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Ostholstein Mehr als 22 Millionen Euro für neue Wohnungen im Kreis
Lokales Ostholstein Mehr als 22 Millionen Euro für neue Wohnungen im Kreis
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19:00 10.05.2019
Wobau-Geschäftsführer Fabian Weist (r.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhard Sager mit den Zeichnungen der geplanten Mehrfamilienhäuser in Stockelsdorf. Quelle: Ulrike Benthien
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Ostholstein

 Von Wohnungsnot will Landrat Reinhard Sager (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) Ostholstein, noch nicht sprechen, wohl aber von einer Wohnungsproblematik. „Wir haben sehr viele Nachfragen in zentraler Lage mit guter Infrastruktur“, sagt Wobau-Geschäftsführer Fabian Weist. Vor allem Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen würden gesucht. Dies hänge vor allem mit der Zunahme von älteren und Single-Haushalten zusammen. Das kommunale Unternehmen wolle seiner Verantwortung daher nachkommen und in den kommenden Jahren erheblich investieren: „Bis zum Jahr 2025 wird die Wobau mehr als 22 Millionen Euro in Bauprojekte stecken. Das ist ein starkes Signal. Es zeigt, dass wir die Bevölkerung stets im Blick haben“, sagt Weist.

In der Eutiner Seestraße, dem Viertel, in dem die Wobau 1938 ihre ersten Häuser baute, hat das Unternehmen erst im März Richtfest für 30 neue Wohnungen gefeiert. Die ersten Mieter werden im Juli/August einziehen. 5,7 Millionen Euro sind an dem Standort investiert worden.

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2020 sollen in Stockelsdorf zwei Mehrfamilienhäuser entstehen

„Wenn das Vorhaben abgeschlossen ist, werden wir in Stockelsdorf bauen“, kündigt Fabian Weist an. Anfang 2020 sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit 20 bis 24 Wohnungen am Bahndamm/Weidenweg entstehen. Auch hier liegt der Fokus auf Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen. Ein Drittel davon wird sozial gefördert sein, womit der Gemeinde ein Belegungsrecht zukommt. Investitionssumme: mehr als fünf Millionen Euro. Stockelsdorf wird auch in anderer Hinsicht profitieren. „80 Wohnungen im Tilsiter Weg sind mit Ende 2018 aus der Mietpreis- und Belegungsbindung herausgefallen, aber 25 geben wir für 15 Jahre wieder an die Gemeinde zurück. Das macht wohl kein anderes Wohnungsbauunternehmen“, sagt der Geschäftsführer.

Bis zu 30 neue Wohnungen für Burg auf Fehmarn

Auch in Burg auf Fehmarn, nördlich der Gorch-Fock-Straße, plant das kommunale Unternehmen weiteren bezahlbaren Wohnraum. „Wir wollen ja im gesamten Kreisgebiet tätig sein, auch auf der Insel ist Wohnbedarf vorhanden“, sagt Reinhard Sager. Gerade werde das Baurecht geschaffen, „wenn alles gut läuft, können wir 2022/23 mit dem Bau der Mehrfamilienhäuser beginnen“, sagt Fabian Weist. Entstehen sollen 24 bis 30 Wohnungen, was sich die Wobau rund sechs Millionen Euro kosten lassen wird.

In Stockelsdorf soll Anfang kommenden Jahres, in Eutin 2024 /25 Start für den Bau neuer Mehrfamilienhäuser sein.

In Eutin sollen in der Seestraße die Häuser Nummer 2 und 4 durch neue Gebäude ersetzt werden. Ins Visier genommen ist als Baustart 2024/25. „Unser Gründerviertel hat eine sehr attraktive Lage am Kleinen See, wir wollen es ausbauen“, sagt der Wobau-Geschäftsführer. Die neuen Häuser sollen ähnlich aussehen wie Nummer 1, 3 und 5, die kurz vor der Fertigstellung stehen: zweigeschossig mit Staffelgeschoss und rötlichem Klinker. „Ein Wohnhaus aus unserer Gründerzeit möchten wir erhalten. Es soll saniert werden und als Gemeinschaftseinrichtung genutzt werden. Darin wird es auch eine Gästewohnung geben“, berichtet Weist. Für dieses Projekt veranschlagt die Wobau ebenfalls mehr als fünf Millionen Euro.

Frauenhaus in Eutin soll 2020 fertig sein

Fabian Weist wartet täglich auf eine Förderzusage des Landes. Dann soll der Bau des Frauenhauses in Eutin schnellstmöglich beginnen. „Wir rechnen damit, dass es im Mai, Juni losgehen kann. Das Haus wird gebraucht, wir müssen was machen“, sagt Reinhard Sager. Die bisherige Einrichtung in Lensahn sei überlastet und veraltet. Das neue Frauenhaus wird über mehr als 400 Quadratmeter Fläche haben, das jetzige in Lensahn verfügt über gerade mal 230 Quadratmeter.

Die Anzahl der Plätze wird allerdings nach wie vor bei 15 liegen – „nur für diese Anzahl gibt es aus dem Finanzausgleich des Landes pro Monat 2300 Euro“, erklärt Fabian Weist. „Das Projekt ist mit Hochdruck angeschoben worden. Es ist erst 2018 konzipiert worden. Vorteilhaft war, dass das Grundstück der Wobau gehört“, sagt der Landrat. 1,2 Millionen Euro wird das Frauenhaus insgesamt kosten. Es soll im Frühjahr 2020 bezugsfertig sein.

Landrat: Weniger Bau-Beschränkungen

„Wir wollen sozial- und kommunalpolitisch wirken“, betont Reinhard Sager. „Und wir sind froh und glücklich, eine eigene Wohnungsbaugesellschaft zu haben.“ 1850 Wohnungen im Bestand zu halten, sei ein enormer Beitrag auf dem Wohnungsmarkt. Der Wobau-Aufsichtsratsvorsitzende appelliert jedoch eindringlich an Politik und Verwaltung: „Sie müssen günstigen Baugrund zur Verfügung stellen.“ Das gelte auch für die Seebäder: „Es können nicht nur Eigentumswohnungen hochgezogen werden. Auch dort müssen Mietwohnungen entstehen.“ Aber nur einige Gemeinden gingen diesen Weg mit. Sager fordert außerdem, dass die Landesbauordnung weiter entrümpelt werden müsse. „Dass es Lockerungen bei Abstandsflächen und dem Dachgeschossausbau gibt, ist ein guter Anfang, für mehr Wohnraum zu sorgen. Wir brauchen weniger Restriktion.“

1850 Wohnungen im Bestand

Gegründet wurde die Wohnungsbaugesellschaft Ostholstein im Jahr 1938 als „Gemeinnützige Wohnstättengesellschaft mbH. Eutin“. Gründungsmitglieder waren der damalige Kreis Eutin, die Oldenburg-Lübecker Landesbank, die Stadt Eutin und acht Eutiner Handwerksbetriebe, die zusammen ein Stammkapital von 100 000 Reichsmark aufbrachten.

560 Wohnungen hätten im damaligen Kreis Eutin gefehlt, allein in Eutin 200 Wohnungen, heißt es in der Historie der Wobau.

Ende 1970 entstand durch die Zusammenlegung der ehemaligen Kreise Eutin und Oldenburg der Kreis Ostholstein. Die „Gemeinnützige Wohnstättengesellschaft mbH. Eutin“ verschmolz mit der „Kreiswohnungsbaugesellschaft Oldenburg in Holstein“ zur Wobau.

Gesellschafter des kommunalen Wohnungsunternehmens mit Sitz in Eutin sind unter anderem der Kreis, die Sparkasse Holstein und 28 Gemeinden aus Ostholstein. Die Wobau bewirtschaftet mehr als 1850 eigene Wohnungen, 400 Garagen und zehn gewerbliche Objekte.

Fabian Weist hadert vor allem mit dem seit 2019 geltenden Mietrechtsanpassungsgesetz. „Es besagt, dass nach einer Modernisierung die Miete um zwei Euro pro Quadratmeter angehoben werden darf, wenn sie zuvor unter sieben Euro pro Quadratmeter gelegen hat. Hat die Miete aber vorher über sieben Euro gelegen, darf sie nach der Modernisierung um drei Euro maximal erhöht werden. Das heißt, wer vorher sozialverantwortlich gehandelt hat und eine Miete unter sieben Euro genommen hat, wird nun benachteiligt.“ Bei den heutigen Sanierungskosten käme man mit zwei Euro nicht aus, sagt er. „Unsere Mieten liegen im Schnitt bei 5,89 Euro. Wir investieren sehr viel in energetische Sanierung. Da werden wir ja bestraft.“ Er hoffe, dass das Gesetz nachgebessert werde: „Die Modernisierungsumlage muss an aktuelle Bau- und Zinskosten gekoppelt werden.“

Ulrike Benthien