Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Kunstrasenplätze: Die Angst der Amateurkicker vor dem EU-Verbot
Lokales Ostholstein Kunstrasenplätze: Die Angst der Amateurkicker vor dem EU-Verbot
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:57 06.09.2019
Wolfgang Ruge ist Geschäftsführer des Kreissportverbandes Ostholstein. Auf dem Lensahner Kunstrasenplatz zeigt er das Mikrogranulat, dessen Verwendung laut EU von 2022 an verboten sein soll. Quelle: Gäbler
Lensahn

Das geplante EU-Verbot von Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen vom Jahr 2022 an könnte sich für Ostholsteins Kicker und Kommunen zum riesigen Problem entwickeln: Von den 109 Fußballplätzen zwischen Fehmarn und Bad Schwartau sind 18 als Kunstrasenplatz angelegt worden und mit Plastikgranulat bestreut. Bei deren Einweihung gab es noch große Freude: Sportplatz-Feste wurden gefeiert, Bürgermeister übernahmen den ersten Anstoß, ein ganzjähriger Spielbetrieb wurde möglich. Doch die Freude ist verflogen. Das Schreckgespenst der Platzschließung schwebt jetzt über den Kommunen, sollte es keine Übergangsfrist geben.

KSV besorgt wegen drohender Schließungen

Wolfgang Ruge ist Geschäftsführer des Kreissportverbandes (KSV) mit Sitz in Lensahn. 58 600 sporttreibende Menschen sind im KSV organisiert, zudem fast 189 Vereine in ganz Ostholstein. Bei ihm laufen die Anfragen besorgter Vereinsvorsitzender genauso auf wie die Anforderungen des Landessportverbandes, der Zahlen zu Kunstrasenplätzen vor Ort wissen will.

„Das sieht überhaupt nicht gut aus“

Ruge wirkt zwar im LN-Gespräch noch gelassen, macht aber dennoch deutlich: „Die Sache mit dem EU-Verbot sieht überhaupt nicht gut aus – ein ganz großes Problem. Aber die Kunstrasenplätze sind für Ostholstein ungeheuer wichtig. Sie gewährleisten einen ganzjährigen Spielbetrieb. Ohne sie würde der Spielbetrieb komplett zusammenbrechen – nicht nur in Ostholstein.“

Seit Jahresbeginn läuft bereits die Erhebung über Kunstrasenplätze. Der Landessportverband hat alle Kreisverbände aufgefordert, Zahlen zu liefern. Ostholstein meldete 18 Kunstrasenplätze bei insgesamt 109 Fußballplätzen. „Und in fast allen Kunstrasenplätzen ist Mikrogranulat drin“, sagt Ruge. Es gebe zwar auch Alternativen – aber Kork sei zu teuer und zu anfällig für Schimmelpilz, Quarzsand berge ein zu hohes Verletzungsrisiko. Nur Plastikgranulat mache den Kunstrasen richtig bespielbar.

Abtrag durch Starkregen, Eis und Stürme

Auf gut 35 bis 40 Tonnen Mikrogranulat schätzt Ruge die Befüllung eines Platzes. Etwa zehn Prozent würden durch Starkregen, Eis und Stürme abgespült beziehungsweise verweht werden. Dieser Verlust werde bisher von den Platzwarten mit speziellen Geräten wieder aufgefüllt. Aber genau das soll laut EU ab 2022 verboten werden.

Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts sollen Kunstrasenplätze zu den größten Emittenten von Mikroplastik in Deutschland gehören. Ein neuer Bericht sieht Kunstrasenplätze inzwischen sogar schon auf Platz drei der Verursacherliste.

Die Nutzungsdauer liegt bei 20 Jahren

Ein moderner Kunstrasenplatz besteht aus einer elastischen Tragschicht, dem Kunstrasen und dem Infill (Granulat). Letzteres sorgt dafür, dass sich der Kunststoffrasen weich und elastisch anfühlt und so den Sportler vor Verletzungen schützt. Ruge: „Etwa 20 Jahre können solche Plätze bei sachgerechter Pflege bespielt werden.“

Derzeit läuft ein sogenanntes Konsultationsverfahren zu dem Thema, bei dem zahlreiche Institutionen ihre Stellungnahme abgeben können. In Deutschland tut dies unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der auf die Zahlen der Landessportverbände zurückgreift.

Hoffnungsvoller Blick nach Berlin

Ostholsteins Kicker und auch die Kommunen, in deren Besitz die Flächen meistens sind, schauen jetzt gespannt auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Er will sich für eine Übergangsfrist von sechs Jahren für bestehende Kunstrasenplätze einsetzen. „Als Sportminister werbe ich für einen vernünftigen Ausgleich zwischen Umweltschutz und den berechtigten Interessen des Sports“, sagte Seehofer der „Welt am Sonntag“ und meinte noch: „Viele Tausend Sportanlagen in deutschen Kommunen wären sonst von der Schließung bedroht.“

Diese Sorge teilt auch der KSV-Geschäftsführer Wolfgang Ruge: „Sollte das Verbot kommen, wäre das ganz übel für Ostholsteins Sportvereine – ein echtes Problem für den Sport. 2022 ist einfach zu kurzfristig. Wir hoffen auf eine gute Lösung der Politik, die eine Übergangsfrist beinhaltet und letztlich auch Fördermittel zur Entsorgung des Granulates. Denn auch diese Fragen seien vorab zu klären: Wer entsorgt das Granulat? Wie soll es entsorgt werden? Und wohin soll es entsorgt werden?“

Experten-Vorträge in Neumünster

Anlässlich der aktuellen DiskussionMikroplastik auf Kunstrasenplätzen“ werden auf der Baufachmesse „NordBau“ in Neumünster drei Vorträge angeboten, in der sowohl nationale Studien und Initiativen als auch Lösungsansätze vorgestellt werden. Die Termine sind am Freitag, 13. September (10 Uhr) und am Sonntag, 15. September (10 und 12 Uhr).

Veranstaltungsort ist die Baufachmesse „NordBau“, Messegelände Holstenhallen, Halle 8, Eingang Süd (Justus-von-Liebig-Straße 2-4, Neumünster).

Anmeldung per E-Mail an info@galabau-sh.de oder direkt bei Achim Meierewert, Telefon 04 12/707 78 90. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

So reagieren Ostholsteins Städte

Neustadt hat zwei Kunstrasenplätze – am Gogenkrog und das Kleinfeld am Schorbenhöft. Conrad Rieger, stellvertretender Amtsleiter des Neustädter Bauamtes, hat auch bereits von dem drohenden EU-Verbot gehört und hofft auf Hilfe vom Land oder Bund. „Die Plätze sind mal sehr aufwendig mit Fördergeldern gebaut worden. Wenn jetzt politisch etwas anderes gewollt ist, müssen die Städte auch Unterstützung erhalten.“

Ähnlich sieht es auch die Stadt Fehmarn: „Wir haben das Thema bereits im Blick, müssen aber abwarten was der Fußballverband hierzu rät“, sagt Erster Stadtrat Heinz-Jürgen Fendt (SPD), der derzeit Bürgermeister Jörg Weber vertritt. Fehmarn hat einen Platz am Stadion.

In Eutin gibt es auf der Waldeck-Sportanlage zwei Kunstrasenplätze – beide in städtischem Besitz und mit Kunststoffgranulaten gefüllt. „Bis 20. September 2019 können Stellungnahmen eingereicht werden“, sagt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. „Dann kommt eine finale Entscheidung. Inhalt, Ausgang und etwaige Grenzwerte sind noch offen, davon hängen alle weiteren Schritte ab.“

  

Der Kreissportverband Ostholstein

189 Vereine mit 58 600 sporttreibenden Menschensind im Kreissportverband (KSV) Ostholstein organisiert. Der KSV ist damit die größte Organisation im Kreis Ostholstein.

Von „A“ wie Aikido bis „W“ wie Wasserskiwerden mehr als 40 Sportarten angeboten. Im KSV gibt es 17 Kreisfachverbände/Kreisfachsparten, die ihre Aufgaben ebenfalls ehrenamtlich wahrnehmen.

Beim KSVgibt es Auskünfte über Sportangebote, Aus- und Fortbildungen sowie spezielle Fördermöglichkeiten. Der KSV vertritt die Interessen der Vereine gegenüber der Politik und der Wirtschaft. Die KSV-Geschäftsstelle ist in Lensahn im Gebäude der Sparkasse, Eutiner Straße 4, Telefon 043 63/90 52 77.

Von Louis Gäbler

15 Plätze stehen ab sofort für ältere Patienten zur Verfügung. Die Klinik deckt so den Bereich zwischen stationärer und häuslicher Pflege ab. Eine Besonderheit ist die Therapieküche.

06.09.2019

37 Jahre Bühnenpräsenz: Nena kommt zu „Stars am Strand“ in Timmendorf. Im LN-Interview verrät die 59-jährige Sängerin ihr Fitness-Rezept und was sie am Meer so mag.

06.09.2019

Ein Feuer zerstörte im Mai 2018 die Schützenhalle. Es war das Domizil des Geselligen Vereins Bujendorf und Anlaufpunkt der gesamten Dorfschaft. Nun ist der Grundstein für den Neubau gelegt worden.

06.09.2019