Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Mutter ermordet: Staatsanwältin fordert zehn Jahre Haft
Lokales Ostholstein Mutter ermordet: Staatsanwältin fordert zehn Jahre Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:04 05.06.2019
Seit Ende April dieses Jahres muss sich ein 37-Jähriger, der seine Mutter in Malente getötet haben soll, vor dem Lübecker Landgericht verantworten. Quelle: LN-Archiv
Malente/Lübeck

War es Mord, begangen im Zustand verminderter Schuldfähigkeit? Darauf plädierte Staatsanwältin Ann-Sophie Portius im Prozess gegen Jonathan B. (Name geändert) vor dem Lübecker Landgericht. Der 37-Jährige ist angeklagt, im Oktober 2018 seine damals 64 Jahre alte Mutter in Malente erstickt zu haben. Zehn Jahre Haft forderte die Staatsanwältin für diese Tat. Verteidigerin Kerstin Raber hingegen sah die Voraussetzungen für einen minder schweren Fall des Totschlags erfüllt und plädierte auf vier Jahre Haft für ihren Mandanten.

Angeklagter folgte den Plädoyers unter Tränen

„Es tut mir unendlich leid.“ Das brachte Jonathan B. nach den Plädoyers unter Tränen hervor, nachdem er den Ausführungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung fortwährend weinend, das Gesicht hinter Papiertüchern verborgen, gefolgt war. Der gebürtige Ostholsteiner hat die Tat gestanden – sowohl bei seiner Festnahme der Polizei gegenüber als auch vor Gericht.

„Er hätte einfach nur abreisen müssen – dann könnte Frau B. heute noch leben“, erklärte die Staatsanwältin. Jonathan B. hatte seine Mutter Barbara (Name geändert), die wie er mittlerweile in Berlin lebte, im einstigen Elternhaus am Malenter Dieksee besucht, das als Ferienhaus diente. „Trotz des angespannten Verhältnisses“, so Portius. Jonathan B. hatte die Beziehung zu seiner Mutter als erdrückend und konfliktreich beschrieben. Barbara B. sei dominant und streitsüchtig gewesen, habe ihm sein Leben lang Vorwürfe gemacht und ihn mit Herrschsucht, Gefühlskälte und nicht erfüllbaren Erwartungen gequält. Der Angeklagte hat nie eine Ausbildung absolviert, nur gelegentlich gejobbt, war alkohol- und cannabisabhängig und außerdem „pornosüchtig“, wie er selbst einräumte. Sein Vater starb bereits vor 15 Jahren.

Der 37-Jährige entwickelte eine „Ur-Wut“ auf seine Mutter

„Es sollte das letzte Wochenende in Malente sein“, zeichnete Portius die Geschehnisse vom Oktober 2018 nach. Barbara B. habe für die Rückreise nach Berlin gepackt und ihren Sohn mehrfach aufgefordert, ihr zu helfen. Dieser habe sich jedoch in sein Zimmer zurückgezogen, Rum mit Cola getrunken und onaniert, wobei ihn die Rufe seiner Mutter gestört hätten. Jonathan B. habe laut psychiatrischem Gutachten eine „Ur-Wut“ entwickelt, „voller Hass ging er schließlich nach unten ins Erdgeschoss“, sagte Portius.

Barbara B. habe die Wut des Angeklagten nicht registriert, sondern vielmehr spöttische Bemerkungen gemacht und ihn als „verkommenes Stück“ bezeichnet, das „widerlich nach Alkohol stinken“ würde. Als sie sich im Wohnzimmer einem Schrank zuwandte, habe Jonathan B. seine Mutter in den Schwitzkasten genommen und sich mit ihr zu Boden fallen lassen. Dort drückte er die 64-Jährige mit seinem Körpergewicht nieder. Barbara B. litt an einer Lungenkrankheit und hatte deshalb ohnehin zeitweise Atemprobleme. „Der Angeklagte blieb so lange auf ihr liegen, bis sie sich nicht mehr regte“, erklärte die Staatsanwältin. „Und das ist lange. Bis ein Mensch erstickt, dauert es drei bis fünf Minuten, oft auch noch länger.“ Dem Opfer würden dabei große Qualen zugefügt.

Nach zwei Tagen rief der Sohn einen Bestatter an

Nach der Tat lag die Leiche von Barbara B. zwei Tage im Wohnzimmer. Jonathan B. soll sich nach Ansicht der Staatsanwältin in dieser Zeit in einem Zustand zwischen Angst, Ratlosigkeit und Euphorie befunden haben. Schließlich rief er einen Bestatter in Laboe an, dessen Mitarbeiter die Rettungsleitstelle alarmierten. Ein Sanitäter, der die Lage vor Ort richtig einordnete, rief dann die Polizei.

Die Staatsanwältin wertete die Tat als „tragischen Höhepunkt einer eskalierenden Mutter-Sohn-Beziehung“. Barbara B. habe sich nach außen hin gern liebevoll gegeben, den Sohn jedoch herablassend behandelt. Jonathan B. sei ohne Freunde in einem wohlhabenden Elternhaus, gleichzeitig aber in „familiärer Isolation“ aufgewachsen. „Er brauchte seine Mutter, verweigerte sich aber passiv“ – indem er beispielsweise seine Wohnung vermüllen ließ. „Sein Verhalten ist das eines Kindes geblieben.“ Der Angeklagte habe aus ihrer Sicht vorsätzlich getötet. Zudem sei das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt, da seine Mutter arg- und wehrlos gewesen sei.

Laut Verteidigung ist das Mordmerkmal Heimtücke nicht erfüllt

Gleichzeitig sei aber eine verminderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt nicht auszuschließen – weshalb Portius zehn Jahre Haft beantragte. Letztlich hat der Angeklagte offenbar eine für ihn unerträgliche Situation gegen eine ebenso schlimme getaucht. „Einerseits ist er jetzt frei“, fasste das die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zusammen, „andererseits hat er keine Stütze mehr – es ist niemand mehr da.“

Die Verteidigerin Kerstin Raber verwies auf die „immer wiederkehrenden Provokationen“, mit denen Barbara B. ihren Sohn gereizt habe. „Wer sich so verhält, muss davon ausgehen, dass der Andere das irgendwann nicht mehr aushalten kann.“ Deshalb sei das 64-jährige Opfer nicht arglos gewesen, und deshalb könne das Mordmerkmal Heimtücke nicht „mit der erforderlichen Sicherheit angenommen werden“.

„Ich wünsche mir meine Mutter zurück“

Raber verwies mehrfach auf die abfällige, verletzende Art, mit der Barbara B. Dritten gegenüber über ihren Sohn gesprochen habe. „Jonathan können wir abschreiben“, soll sie zu einer Bekannten gesagt haben. „Ihr Sohn sollte funktionieren, und das hat er auch versucht – aber es klappte nicht.“ Jonathan B. werde sich persönlich sehr lange mit seiner Tat auseinandersetzen müssen, erklärte Raber, die vier Jahre Haft wegen Totschlags in einem minder schweren Fall beantragte. Der Angeklagte selbst erklärte weinend: „Ich weiß nicht, wie ich dazu imstande sein konnte. Ich wünsche mir meine Mutter zurück.“

Das Urteil will der Vorsitzende Richter Christian Singelmann am Freitag, 14. Juni, verkünden. Dann wird auch entschieden, was aus dem Vermögen von Barbara B. wird. Die Staatsanwältin hat beantragt, es einziehen zu lassen. Laut Gesetz kann eine Person als „erbunwürdig“ erklärt werden – etwa wenn sie den Erblasser tötet, um ihn zu beerben. Dagegen sprach sich die Verteidigerin aus: Jonathan B. habe seine Mutter nicht getötet, um an das Erbe zu gelangen, sondern sei stets genügsam gewesen und habe keine finanziellen Forderungen gestellt.

Prozessauftakt am 23. April dieses Jahres: Der Angeklagte verbirgt sein Gesicht, vor ihm sitzt seine Verteidigerin Kerstin Raber. Quelle: Sabine Latzel

Sabine Latzel

Nach der Schließung des Dorfladens soll es wieder eine Möglichkeit zum Einkaufen geben. Die Gemeinde hat dafür eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Außerdem ist eine Nachmittagsbetreuung für Kita- und Schulkinder geplant.

05.06.2019

Mit Skulpturen und Installationen im Umfeld von landwirtschaftlichen Nutzflächen fördert der Verein Landkunststück die Kunst im ländlichen Raum. „Ein Garten mit Herzverstand“ auf dem Apfelhof Grimm bei Cismar ist das aktuellste Projekt. Beim sechsten Kunstwerk musste der künstlerische Leiter selbst ran.

05.06.2019

Weil die Fahrbahnmarkierung erneuert werden muss, gibt es Behinderungen in beiden Richtungen. Die Arbeiten sollen voraussichtlich vom 11. bis zum 14. Juni dauern. Verzögerungen sind laut Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr aber möglich.

05.06.2019