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Ostholstein Mit dem Kultauto zum Bulli-Festival nach Fehmarn
Lokales Ostholstein Mit dem Kultauto zum Bulli-Festival nach Fehmarn
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11:40 23.06.2018
Urgestein der Szene: Hartmut (64) aus Hannover schraubt seit 22 Jahren. Sein Bulli-Ersatzteillager ist gefragter Anlaufpunkt. Quelle: Fotos: Felix König
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Burgtiefe a. F

Dennoch werden viele den ungewöhnlichen Mittsommer-Start nicht vergessen. Schwere Schauer überschatteten ihre Ankunft. Doch von Verdruss keine Spur: Einige Kinder bauten aus Hagelkörnern prompt possierliche „Schneemänner“. Bulli-Fahrerin Annette (36) aus Halstenbek, die früher in der Nähe von Oldenburg gelebt hat, schmunzelt gestern Mittag: „Wir haben die Markise hochgehalten und Crash-Eis für wunderbar gekühlte Getränke aufgefangen.“

Sie trotzen fröhlich den Launen der Natur – und wurden gestern mit Sonnenschein pur belohnt. Relaxte familiäre Stimmung prägt das „5. Midsummer Bulli Festival“ auf Fehmarn. Für das internationale Beachcamp haben über 1200 Fahrer bis Sonntag ihre Kultautos angemeldet.

Zum Programm

Geöffnet heute und morgen ab 10 Uhr.

Große Bulli-Ausfahrt über die Insel heute ab 12.30 Uhr.

Public Viewing WM heute 20 Uhr; gegen 22 Uhr Anzünden des Midsummer-Feuers.

Im Beachcamp sind alle per „Du“

Sie und ihre Freunde gehören zu den vielen Bulli-Fans, die jedes Jahr wieder auf die Insel kommen. Ein Bus für Annette und Ehemann Florian (36), ein zweiter mit Schlafkojen für die Kinder Fiete (6) und Evje (3), ein dritter für die Freunde Kristiane (46) und Marcus (39) aus Wangels. Kristiane: „Beim ersten Mal ist Evje noch gekrabbelt, jetzt kurvt sie mit dem Laufrad herum.“ Im Beachcamp kennen einander viele seit Jahren. Eine riesige Familie, jeder ist mit jedem per „Du“. Vier Tage lang spielt es schlicht keine Rolle, wer was zu Hause oder im Beruf macht. Gemeinsam mit Freunden feiert auch Petra (46), die gemeinsam mit Ehemann Ingo (48) in einem T2 Baujahr 1977 nach Fehmarn gekommen ist. Ihren Oldie hat sie erst im vergangenen Jahr erworben. Vorne auf der Armatur liegt die Zeitschrift „Petra“ aus – damit jeder weiß, wie die Fahrerin heißt. Nach dem Schauer haben sie ein neues Getränk kreiert: „Havanna Hagel“. Unverdrossen – sie wohnen schließlich im Nachbardorf von Wacken. Am Morgen danach sind einige noch beim Aufräumen. Klamme Decken trocknen im Fehmarn- Wind. Die ersten pilgern bereits zur „Bullibar“, die diesmal im Doppelpaket in Pink und Blau vorgefahren ist. Noch mixt Fabian (32), seit Anfang an dabei, zumeist alkoholfreie Drinks. In einigen munteren Bulli-Runden wird aber noch der übriggebliebene Bölkstoff vom verregneten Vorabend vernichtet.

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Blumenkränze und Fußball

Einige Meter weiter präsentiert Hartmut (64) aus Hannover sein chromblitzendes Ersatzteillager. Ein gefragter Mann: „Ich mache das seit 22 Jahren. Damals waren die Handwerker noch mit dem Bulli unterwegs. Die Surfer hatten ihn aber noch nicht entdeckt. Der heutige Kult war nicht absehbar.“

Friedliche Stimmung auf dem Midsummer Bulli Festival. Die Musik reicht von Rock und Hip-Hop bis zu deutschen Schlagern. Für die Lütten wie Mia (6) aus Detmold werden bunte Blumenkränze geflochten, aber auch viele erwachsene Frauen haben sich schmücken lassen. Ein Hauch von Schweden ist spürbar. Einige Teilnehmer kommen auch aus Skandinavien. Sie fiebern alle dem heutigem WM-Spiel Deutschland gegen Schweden entgegen.

Gerd-J. Schwennsen