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Ostholstein Mord bei Gremersdorf: Neue Details vor Prozessbeginn am 7. August
Lokales Ostholstein Mord bei Gremersdorf: Neue Details vor Prozessbeginn am 7. August
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10:25 01.08.2019
Die Leiche wurde in einem Gebüsch entdeckt. Weil die tote Frau keine Papiere bei sich hatte, schaltete die Polizei die Öffentlichkeit ein. Quelle: Louis Gäbler
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Gremersdorf/Lübeck

Knapp sechs Monate nachdem ein Spaziergänger in der Gemeinde Gremersdorf eine Frauenleiche entdeckt hat, startet am 7. August vor dem Lübecker Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. An neun Verhandlungstagen sollen 25 Zeugen sowie zwei Sachverständige gehört werden. Dem Angeklagten droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Bereits kurz nach der Tat wurde bekannt, dass es sich um den damaligen Freund des Opfers handeln soll.

Die Lübecker Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst teilt jetzt mit, dass die Ermittler davon ausgehen, dass der 23-Jährige in den frühen Morgenstunden des 16. Februar dieses Jahres seine 28-jährige Freundin unter einem Vorwand zunächst mit seinem Auto zu einem Feldweg in Gremersdorf gefahren habe. Dort habe er sie angreifen und töten wollen. „Am Ziel angekommen, soll er mit einem zu dem Zweck mitgenommenen Messer auf das Opfer eingewirkt und es durch eine Vielzahl von Messerstichen getötet haben“, führt Hingst aus.

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Das bedeutet lebenslänglich

Eine lebenslängliche Freiheitsstrafe ist das höchste Strafmaß, welches ein Gericht in Deutschland verhängen darf. In Paragraf 211 des Strafgesetzbuches steht, dass Mord mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe bestraft wird. Weiter heißt es: „Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.“ Frühestens nach 15 Jahren ist eine Entlassung unter Bewährungsauflagen möglich. Voraussetzung ist, dass der Täter als nicht mehr gefährlich gilt.

Öffentlichkeitsfahndung war schnell erfolgreich

Die Leiche der Asylbewerberin aus dem Iran war nur Stunden nach der Tat unweit eines Feldweges in einem Gebüsch zwischen Neuteschendorf und Heiligenhafen gefunden worden. Wenig später schaltete die Polizei die Öffentlichkeit ein. Auslöser war die Tatsache, dass die Frau keinerlei Papiere oder anderen Gegenstände bei sich gehabt haben soll, mit denen ihre Identität hätte festgestellt werden können. Auf mehreren Fotos waren Tätowierungen sowie ein von Blutergüssen gezeichnetes Gesicht zu sehen. Die Aktion führte schnell zum Erfolg. Bekannte der in Oldenburg lebenden Frau identifizierten das Opfer, das seit 2016 in Deutschland gemeldet war.

Auf Bildern ist der Fundort der getöteten Frau ebenso zu sehen wie eine Suchaktion der Polizei nur wenige Tage nach der Tat. Der Prozess beginnt am 7. August vor dem Lübecker Landgericht.

Tatverdächtiger schweigt immer noch

Drei Tage nach dem Auffinden der Leiche gab die Polizei bekannt, dass ein Tatverdächtiger aus dem Irak festgenommen worden sei. Der 23 Jahre alte Mann befindet sich seitdem in Untersuchungshaft in der Lübecker Justizvollzugsanstalt. „Die Obduktion lässt nur den Schluss zu, dass die Frau eines gewaltsamen Todes gestorben ist“, informierte damals Oberstaatsanwältin Hingst. Darüber hinaus teilte sie mit, dass sich der Mann weder zum Tatvorwurf noch zu seinen persönlichen Verhältnissen geäußert habe. Dies habe sich bis heute nicht geändert. Straftaten habe er in Deutschland – soweit bekannt – zuvor nicht verübt.

Dennoch gibt es weitere Neuigkeiten: „Motiv für das Handeln des Angeklagten soll gewesen sein, dass er von Treffen seiner Freundin mit einem anderen Mann erfahren hatte“, sagt die Oberstaatsanwältin. Der mutmaßliche Täter soll seine Freundin als seinen Besitz angesehen und mit ihrer Tötung verhindern haben wollen, dass sie sich einem anderen Mann zuwende. Darüber hinaus ist bekannt, dass Täter und Opfer nicht in einer Wohnung, aber beiden in Oldenburg lebten.

LN-Berichte über Tote bei Gremersdorf

Der gewaltsame Tod einer 28-jährigen Frau sorgte im Februar für Aufsehen im Kreis Ostholstein. Die LN berichteten mehrfach:

Bekannte identifizierten
das Opfer wenige Tage nach dem Auffinden der Leiche.

Festnahme: Kurz darauf wurde ein Tatverdächtiger festgenommen und in die Lübecker JVA gebracht.

Polizisten auf Spurensuche:
In Gremersdorf und Oldenburg hoffte die Polizei, weitere Hinweise zu finden.

Polizei suchte Blut- und Faserspuren

Für Aufsehen hatte bereits wenige Tage nach dem Auffinden der Leiche eine Suchaktionen der Polizei gesorgt. Ein Grünstreifen unweit der Beruflichen Schule in Oldenburg stand dabei ebenso im Fokus wie die Grünfläche, auf der der leblose Körper entdeckt worden war. Außerdem wurde das Auto des mutmaßlichen Täters von Spezialisten nach Fasern der Kleidung des Opfers sowie Blutspuren untersucht. Diese Ergebnisse dürften auch vom 7. August an vor dem Lübecker Landgericht eine Rolle spielen.

Sebastian Rosenkötter

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