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Ostholstein Mutter geschlagen: Verwarnung für gewalttätigen Sohn aus Malente
Lokales Ostholstein Mutter geschlagen: Verwarnung für gewalttätigen Sohn aus Malente
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18:41 02.07.2019
Ein 20-Jähriger hat seine Mutter geschlagen und Polizisten verbal angegriffen. Dafür hat ihn das Amtsgericht Eutin verwarnt. Quelle: Sabine Latzel
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Eutin

Immer wieder hat Michael D. (alle Namen geändert) zugeschlagen. Davon ist das Amtsgericht Eutin nach der Verhandlung überzeugt. Die Aggression des 20-Jährigen habe sich überwiegend gegen seine Mutter gerichtet. Aber auch Polizisten seien von dem jungen Mann verletzt worden – körperlich und verbal. Jetzt musste sich der 20-Jährige für seine Taten verantworten.

Die Vorsitzende Richterin Anja Farries verurteilte den 20-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen, Beleidigung in zwei Fällen und unerlaubten Drogenbesitzes. Aufgrund seines Alters wendete das Gericht das Jugendstrafrecht an. Michael D. wurde verwarnt, muss 80 Sozialstunden ableisten, dazu sechs Gespräche bei der Jugendhilfe und drei Gespräche bei der Drogenberatung in Anspruch nehmen.

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20-Jähriger nahm Drogen und Medikamente

„Ich habe ernsthaft über Arrest nachgedacht“, sagte Farries bei der Urteilsbegründung. In Anlehnung an die Empfehlung der Jugendgerichtshilfe stehe aber das Abschließen der zunächst abgebrochenen Ausbildung an erster Stelle. Die Richterin hat die Hoffnung, dass Michael D. sein Leben mit einem Beruf und pädagogischer Hilfe wieder in den Griff bekommt.

„Eigentlich war Michael als Junge total lieb“, erzählte die Mutter des Angeklagten vor Gericht. „Dass er sich verändert hat, kam schleichend.“ Es sei in den vergangenen zwei Jahren immer schlimmer mit ihm geworden. Nächtelang blieb der Sohn plötzlich weg. Er soll Drogen und Medikamente genommen, Bruder und Mutter beschimpft, mit Gewalt gedroht und Türen eingeschlagen haben.

Streit ums Geld

Alles ging los, als Michael D. fast fertig mit der Ausbildung war, aber nicht zur Prüfung zugelassen wurde. „Meine Mutter hatte das Schulgeld nicht bezahlt“, sagte der 20-Jährige vor Gericht. Die aber widerspricht. D. habe ein eigenes Konto gehabt, auf das das Bafög geflossen sei. Das Geld habe er für seinen Drogenkonsum ausgegeben.

Immer wieder hatten sich Mutter und Sohn wegen Drogen und Geld in den Haaren. An einem Tag im September vergangenen Jahres eskalierte die Situation dann komplett. Michael D. hatte wieder Geld von der Mutter haben wollen. Diese verneinte und wollte stattdessen in seinen Rucksack schauen. „Der war immer voll mit Drogen“, berichtete die 46-jährige Hausfrau aus Malente. „Michael hat dann rumgebrüllt und mein Handy kaputtgemacht“, sagte sie. Dann verlor der Sohn die Beherrschung. Er hat laut Auffassung des Gerichts seine Mutter zu Boden gedrückt und ihr mehrmals in den Unterleib getreten. Der kleine Bruder hat dabei zugesehen und den Nachbarn informiert. Der wiederum alarmierte die Polizei.

Keine Reue vor Gericht

Reue zeigte Michael D. während der Verhandlung nicht. Gegenüber seiner Mutter entschuldigte er sich nicht. Während sie von seinen Ausbrüchen erzählte, schüttelte er mit dem Kopf. „Sie hat es ja auch provoziert“, sagte der 20-Jährige. „Bei Ihnen haben wohl immer die anderen Schuld“, kommentierte Richterin Anja Farries.

Auch gegenüber Polizisten fand Michael D. keinen respektvollen Umgang. Als er im November vergangenen Jahres seinen Vater in Schönkirchen besuchte, soll er damit gedroht haben, seine Mutter abstechen zu wollen. Der Vater rief die Polizei. Doch als die Beamten eintrafen, war der Angeklagte bereits verschwunden.

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Polizistin Johanna F., die auch vor Gericht aussagte, traf Michael D. an einer Bushaltestelle an. „Vom Grundsatz her war ihm alles egal“, erzählte sie. Nach einer Durchsuchung fand sie fünf Gramm Marihuana bei ihm. Das sei normal, hatte Michael D. gesagt und angegeben etwa ein Gramm am Tag zu rauchen. Nach der Durchsuchung sei er in einen Bus gestiegen, habe sich aber noch einmal umgedreht und ihr den Mittelfinger gezeigt und sie stark beschimpft, berichtete die Polizistin.

Aggressiv gegenüber Polizisten

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich, als wieder einmal Polizisten bei der Mutter vorbeikamen, weil der Angeklagte in ihrer Wohnung war und mit Gewalt drohte – und das, obwohl die Mutter bereits eine Gewaltschutzverordnung erwirkt hatte. Eigentlich hätte sich Michael D. ihr gar nicht nähern dürfen. Als die Polizisten vor Ort angekommen waren und seinen Rucksack auf Drogen durchsuchen wollten, versuchte der Angeklagte zu fliehen. Dabei schlug er einem Polizisten die Gartenpforte mit voller Wucht vor die Knie, sodass dieser leichte Verletzungen davontrug.

Inzwischen wohnt Michael D. in einer Hilfsbedarfs-Unterkunft und bezieht Arbeitslosengeld. „Sie müssen ganz viel an sich arbeiten“, betonte Richterin Farries bei der Urteilsverkündung. Der Angeklagte sei zwar vorerst um den Arrest herum gekommen. „Folgen jetzt aber weitere Taten, muss es einen Freiheitsentzug geben“, sagte die Richterin warnend. Erst wenn er sich wieder im Griff habe, könne er überhaupt versuchen, sich seiner Mutter wieder anzunähern.

Saskia Bücker