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Ostholstein Buchholz verspricht: „Timmendorf wird nicht abgehängt“
Lokales Ostholstein Buchholz verspricht: „Timmendorf wird nicht abgehängt“
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18:17 07.08.2019
Das ist der Entwurf für den neuen Bahnhof Timmendorfer Strand/Ratekau, westlich der A-1-Anschlussstelle Ratekau. Quelle: Agentur BahnStadt / Stationova GmbH
Timmendorfer Strand

„Dass sich etwas verändert, bedeutet nicht zwingend, dass sich etwas verschlechtert“: Diese Haltung vertrat Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) bei einem Besuch des Bugenhagen-Bildungswerkes (BBW) in Timmendorfer Strand. Dessen Leiterin Inka Kielhorn hatte zum Gespräch geladen, weil die BBW-Verantwortlichen die Folgen fürchten, die für ihre Einrichtung aus dem Wegfall der Bäderbahn entstehen könnten. Es sei genügend Zeit, ein gutes Konzept zu entwickeln, sagte der Minister, das deutliche Verbesserungen bringen könne.

Ist die Mobilität von Hunderten von Azubis und Mitarbeitern gefährdet?

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) spielt für das BBW eine entscheidende Rolle. Am Standort Timmendorfer Strand werden jährlich etwa 500 junge Leute mit Lernbeeinträchtigungen und psychischen Einschränkungen in 58 Berufen ausgebildet – und fast alle von ihnen nutzen Bus und Bahn. Hinzu kommen 240 Mitarbeiter des BBW, das einer der größten Arbeitgeber im Ort ist. Die Mobilität von Azubis und Ausbildern sowie die Erreichbarkeit der Einrichtung seien stark gefährdet, so die Befürchtung, wenn die Bäderbahn zwischen Ratekau und Neustadt stillgelegt wird.

Noch halten Züge am Bahnhof in Timmendorfer Strand. Quelle: Sabine Latzel

Das könnte 2028 der Fall sein, wenn die neue Schienentrasse, die im Zuge des Baus des Fehmarnbelt-Tunnels entlang der A 1 entstehen soll, fertig ist. Dann rollen zwar keine Güterzüge durch die Küstenorte – aber eben auch keine Personenzüge mehr, und der bisherige Timmendorfer Bahnhof (etwa 1,5 Kilometer Fußweg vom Zentrum entfernt) wird geschlossen. Statt dessen sollen Reisende und Pendler den neuen Haltepunkt Timmendorfer Strand/Ratekau nutzen, der an der Autobahn-Anschlussstelle Ratekau liegen wird. Bäderbusse sollen die Passagiere dann ins sieben Kilometer entfernte Timmendorfer Zentrum bringen. Mit durchschnittlich 1400 Fahrgästen täglich soll Timmendorf der am stärksten frequentierte Bahnhof an der Bäderbahn-Strecke sein.

Halbstunden-Takt und passgenauer Bäderbus-Verkehr

Der Stress durch schlechte Verbindungen, Verspätungen und überfüllte Busse sei bereits jetzt groß, berichteten die BBW-Azubis Nicola Ganselweit und Raphael Seidemann von leidvollen Erfahrungen, wie sie vermutlich Tausende Pendler im Land regelmäßig machen. Gerade für junge Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen sei das nur schwer auszuhalten. „Mobilität ist ein Riesen-Thema für uns“, erklärte auch BBW-Internatsleiter Uwe Reichelt. Eine zusätzliche Belastung der Azubis könne zu mehr Ausbildungsabbrüchen führen, und schlechtere Erfolgsquoten bedeuteten auf lange Sicht auch den Wegfall von Arbeitsplätzen.

Die Verkehrssituation könne auch verbessert werden, hielt Minister Buchholz dagegen. Die Züge von Hamburg Richtung Lübeck würden dann künftig im Halbstunden-Takt fahren, „und zwar bis Neustadt – damit entfällt das Umsteigen in Lübeck“. Vom neuen Haltepunkt Ratekau aus brächten die Bäderbusse die Fahrgäste dann nach Timmendorf bis vor die Tür des BBW. „Diese Busse fahren dann jedes Mal, wenn ein Zug ankommt.“ Die Kapazitäten würden je nach Passagier-Aufkommen angepasst, und um Staus auszuweichen, könne die bisherige Bäderbahn-Trasse als Busspur genutzt werden, verwies Buchholz auf bereits bekannte Vorschläge.

Fehlendes Vertrauen in die Kompetenz der Busbetriebe

„Ich traue den Busbetrieben nicht zu, diese Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen“, gab Michael Gülck, Leiter der Beruflichen Schule in Oldenburg, zu bedenken. 150 externe Berufsschüler besuchen die Außenstelle dieser Schule auf dem BBW-Gelände in Timmendorfer Strand. BBW-Leiterin Inka Kielhorn schilderte zudem, wie katastrophal die Verkehrsverhältnisse bereits jetzt in der Saison seien:

Schlechte Erfahrungen aus der Vergangenheit müssten nicht schlechte Zukunftsaussichten bedeuten, argumentierte der Minister. Einem möglichen Erhalt der Bäderbahn erteilte er eine klare Absage und verwies auf den entsprechenden „Letter of Intent“, die Absichtserklärung von Land und Deutscher Bahn von 2014. Kein Verständnis zeigte Buchholz für Initiativen wie die der Timmendorfer Aktivgruppe für Handel und Gewerbe, die eine Online-Petition für den Erhalt der Bäderbahn auf den Weg gebracht hat. „Ich verstehe nicht, warum in Timmendorf dieses Beharren auf alter Technik, die eine schlechte Situation schafft, so massiv ist“, erklärte Buchholz, der die Petition als „rückwärtsgewandt“ bezeichnete.

Der Minister betonte mehrfach, dass Timmendorfer Strand auf keinen Fall abgehängt werde: „Ich bin als Minister auch für den Tourismus zuständig, und ich werde einen Teufel tun und eine der schönsten Urlaubsdestinationen schlecht an den ÖPNV anbinden.“ Henrik Meyer, Geschäftsführer bei der Diakonie, die Träger des BBW ist, verwies darauf, wie wichtig es sei, das passende Konzept für die Anbindung des Ortes rechtzeitig zu entwickeln. „Dafür haben wir doch noch einige Jahre Zeit“, stimmte ihm Buchholz zu. Zudem wolle das Land das neue Konzept nicht allein dem Kreis Ostholstein überlassen, „und ein Sparmodell wird es auch nicht“.

Große Runde beim Bugenhagen-Berufsbildungswerk in Timmendorfer Strand: Internatsleiter Uwe Reichelt, Diakonie-Geschäftsführer Henrik Meyer, Azubi Nicola Ganselweit, BBW-Leiterin Inka Kielhorn, Minister Bernd Buchholz, Azubi Raphael Seidemann und Michael Gülck (Leiter der Beruflichen Schule in Oldenburg, v. l.). Quelle: Sabine Latzel

Von Sabine Latzel

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