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Ostholstein Nach Gewalteskalation an Grundschule: Bürgermeister kritisiert Schulleitung
Lokales Ostholstein Nach Gewalteskalation an Grundschule: Bürgermeister kritisiert Schulleitung
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07:00 27.11.2019
Nach den Übergriffen gewalttätiger Schüler gibt es an der Grundschule Süsel jetzt einen Runden Tisch. Quelle: Ulrike Benthien
Süsel

Zwei Neunjährige haben ihre Mitschüler drangsaliert, mehrere Eltern mochten ihre Kinder deshalb nicht mehr in die Schule schicken und unterrichteten sie für einen Tag sogar selbst im Rathaus – die Grundschule Süsel stand in den vergangenen Wochen im Fokus der Öffentlichkeit. „Klar hat unser Schulstandort dadurch Kratzer abbekommen. Wir müssen den Eltern jetzt zeigen, es geht wieder normal zu, dann werden sie ihre Kinder auch wieder gern in die Schule schicken“, sagt Bürgermeister Adrianus Boonekamp (CDU). „Es muss aber auch daran gearbeitet werden, dass Schule wieder Schule ist und kein Tümpel, in dem jeder machen kann, was er will.“

Bürgermeister: Schulträger hat Recht auf Information

Boonekamp hält fest: „Schule und Gemeinde müssen zusammenarbeiten. Wenn es so schwerwiegende Vorfälle gibt, ist es angebracht, auch den Bürgermeister und die Gemeindevertretung zu informieren. Sie soll ja schließlich später entscheiden, ob sie die Schulsozialarbeit finanziert.“ In der vergangenen Woche hätte ihm der SPD-Fraktionsvorsitzende Albrecht Dudy (selbst Schulleiter in Lübeck, die Red.) vorgehalten, die Schullandschaft gehe den Bürgermeister und die Gemeinde nichts an. Das sieht Adrianus Boonekamp anders: „Wir sind der Schulträger.“

Adrianus Boonekamp (CDU), Bürgermeister von Süsel. Quelle: Ulrike Benthien

Er sagt, er hätte sich auch eingeschaltet, hätte er gewusst, dass eine im Februar zwischen ihm, der Schulleitung und dem Kinderschutzbund (Träger der Schulsozialarbeit) getroffene Vereinbarung nicht eingehalten worden sei. Zu der Zeit hatte die Schule die Gemeinde selbst um Hilfe in Form von mehr Schulsozialarbeit gebeten. Begründung damals: „Die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Wir haben in allen Klassen Kinder, die Hilfe brauchen.“

Die Verabredung habe darin bestanden, dass die Schule bei Gewalttätigkeiten über Schulsozialarbeit den Kinderschutzbund benachrichtige und der gegebenenfalls das Jugendamt, schildert der Bürgermeister. Aber mit Erkrankung der stellvertretenden Schulleiterin Doreen Ullrich, die sich allein um die Schulsozialarbeit habe kümmern sollen – während sich Rektorin Swantje Popp-Dreyer der Schulleitung widmen sollte – sei diese Kette durchbrochen gewesen.

„Warum haben alle so lange geschwiegen?“

„Ich möchte bis heute wissen: Warum hat die Schulleitung nicht reagiert?“, sagt Adrianus Boonekamp. „Warum ist bis zum 8. November nichts an den Schulrat weitergegeben worden? Warum hatte das Bildungsministerium in Kiel bis zum 14. November keine Kenntnis von den gewalttätigen Vorfällen der Wochen zuvor? Warum haben alle so lange geschwiegen?“ Allen Kindern hätte wesentlich eher geholfen werden können – denjenigen, die unter ihren Mitschülern gelitten hätten. Aber auch denjenigen, die mit ihrem Verhalten Hilferufe ausgesendet hätten. „Man hat gerade ihnen keinen Gefallen mit Deckelung und Schweigen getan“, sagt der Bürgermeister.

Kommissarische Schulleitung bleibt vorerst bis zu den Ferien

Die Grundschule Süselwird zunächst bis zu den Weihnachtsferien von Elisabeth Steinhoff, Sonderschulrektorin an der Schule zum Papenmoor in Bad Schwartau, geleitet. Das teilte eine Sprecherin des Bildungsministeriums auf Anfrage mit. Auch Klaus Mangold, ehemaliger Schulleiter und Coach, werde die Schule weiterhin unterstützen.

Im Fall eines Drittklässlers, der für mehrere Tage vom Unterricht suspendiert worden war, prüfe die Schulleitung, ob der Ausschluss vom Unterricht verlängert werde, sagte die Sprecherin weiter. Das Schulgesetz lasse dies zu. Über die pädagogische Unterstützung und Betreuungssituation solle in dieser Woche an einem Runden Tisch in Süsel gesprochen werden.

 

Dass er den Eltern den Sitzungssaal im Rathaus für „Unterricht“ zur Verfügung gestellt habe, ist ihm von einigen angekreidet worden. Auch ein Ministeriumsvertreter habe ihn deswegen angegangen, sagt Boonekamp. Der Vorwurf in einem Gespräch in der Schule Anfang vergangener Woche: „Wie können sich Eltern erdreisten, die Schule zu erpressen, und Sie unterstützen das auch noch?“ Der Bürgermeister stellt eine andere Frage: „Was muss in Eltern vorgehen, wenn sie zu solchen Maßnahmen greifen?“

Bürgermeister ärgert sich über Schuldzuweisungen aus Kiel

Adrianus Boonekamp ärgern „die Schuldzuweisungen des Ministeriums“ an Eltern und ihn. „Es wird abgewälzt. Und die Schule ist ’raus.“ Er gesteht ein, dass von den Eltern nicht richtig gewesen sei, die Kinder aus der Schule zu nehmen. „Aber nach diversen Vorfällen und einem Mädchen in Lebensgefahr, denn die bestand durch das Würgen mit dem Unterarm von hinten, konnte ich ihre Reaktion verstehen.“ Dass Michel Bergmann, Vater des betreffenden Mädchens und „Aushilfslehrer“, die Kinder nicht bei sich zu Hause unterrichten wollte, sei nachvollziehbar, sagt der Bürgermeister. Auf Bergmanns Frage, ob er ihm einen Raum zur Verfügung stellen könne, habe er den Sitzungssaal zugesagt. „Jemand musste den Eltern helfen“, sagt er überzeugt.

Gewalt an Grundschule in Süsel

Während den Eltern, die gegen das Schulgesetz verstoßen haben, auf Zusicherung des Leiters der Schulaufsicht im Bildungsministerium, Alexander Kraft, keine Konsequenzen drohen, muss sich der Bürgermeister für die Überlassung des Sitzungssaals im Rathaus rechtfertigen. Auf Anfrage des Schulrats ist die Kommunalaufsicht tätig geworden.

Von Ulrike Benthien

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