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Ostholstein Frosch-Alarm: Warum der Nabu 15 000 Kaulquappen aufzieht
Lokales Ostholstein Frosch-Alarm: Warum der Nabu 15 000 Kaulquappen aufzieht
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16:00 09.07.2019
In Regentonnen auf der heimischen Terrasse zieht „Froschvater“ Oscar Klose den Nachwuchs groß. Bei den Temperaturen der vergangenen Woche haben die Kaulquappen einen Wachstumssprung gemacht. Quelle: Ulrike Benthien
Ostholstein

Die Laubfrosch-Bestände in Ostholstein waren Anfang der 2000er Jahre auf ein Minimum zusammengeschrumpft. „Nur in der Region um Ahrensbök, Stockelsdorf und Ratekau sowie im Norden des Kreises, bei Weissenhaus, gab es noch kleine Vorkommen“, sagt Oscar Klose, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) in Eutin. Vor elf Jahren starteten die Nabu-Mitglieder eine Rettungsaktion: Sie zogen von 2008 bis jetzt insgesamt 15 000 Laubfrösche künstlich auf und setzten sie im Kreisgebiet aus.

Über zwei Monate ist Oscar Klose „Froschvater“ und beherbergt zu Hause auf seiner Terrasse in Regentonnen erst Laich, dann Kaulquappen und schließlich Jungtiere. Auch Dirk Stahnke, Wolf-Dieter Klitzing und Rainer Kahns haben diese Aufgabe übernommen, um die laut Bundesnaturschutzgesetz „streng geschützte“ Art wieder aufzupäppeln. In der vergangenen Woche sind die Temperaturen optimal für die Entwicklung gewesen.

Bevorzugte Nahrung der Kaulquappen sind Bananen

Mehrere Hundert Kaulquappen wimmeln in Kloses Tonnen. Sie streifen an den Wänden entlang und weiden dort den Algenflor ab. Die Kaulquappen sind immer auf der Suche nach Nahrung. „Das sind kleine Naschkatzen“, sagt der „Herbergsvater“ schmunzelnd, „besonders gern mögen sie Bananen. Ansonsten bekommen sie überbrühte Löwenzahnblätter, Futtersticks für Koikarpfen oder auch Erdbeerstrünke. Danach schimmern ihre Bäuche rosafarben.“

Flurbereinigung hat den Laubfrosch dezimiert

Bis in die 1960er Jahre sei der Laubfrosch in Schleswig-Holstein sehr verbreitet gewesen. Die Flurbereinigung habe ihn jedoch an den Rand seiner Existenz gebracht, sagt Klose. Durch die Vernichtung von Kleingewässern, den Umbruch von Wiesen, die Rodung von Knicks und die intensivierte Landwirtschaft seien die Bestände damals an vielen Orten regelrecht zusammengebrochen.

Gemeinsam mit dem Nabu Plön (er verfolgt im Kreis Plön das gleiche Projekt) und Artenschutzexperten vom LLUR (Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume) entwickelte der Nabu Eutin 2007 ein Konzept, um den Laubfrosch wieder großflächig anzusiedeln. Auch die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein half dabei.

Der Bestand in Ostholstein war arg dezimiert. Nabu-Mitglieder haben Laich gesammelt und in Regentonnen kleine Frösche herangezogen. Sie wurden in ganz Ostholstein ausgesetzt.

Laubfrösche können mehrere Kilometer zurücklegen

Zunächst musste sondiert werden, ob es im Kreis überhaupt geeignete Lebensräume für den Laubfrosch gibt. Er besiedelt vorzugsweise gewässerreiche Landschaften mit einem ausreichenden Nahrungsangebot. „Dann musste geprüft werden, ob die ins Auge gefassten Ansiedlungsflächen einen Austausch von Individuen zulassen würden. Laubfrösche können zwar mehrere Kilometer zurücklegen. Die Projektgebiete sollten jedoch möglichst nah beieinander liegen, um zu gewährleisten, dass ein dauerhafter Austausch von Tieren verschiedener Teilpopulationen stattfinden kann. Er ist für den Genaustausch und damit für das langfristige Überleben einer Population von besonderer Bedeutung“, erläutert Oscar Klose.

Spenderpopulation aus Blomnath

Ausgewählt wurden die Nabu-Viehdieckswiesen (Gemeinde Bosau), Flächen am Barkauer See (Gemeinde Süsel), im Dodauer Holz (Stadt Eutin), der Bekmissenteich (Gemeinde Schönwalde), Gebiete bei Testorferfelde und Wangels (Gemeinde Wangels). Als Spender wurde eine Population bei Blomnath, im Grenzbereich der Kreise Ostholstein und Segeberg, ausgewählt, die eine Entnahme von Laich für die künstliche Aufzucht über mehrere Jahre verkraften würde.

Ein Winzling von 4,5 Zentimetern

Ein Laichballen ist gerade so groß wie eine kleine Walnuss. Er enthält im Durchschnitt etwa 60 bis 80 Eier, jedes von ihnen ist nur etwa zwei Millimeter groß.

Laubfrösche laichen nicht nach dem Kalender, sondern erst dann, wenn Luft- und Wassertemperaturen stimmen. Die Tiere laichen auch nicht jedes Jahr in ein und demselben Gewässer ab.

Ein ausgewachsenes Tier ist 4,5 Zentimeter groß. Zu sehen ist es selten. Der Laubfrosch sitzt meist gut getarnt in Hecken und Knicks.

Im Frühjahr 2008 hatten Dirk Stahnke und Oscar Klose ihren Einsatz in Wathosen in den Gewässern bei Blomnath und sicherten die ersten Laichballen. In beheizten Wasserbecken bei ihnen zu Hause schlüpften nach wenigen Tagen die winzigen Larven. Danach ging es in die Regentonnen. „Wichtig ist eine gute Wasserqualität“, sagt Klose. Zwei Monate müssen die Tiere versorgt werden – bis zum Erreichen des sogenannten „Vierfüßer-Stadiums“.

Laubfrösche breiten sich in Ostholstein aus

Seit 2008 hat die Nabu-Gruppe jedes Jahr Laichballen gesammelt und 600 bis 1000 junge Laubfrösche aus künstlicher Aufzucht in Ostholstein ausgesetzt. Wie erhofft, breiten sich die Tiere in ihrer Umgebung aus. „Ende April, Anfang Mai habe ich zwischen Fassensdorf und Barkau ein lautes Laubfroschkonzert gehört und so bei mir gedacht: Deren Eltern und Großeltern kommen alle aus deiner Tonne“, sagt Oscar Klose mit einem Lachen. „Das war ein schönes Gefühl.“

Im Jahr 2020 endet das Projekt des Nabu Eutin. Dann sollen bei Wangels die letzten von seinen Mitgliedern aufgezogenen Tiere ausgesetzt werden.

Ulrike Benthien

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