dieses Problem wollen wir mit der Umgestaltung des Zentrums angehen. Ich wünsche mir, dass wir auch hier bald Veränderungen sehen. Leider zieht sich der Prozess jedoch hin, weil die Planung sehr komplex ist.

Wie frustrierend sind solche Erfahrungen? Wenn man als Bürgermeister von bürokratischen Prozessen oder von der Politik ausgebremst wird und nicht so viel bewegen kann, wie man vielleicht gern möchte?

Natürlich gibt es Frustmomente – wie wohl in jedem Job. Ganz offensichtlich haben die für mich aber nie überwogen, sonst hätte ich das Amt nicht so lange ausgeübt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit so gut?

Als Bürgermeister hat man viel mit Menschen zu tun. Und man kann die Entwicklung der Stadt sehr wohl mitgestalten, auch wenn es manchmal etwas länger dauert.

Was glauben Sie, was Ihnen nach dem Ende Ihrer Amtszeit am meisten fehlen wird?

Das werde ich wahrscheinlich erst genau wissen, wenn es so weit ist.

Worauf freuen Sie sich nach Ihrer Zeit als Bürgermeister?

Vor allem auf mehr Zeit für meine Familie und für persönliche Dinge. Ich freue mich darauf, Herr meines eigenen Terminkalenders zu sein, weniger Verpflichtungen und weniger Zeitdruck zu haben. Und ich schätze, ich kann meiner Frau den Wunsch nach einem Hund nicht mehr abschlagen, wenn ich beruflich nicht mehr so eingespannt bin. Darum werden wir wahrscheinlich einen neuen Mitbewohner bekommen.

Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor?

Da habe ich tatsächlich noch keine konkreten Pläne – auch wenn ich immer wieder auf irgendwelche Gerüchte angesprochen werde. Ich kann mir gut vorstellen, nochmal woanders zu arbeiten, und fühle mich auch nicht zu alt für einen beruflichen Neuanfang. Ich würde mir andere Arbeitszeiten wünschen, damit mein Enkel in Zukunft andere Sätze lernt als „Opa muss arbeiten“. Den ganzen Tag zu Hause sitzen möchte ich aber auf keinen Fall.

 

Zur Person

Martin Voigt (61) ist gebürtiger Eutiner. Er hat bei der Kreisverwaltung eine Ausbildung zum Verwaltungsangestellten samt Vorbereitung auf die Beamtenlaufbahn absolviert und dort anschließend einige Jahre weitergearbeitet, bevor er in die Verwaltung der Gemeinde Süsel wechselte. Nach einem Studium an der Verwaltungsfachhochschule wurde er dort – damals noch hauptamtlicher – Bürgermeister. Acht Jahre blieb er im Amt. Seit 2008 ist Voigt Bürgermeister in Oldenburg.

Voigt ist verheiratet, zweifacher Vater und dreifacher Großvater.

Jennifer Binder

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