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Ostholstein Dieser Ostholsteiner schreibt Gags für Jan Böhmermann
Lokales Ostholstein Dieser Ostholsteiner schreibt Gags für Jan Böhmermann
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12:15 04.04.2019
Autor Max Bierhals (r.) steht auch vor der Kamera und tritt bei Sketchen auf, hier mit Jan Böhmermann (l.) und Florentin Will. Quelle: ZDF/Julia Hüttner
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Haffkrug/Köln

Beruf? Spaßvogel. Oder Witzemacher. Oder Witzeschreiber. Offiziell: Headautor, jedenfalls bei der „Lass-dich-überwachen!“-Show. Behörden hätten bei der Berufsbezeichnung von Max Bierhals (32) so ihre Probleme. Dabei ist das, was er macht, alles andere als brotlose Kunst. Es ist eine Kunstform. Eine, die jetzt preisgekrönt ist.

Am Freitag (5. April) erhält Max Bierhals ebenso wie vier weitere Mitglieder des Jan-Böhmermann-Teams den dem Adolf-Grimme-Preis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Fernsehsendungen in Deutschland. Als Head-Autor steht Bierhals ganz oben auf der Preisträgerliste.

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Preise kommen aufs Klo

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Jan-Böhmermann-Sendung ausgezeichnet wird, aber es ist das erste Mal, das Max Bierhals persönlich die Trophäe, eine Art Prisma aus Bildschirmflächen, überreicht bekommt. „Wir lagern die Preise bei uns auf dem Klo, da bewundert man die am meisten“, berichtet er von der Trophäenschau des Teams. Und bestätigt mit dieser Aussage gleich eine Selbstcharakterisierung: „Ich komme nicht aus meiner Haut, ich glaube, man wird da reingeboren. Es gibt keine Alternative, nicht mehr witzig zu sein.“

Das Böhmermann-Team bei der ernsthaften Arbeit, eine lustige Sendung zu machen: Christian Huber, Markus Henning, Patrick Stenzel, Max Bierhals mit der obligatorischen Mütze und Giulia Becker (von links). Quelle: André Beckers

Andere zum Lachen zu bringen, war von klein auf das Talent des Max Bierhals. „Ich war immer ein Quatschkopf in der Schule. In einer Gruppe von mehreren Klassenclowns war ich einer.“ Daran dürfte sich der eine oder andere Lehrer oder Mitschüler am Ostseegymnasium Timmendorfer Strand noch erinnern. Max Bierhals verhehlt aber auch nicht, dass Witze erfinden echte Arbeit ist.

Für jeden Gag zu haben: Max Bierhals zusammen mit seiner Mutter Susanne im Wohnzimmer seines Elternhauses in Haffkrug. Quelle: Peyronnet

Witze werden in großer Runde getestet

Angefangen hat er im Böhmermann-Team als Außenautor. Die bekommen ein Thema vorgegeben und müssen Gags dazu einreichen. Offenbar hat’s funktioniert, denn Bierhals wurde zum Probearbeiten eingeladen und ist heute fester Teil des Teams. Seine Witze schreibt er im stillen Kämmerlein. „Ich sitze drei, vier Stunden und schreibe alles auf, was mir einfällt und witzig ist.“

Getestet werden die Gags in der großen Runde. „Ob ein Witz funktioniert, testen wir an uns selber“, sagt Bierhals. Die Ausbeute ist nicht sehr groß. Von an die 1500 Gags schaffen es gerade mal eine Handvoll in die Sendung.

Welche Sendung? Den Grimme-Preis gibt es für die „Lass-dich-überwachen!“-Show, Untertitel „Die Prism-is-a-dancer-Show“, angelehnt an den Song Rhythm Is a Dancer der Gruppe Snap. Prism ist ein Programm der amerikanischen National Security Agency (NSA), mit dem elektronische Medien und dort gespeicherte Daten überwacht werden.

Hier können Sie einige Beispiele für Bierhals’ Auftritte im Neo Magazin Royale sehen:

Show mit rührenden Elementen

Die Zuschauer im Studio wissen nicht, dass das Böhmermann-Team sie wochenlang „gestalkt“, ihre sozialen Netzwerke ausspioniert hat und aus den dort gefundenen Angaben für einzelne eine aufwendige Nummer gestrickt hat. Wie für die Frau, die auf ihrem Pinterest-Profil Fotos zum Thema Heiraten gesammelt hatte und für die im Studio eine Hochzeit inszeniert wird. Oder die Frau, die immer wieder ihren intelligenten Hund postet und zu einem „Deutschland-sucht-das-Supertier“-Casting eingeladen wird.

Ein Casting, das es gar nicht gibt. Aber das weiß die Kandidatin natürlich nicht.

„Diese Show schwenkt das pädagogische Fähnchen, auf dem steht, dass man doch mit seinen Daten ein bisschen weniger freigebig umgehen soll, nur am Rande. Im Mittelpunkt steht eine gelungene Mischung aus Überraschung, Ironie und auch rührenden Elementen“ heißt es in der Begründung der Grimme-Jury. Der habe vor allem gefallen, mit welcher Präzision im Hintergrund all die gearbeitet hätten, die dafür sorgen, dass im grellen Licht alles glatt läuft, heißt es weiter von den Juroren.

Undotierter Preis

Der Grimme-Preis hieß früher Adolf-Grimme-Preis nach dem Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, Adolf Grimme (1889–1963). Die Auszeichnung wird in vier Kategorien für herausragende Fernsehsendungen vergeben: Fiktion, Information & Kultur, Unterhaltung, Kinder & Jugend. Preisvergabe ist in diesem Jahr am Freitag, 5. April, wie immer in Marl (Nordrhein-Westfalen). Dort hat das Grimme-Institut seinen Sitz.

Als Headautor hat Bierhals die Verantwortung

Einer von diesen ist Max Bierhals, sogar einer der enorm wichtigen, obwohl er betont, dass der Preis dem gesamten Team gebühre. Er plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen. Zu Beginn des „Stalkings“ haben die Showmacher von den Kandidaten nicht mehr als Namen und E-Mail-Adresse. Vier, fünf, manchmal sechs Monate dauert der Vorlauf.

„Es ist viel Arbeit, weil alles passieren kann“, sagt Bierhals. „Es ist keine normale Sendung, das Risiko ist sehr hoch.“ So ist es schon zwei Mal passiert, dass zwei Menschen mit dem gleichen Namen dabei waren. Fraglich ist zudem, ob die Zuschauer wirklich kommen, für die etwas besonderes geplant ist. „Das Schönste ist, wie wir uns freuen, wenn die Leute da sind.“

Als Headautor trägt Max Bierhals die Verantwortung. Er selbst erklärt seine Rolle so: „Das ist der Kopf, der den Inhalt unter seinem Hut hat.“ Stimmt nicht ganz, bei Max Bierhals ist es eine Mütze.

Mehr über Max Bierhals lesen Sie hier: http://www.ln-online.de/Lokales/Ostholstein/Falscher-Haffkruger-bei-Wetten-dass

Susanne Peyronnet

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