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Ostholstein Land fordert mehr Naturwald: Eutin geht mit positivem Beispiel voran
Lokales Ostholstein Land fordert mehr Naturwald: Eutin geht mit positivem Beispiel voran
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16:28 30.04.2019
Förster Alexander Decius mit Hündin „Biene“ im Naturwald Schwonau. Die Vorgabe aus Kiel, mehr Naturwald in den Landesforsten zu fördern, hat er bereits erfüllt.
Förster Alexander Decius mit Hündin „Biene“ im Naturwald Schwonau. Die Vorgabe aus Kiel, mehr Naturwald in den Landesforsten zu fördern, hat er bereits erfüllt. Quelle: Ulrike Benthien
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Eutin

Förster Alexander Decius hat sein Soll bereits erfüllt. In der Försterei Wüstenfelde, Gesamtfläche 1596 Hektar, gibt es 315 Hektar Naturwald. Das sind deutlich mehr als die verlangten zehn Prozent, die das Land bis Mitte 2020 zur Vorgabe gemacht hat. Im Koalitionsvertrag ist vereinbart worden, den Naturwaldanteil der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten von fünf auf zehn Prozent anzuheben. Auch die bis dahin verlangten fünf Prozent habe Wüstenfelde deutlich übertroffen. Aber der Grundstein dafür sei vor seiner Zeit als Revierförster gelegt worden, sagt Decius. Er leitet die Revierförsterei Wüstenfelde seit 2012.

Als Naturwald bezeichnet man Wald, der nicht mehr wirtschaftlich genutzt wird. Dort werden nur noch Maßnahmen zur Verkehrssicherung vorgenommen. Ein Naturwald dient einer ungestörten natürlichen Entwicklung standortspezifischer Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Zusätzlich wird dort waldökologische Forschung betrieben. Dazu gehört, dass Waldlebensgemeinschaften fortwährend beobachtet werden.

„Es werden Organismen gefördert, die auf Totholz angewiesen sind, beispielsweise Käfer und Pilze. In Höhlen abgestorbener Bäume leben beispielsweise Schwarzspechte, Hohltauben und Fledermäuse“, sagt Alexander Decius.

Fast 3500 Habitatbäume in der Försterei Wüstenfelde

Eine weitere Forderung an die Försterei Wüstenfelde, die aus der Vorgabe des Landes hervorgeht, ist es, Habitatbäume auszuweisen. Als Habitat- oder Biotopbäume sind solche definiert, die besondere Lebensräume (Habitate, Biotope) für andere Lebewesen bieten. Das können sehr alte, absterbende oder tote Bäume sein. Auch solche mit besonderen Wuchsformen, Wucherungen, Stamm- und Rindenverletzungen können Lebensraum für Tiere, Pflanzen oder Mikroorganismen darstellen.

Mehr zum Thema: Mehr Platz im Wald für neue Bäume: Fällungen bei Pansdorf.

Bei der Försterei Wüstenfelde sind es 3476 dieser Bäume. „Diese Zahl haben wir im Frühjahr erreicht“, berichtet Alexander Decius. Die Bäume sind daran zu erkennen, dass sie ein weißes Dreieck ziert. In ihren Waldbereichen, die mehr als 100 Jahre alt sind, hat die Försterei pro Hektar jeweils zehn Habitatbäume gekennzeichnet. „Das sind bei uns überwiegend Buchen und Eichen, weil diese bei uns eben größtenteils wachsen“, erklärt der Förster.

In seinem Gebiet folgt Decius, wie die anderen Förstereien auch, dem sogenannten Habitatbaumkonzept, das die Landesforsten erstellt haben. „Ich habe in jedem Waldbereich Bäume als Habitatbäume ausgewählt, die Linien bilden. So werden die Naturwaldstücke miteinander verbunden und Arten, die eher träge und nicht so beweglich sind, können trotzdem wandern.“

Land möchte Naturwaldanteil in Förstereien erhöhen: In Wüstenfelde bei Eutin sind es mittlerweile 315 Hektar, die Tieren und Pflanzen besonderen Lebensraum bieten.

Es wächst mehr nach, als gefällt wird

6900 Festmeter Holz werden jedes Jahr in der Försterei Wüstenfelde gemacht. „Das ist nachhaltiger Holzeinschlag und bedeutet, dass wir maximal so viel entnehmen, wie auch nachwächst“, erklärt Decius. Sein Schnitt liege sogar noch darunter: „Wir fällen im Schnitt 5,8 Festmeter pro Hektar, und es wachsen rund 7,6 Festmeter Holz pro Hektar nach.“

Das Abholzen sei notwendig, betont Förster Decius, denn durch das Auslichten des Waldes würden andere, vielversprechende Bäume gefördert. Diese sind mit einem „Z“ für Zukunftsbaum markiert. Außerdem ist das Abholzen wirtschaftlich wichtig für den Betrieb: Der Jahresumsatz seiner Försterei liege bei rund 600 000 Euro. Davon entfielen 80 bis 90 Prozent auf den Holzverkauf, sagt Alexander Decius.

Schäden durch Abholzung werden jetzt behoben

Was sich nicht für die industrielle Nutzung eigne, gehe an Selbstwerber. Zwischen 50 und 100 von ihnen machen jedes Jahr in Wüstenfelde ihr eigenes Kaminholz. Es wird entweder aus Kronenresten von gefällten Bäumen oder aus an den Weg gerückten Drei-Meter-Stämmen gesägt.

Durch das Rücken in den Rückegassen sind allerdings Schäden im Wald entstanden. Doch diese Wege können dank der Trockenheit der vergangenen Wochen jetzt instand gesetzt werden. In den kommenden Wochen sollten sie mit einem Wegehobel und einer Walze überarbeitet werden, sodass Fußgänger und Fahrradfahrer sie gefahrlos nutzen könnten, sagt der Förster.

Motorsägeschein in zwei Tagen

100 Brennholzselbstwerber machen pro Jahr ihren Motorsägeschein. Das ist eine Voraussetzung, um in Förstereien ihr eigenes Kaminholz machen zu dürfen. Forstwirtschaftsmeister Ralf Soltau aus Rickling bietet die zweitägigen Kurse in Dodau (Eutin) und Rickling (bei Segeberg) an. In 15 Stunden Theorie und Praxis werden die Teilnehmer intensiv im Umgang mit der Motorsäge geschult. Die Kosten für einen Kursus betragen 155 Euro. Kontakt zu Ralf Soltau unter Telefon 01 70/576 75 17 oder per E-Mail an ralf.soltau@forst-sh.de. Weitere Infos auf der Internetseite der Landesforsten.

Ulrike Benthien