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Ostholstein Delfin begleitet Fischer in Ostsee vor Fehmarn
Lokales Ostholstein Delfin begleitet Fischer in Ostsee vor Fehmarn
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19:03 19.12.2018
Ein Delfin ist im Juli 2018 auf Stippvisite in der Lübecker Bucht. Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums Stralsund ist der Große Tümmler in den vergangenen Jahren regelmäßig in der deutschen und dänischen Ostsee zu Besuch gekommen. Könnte dieser Meeressäuger jetzt auch den Kutter Gunnar Gerth-Hansen begleitet haben? Quelle: Lars Brackenwagen/dpa
Fehmarn

Meeres-Begegnung vor Fehmarn: Fischer Gunnar Gerth-Hansen (54) aus Burg auf Fehmarn war am Montag gegen 13 Uhr mit seinem Kutter „Tümmler“ vor der Insel unterwegs. „Es war etwa zwölf Seemeilen vor der Küste“, erinnert er sich, „auf der Schifffahrtslinie Travemünde-Trelleborg“. „Ich war im Ruderhaus. Plötzlich rief mein Mitarbeiter: ,Es schnauft irgendwas!“

Ein Fischer hat am Montagnachmittag vor der Ostseeinsel Fehmarn einen Delfin gesichtet. Der Meeressäuger begleitete den Kutter mit dem Namen "Tümmler" rund zwei Stunden lang.

Gerth-Hansen wundert sich. Dann sieht er am Bug eine kleine Fontäne. Es ist ein echter Delfin. Kein Schweinswal, die sehen sie ab und zu mal. Die Fischer sind begeistert. Ein Delfin in der Ostsee! „Das sieht man nicht so häufig“, sagt der Seemann. „2001 habe ich das letzte Mal zwei gesehen, das vor dem Hafen Burgstaaken.“ Das Tier ist zweieinhalb bis drei Meter lang, wirkt gut genährt. „Er schwamm zwei Stunden an Steuerbord neben uns her, machte auch Sprünge und ist zwischendurch kurz weggetaucht.“

Immer wieder Besuch von Delfinen

Große Tümmler leben normalerweise in Verbänden in der Nordsee und im Atlantik. Doch Delfine sind immer wieder zu Gast an der Ostseeküste, meist weil sie auf der Suche nach Nahrung sind. Zuletzt war im Juli 2018 ein Delfin auf Stippvisite in der Lübecker Bucht vor Travemünde. Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums Stralsund ist der Große Tümmler in den vergangenen Jahren regelmäßig in die deutsche und dänische Ostsee zu Besuch gekommen. Laut Dr. Michael Dähne handelt es sich bei dem Großen Tümmler um einen neugierigen Gast. „Die Tiere sind recht verspielt“, erklärt der Kurator für Meeressäugetiere. „Und vor allem, wenn sie alleine unterwegs sind, was bei Großen Tümmlern häufiger vorkommt, suchen sie auch schon mal Kontakt zu Menschen.“ Allerdings sollte man das nicht überinterpretieren, so Dähne.

Ein Delfin ist in der Lübecker Bucht aufgetaucht. Ein großer Moment für alle, die ihn gesehen haben. Denn die Tiere sind faszinierend und immer noch selten in der Ostsee zu Gast. Doch der Große Tümmler sollte nur beobachtet werden. Vom Mitschwimmen raten Experten ab.

„Seit 2013 haben wir jedes Jahr einige Tiere hier“, sagt Dr. Michael Dähne. Viel Aufregung gab es zum Beispiel vor zwei Jahren, als in der Kieler Bucht ein Delfin für Begeisterung sorgte. Zwei weitere Große Tümmler schwammen lange in der Ostsee umher. Die beiden tauchten zunächst vor Weissenhäuser Strand auf. Wenige Monate später schwammen sie wochenlang vor Neustadt und Grömitz. Sie begleiteten ein Boot der Bundespolizei See und sorgten mit ihren Sprüngen für Begeisterung. Von schwedischen Medien wurden sie damals liebevoll als „Selfie“ und „Delfie“ betitelt. 2001 hatten zwei weitere Delfine sogar den Weg in die Trave bis zum Lübecker Burgtorhafen zurückgelegt.

Erste Beobachtungen in der Ostsee 1842

Die erste Beobachtung in der deutschen Ostsee ist demnach für den 6. Mai 1842 vor Stralsund verzeichnet. Zehn Jahre später verirrte sich gar eine „Schule“ — also eine Gruppe — in den Greifswalder Bodden. Weitere Beobachtungen sind 1870 vor Kiel und 1882 für Lübeck verzeichnet. Zuletzt war 2007 ein totes, in der Ostsee treibendes Tier von einem Schiff auf der Fahrt nach Eckernförde in Schlepptau genommen worden.

So sind die Überlebenschancen im Winter

Die Überlebenschancen für die Tümmler in der Ostsee bezeichnete Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, als „gut“. Die Tiere seien in der Lage, große Strecken zurückzulegen. Mit den Heringen gebe es auch genügend Nahrung für die Delfine in der Ostsee. Auch seien die Tiere kalte Temperaturen gewohnt. Schwierig sei es nur, wenn in strengen Wintern Teile der Ostsee zufrieren. „Das ist für alle Lungenatmer ein Problem“, sagte Benke.

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