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Ostholstein Masern-Impfpflicht: Kreis Ostholstein kündigt Kontrollen an
Lokales Ostholstein Masern-Impfpflicht: Kreis Ostholstein kündigt Kontrollen an
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19:01 05.12.2019
Impfen wird zur Pflicht: Ziel ist es, vor allem Kinder vor gefährlichen Infektionen zu schützen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Malente

Die Masern-Impfpflicht ist beschlossen: Wer dagegen verstößt, muss mit Bußgeldern in Höhe von 2500 Euro rechnen. Der verpflichtende Impfschutz gilt nicht nur für Kleinkinder, sondern auch für Lehrer, Erzieher, Tagesmütter und Betreuer, für Bewohner von Flüchtlingsheimen und für das Personal in medizinischen Einrichtungen. Damit wolle man vor allem Kinder vor unnötigen und gefährlichen Infektionen schützen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Experten hatten sich zuletzt besorgt über die Impfquote geäußert. Nach Angaben der Internetseite Vacmap vom Robert-Koch-Insitut (RKI), der Humboldt-Universität Berlin und dem Bundesministerium für Gesundheit haben in Ostholstein aktuell 96,9 Prozent der Kinder, die 2014 geboren wurden, zwar die Erstimpfung gegen Masern erhalten (Bund: 95,6 Prozent). Die Zweitimpfung erhielten jedoch nur 79,5 Prozent (Bund: 73,9 Prozent). Vollständig kontrolliert werden, könne die Krankheit jedoch erst ab einer Impfquote von 95 Prozent.

Unicef warnt: Masern auf dem Vormarsch

Weltweit starben 2018 schätzungsweise 140 000Menschen an den Folgen von Masern. Wie Unicef mitteilt, waren die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren. Die Zahlen gehen aus den neuesten Schätzungen hervor, die am Donnerstag, 5. Dezember, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlicht wurden.

„Die völlig unakzeptable Zahl der Kinder, die im vergangenen Jahr aufgrund dieser vermeidbaren Krankheit ihr Leben verloren hat, zeigt, welch große Bedrohung Masern-Ausbrüche für Kinder weltweit darstellen“, sagte Henrietta Fore, Unicef-Exekutivdirektorin. „Wenn Kinder nicht geimpft werden, gefährdet dies ihr ganzes Umfeld.“ In diesem Jahr seien beispielsweise bereits mehr als 4500 Kinder unter fünf Jahren in der Demokratischen Republik Kongo gestorben. Auf der Insel Samoa seien zudem zahlreiche Kinder erkrankt und können deshalb nicht zur Schule gehen.

Im Vergleich zu 2017 haben sich die weltweiten Masern-Fälle im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt, berichtet Unicef. Auch in diesem Jahr lägen die Zahlen bislang gefährlich hoch. Laut WHO wurden in den ersten 11,5 Monaten des Jahres 2019 bereits mehr als 413 000 Masern-Erkrankungen weltweit registriert (353 236 im Vorjahr).

Zu den Hauptgründen für die verheerende Zunahme zählt Unicef geringe Impfquoten und fehlenden Impfschutz in einigen Bevölkerungsgruppen oder Regionen – auch in Ländern, die zuvor als masernfrei galten.

Ärzte in Ostholstein kontrollieren Impfstatus

Bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Impfquote sogar noch geringer. Deswegen kündigte der Kreis Ostholstein Impfkontrollen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen an. „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind in der Pflicht, die Impfpässe im Rahmen eines Arztbesuches zu kontrollieren und auf fehlende Impfungen hinzuweisen“, sagt Kreissprecherin Carina Leonhardt. „Der Fachdienst Gesundheit führt Impfaktionen an den Beruflichen Schulen des Kreises und Impfberatungen durch.“

Im Kreis Ostholstein gab es 2018 sowie im laufenden Jahr keine bestätigten Fälle von Masernerkrankungen, teilt Leonhardt mit. Laut RKI gab es bundesweit in diesem Jahr bisher 498 Fälle, 2018 lagen 543 Masernfälle vor.

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Gesundheitsminister Heiner Garg ist für Impfpflicht

Auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) hatte die beschlossene Einführung der Impfpflicht in Kindergärten und Schulen begrüßt. „Es gibt kein Recht, andere Menschen zu gefährden“, sagte er nach dem Bundestagsbeschluss.

Die Techniker Krankenkasse (TK) Schleswig-Holstein sieht Impfungen als eine „unverzichtbare Maßnahme“, um schwere Krankheiten zu verhindern oder sogar auszurotten. „Eine gesetzliche Impfpflicht sollte aber das letzte Mittel sein, um Menschen vor einer schweren Erkrankung zu schützen“, sagte Sören Schmidt-Bodenstein, Leiter der TK-Landesvertretung Schleswig-Holstein.

Die Masern

Masern sind eine durch das Morbilli-Virus ausgelöste Infektionskrankheit. Diese wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und ist hochansteckend. Medikamente zur Behandlung gibt es nicht. Schutz wird allein durch das Impfen erreicht.

Bei Infizierten treten nach zehn bis zwölf Tagen Fieber, Husten, Schnupfen und gelegentlich Gelenkschmerzen auf. Etwas später erscheint ein roter, fleckiger Hautausschlag, der sich von Rücken und Kopf auf den restlichen Körper ausbreitet.

Sieben bis acht Prozent der Kranken bekommen Fieberkrämpfe. In einem von 1000 Fällen kommt es zu einer Gehirnentzündung, ähnlich häufig führt die Krankheit zum Tod. Zum Schutz der gesamten Bevölkerung müssen laut Robert-Koch-Institut mindestens 95 Prozent der Kinder und Erwachsenen gegen Masern immunisiert sein.

Kritik: Recht auf körperliche Unversehrtheit wird genommen

Mareike Jagszent aus Malente zeigt sich dagegen über das neue Gesetz erschüttert. Sie fühlt sich um ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung beraubt, vor allem da die Zahlen für eine Impfpflicht nicht aussagekräftig genug seien. „Dass mir deswegen meine Entscheidungsfreiheit genommen wird, ist irrational.“ So könnten Patienten nun nicht mehr abwägen, ob eine Masern-Impfung für sie sinnvoll ist.

Jagszent sei zwar nicht pauschal gegen das Impfen. Doch Nebenwirkungen und Impfschäden werden zu wenig in der Öffentlichkeit thematisiert. „Wenn ich dem Impfen so viel Aufmerksamkeit gebe, dann müssen die Informationen auch ausreichend sein“, fordert sie.

Mareike Jagszent veranstaltet regelmäßig einen Impfstammtisch. Sie irritiert die gesetzliche Impfpflicht. Quelle: Saskia Hassink

Regelmäßiger Impfstammtisch in Malente

Jagszent veranstaltet deswegen regelmäßig einen Impf-Stammtisch in den Kreisen Ostholstein und Plön. Hier bekommen Interessierte die Gelegenheit, sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und Fragen zum Impfen zu stellen.

Wegen ihres Engagements zu diesem Konfliktthema wurde die Diplom-Umweltwissenschaftlerin im vergangenen September auch von der Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD) als Gast bei der öffentlichen Anhörung zur Masern-Impfpflicht im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages eingeladen. „Es ist ein sehr komplexes Thema“, sagt Jagszent. Deswegen war sie auch darüber enttäuscht, dass viele Entscheidungsträger nur teilweise oder gar nicht anwesend waren. Außerdem sei kein breites Spektrum befragt worden, kritisiert sie. „Eine Gegenstimme hat total gefehlt.“

Das Problem sieht sie allerdings an einem anderen Punkt: „Es wurde nur positionsorientiert diskutiert“, sagt sie. „Gesundheit kann nicht nur daran festgemacht werden, die Impfquote zu erhöhen. Die Frage ist doch, wie halte ich die Gesundheit der Gesellschaft hoch?“ Es sei viel wichtiger, dass Menschen sich mit Ernährung oder Bewegung auseinandersetzen, damit sie langfristig gesund bleiben.

Ein Ärzte-Verein will gegen Masern-Impfpflicht klagen

Jagszent prüft derzeit sogar schon rechtliche Schritte. „Es muss da eine Entscheidungsmöglichkeit geben“, sagt sie. Und damit ist sie nicht allein: Auch der Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung will juristisch gegen die verabschiedete Masern-Impfpflicht vorgehen. So wollten Mitglieder des Vereins eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einreichen, sagte der Vereinsvorsitzende und Kinderarzt Michael Friedl.

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Von Saskia Hassink

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