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Ostholstein Messerangriff: Ex-Soldat soll in die Psychiatrie
Lokales Ostholstein Messerangriff: Ex-Soldat soll in die Psychiatrie
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14:52 25.05.2019
Vor dem Lübecker Landgericht läuft das Verfahren gegen den Ex-Soldaten aus Ostholstein. Quelle: Sabine Latzel
Eutin/Ostholstein

Klaus P. (43, alle Namen geändert) gibt selbst Fachleuten Rätsel auf. Dass der Mann psychisch krank ist, ist keine Frage. Am 3. November 2018 soll er versucht haben, in einem ostholsteinischen Dorf seinen Nachbarn Piet S. (74) zu erstechen. Aber woran leidet der Ex-Soldat Klaus P. genau und was ist der Auslöser dafür?

Der Beschuldigte hatte sich in seiner Aussage am ersten Prozesstag immer wieder auf einen Geheimauftrag der Bundeswehr berufen, der ihm, dem Ex-Soldaten, erteilt worden sei. Mit dem Angriff auf Piet S. wollte er den erfüllen, denn der Nachbar sei ein Massenvergewaltiger.

Keine klare Diagnose

Am zweiten Prozesstag hörte die I. Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck am Freitag die psychiatrische Sachverständige Dr. Christine Heisterkamp. Die hatte sich nicht nur selbst ein Bild vom psychischen Zustand des Beschuldigten gemacht, sondern auch etliche Arztberichte ausgewertet. Daraus ergebe sich keine klar zu diagnostizierende psychische Erkrankung. Allerdings habe das Gericht einen „hoch psychisch auffälligen und wahnhaften Menschen“ vor sich. Der bewege sich irgendwo zwischen einer Persönlichkeitsstörung und einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Solche Belastungsstörungen treten bei Bundeswehrsoldaten nach Auslandseinsätzen auf. Klaus P. war Panzerkommandant bei den damaligen Eutiner Panzeraufklärern und 1998 und 1999 in Bosnien-Herzegowina sowie im Kosovo im Einsatz. Die Gutachterin sieht durchaus einen zeitlichen Zusammenhang zwischen diesen Einsätzen und dem sich über Jahre hinziehenden kompletten Zusammenbruch. Die PTBS könne aber nicht der alleinige Auslöser sein. Vieles spreche dafür, dass das Trauma noch zu einer bestehenden Persönlichkeitsstörung hinzugekommen sei.

Seit Jahren stabiles Wahnsystem

Seit der Tat im vergangenen November ist Klaus P. in der Neustädter Forensik untergebracht. Sein Verhalten dort lässt Heisterkamp vermuten, dass zu seinem Krankheitsbild möglicherweise noch eine paranoide Schizophrenie hinzukommen könnte. Vor allem aber sagt sie, dass sein „Wahnsystem seit Jahren sehr stabil“ sei. Am Ende ihres Gutachtens beantwortet Heisterkamp die für das Gericht wichtigste Frage und sagt: „Weitere gefährliche Taten sind höchstwahrscheinlich zu erwarten. Er muss dringend behandelt werden, um den Geheimauftrag aus seinem Kopf herauszubekommen.“

Staatsanwältin Dr. Mareike Lindner sieht den Vorwurf des versuchten Totschlags, begangen im Zustand der Schuldunfähigkeit, durch die Beweisaufnahme bestätigt. „Handlungsleitend war die Wahnidee des Beschuldigten“, sagte sie in ihrem Plädoyer. „Er war nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen.“ Lindner vermochte keine Anzeichen für eine Besserung zu sehen. „Ich gehe von erheblichen Gefahren für die Allgemeinheit aus.“ Deshalb beantragte sie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Ex-Soldat zeige Einsicht in seine Krankheit

Ein Antrag, dem sich Verteidiger Thomas Gohlke anschloss, der für seinen Mandanten wünscht, dass er „in geordneten Bahnen betreut und medikamentös eingestellt wird“. Klaus P. sei der Letzte, der sich einer Behandlung verweigere, er wisse sehr wohl, dass er krank sei. Jedoch wich Gohlke in seinem Plädoyer auch von einer Einschätzung der Staatsanwältin ab: „Ich kann keine Anhaltspunkte für eine abstrakte Gefährlichkeit finden.“

Das Urteil wird am Montag, 3. Juni, um 11.30 Uhr im Lübecker Landgericht verkündet.

Susanne Peyronnet

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