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Ostholstein Nach Hunde-Angriff: Ratekauerin sucht nach dem Besitzer
Lokales Ostholstein Nach Hunde-Angriff: Ratekauerin sucht nach dem Besitzer
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17:04 23.09.2019
Angelika Gross und ihr Spitz „Julep“ sind seit dem Vorfall verletzt. Quelle: Maike Wegner
Ratekau/Kleinensee

Verängstigt sitzt „Julep“ in der Ecke zwischen dem Sofa und einem Sideboard. Hilfesuchend blickt er zu seinem Frauchen Angelika Gross, die dem zitternden Tier beruhigend über den Kopf streichelt. „Er ist gar nicht mehr derselbe, völlig von der Rolle“, erzählt die 61-Jährige mit gesenktem Blick. Seit dem Vorfall vor rund einer Woche ist der Spitzrüde nicht nur völlig verängstigt, sondern auch schwer verletzt. Mehrere Dränagen wurden gelegt, die Wunden genäht, er muss eine Halskrause tragen. Der Grund für die Verletzungen: Am Sonnabend, 14. September, soll „Julep“ von einem anderen Hund angefallen worden sein.

Mit Pferd und Hund im Wald

„Ich wollte am Wasserwerk in Kleinensee mit meinem Pferd ausreiten und ,Julep’ sollte mitkommen“, erzählt die Ratekauerin. Das Pferd hatte sie am Zügel, den Hund an der Leine. „Da kam uns dieser junge Mann mit seinem Hund entgegen. Ein bildhübsches Tier mit grau-blauem Fell. Ein Kampfhund“, erinnert sich die 61-Jährige. „Er hat den Hund an den Rand genommen und ihm das Kommando ,Sitz’ gegeben.“

Über diesen Waldweg ist Angelika Gross mit „Julep“ gelaufen. Kurz danach ist der Vorfall passiert. Quelle: Maike Wegner

Doch plötzlich soll sich das massige Tier losgerissen und den Spitz attackiert haben. „Der Mann versuchte noch dazwischen zu gehen, aber er konnte seinen Hund nicht halten.“ Nach Polizeiangaben schrie der Mann immer wieder „Harald“, um den Hund zur Besinnung zu bringen. Das Tier soll ein schwarzes Fell mit einem weißen Gesicht gehabt haben.

Vor Schmerzen schrie „Julep“ auf, Blut spritze und offene Wunden klafften am Nacken des Tiers. Laut dem Bericht der Tierklinik, in der „Julep“ anschließend behandelt wurde, war allein die Wunde auf dem Nacken 40 cm x 25 cm groß. Auch in den Beinen und am Hals hatte der Spitz Bisswunden. Und auch Angelika Gross hat schwere Verletzungen davon getragen. Der Hund soll ihr den Finger durchgebissen haben. Knochen und Sehne wurden komplett getrennt.

Hundehalter soll nicht gewartet haben

„Als die beiden endlich getrennt waren, hab ich „Julep“ in Sicherheit gebracht“, erzählt die Hundehalterin. Ihr Pferd war mittlerweile zum nahegelegenen Stall gelaufen. Ein Ehepaar hatte außerdem die Schreie im Wald gehört und die Polizei informiert. „Der Mann wollte solange an der Stelle warten, wo es passiert ist. Aber als ich wiederkam, war er weg“, sagt Angelika Gross enttäuscht. „Ich will ihm doch gar nichts. Nur, dass seine Versicherung die Kosten für ’Juleps’ Behandlung übernimmt“, sagt die Ratekauerin.

Der Spitz musste nach dem Vorfall in die Tierklinik gebracht werden. „Insgesamt sind Kosten in Höhe von 2500 Euro angefallen“, sagt Gross. „Ich weiß gar nicht, wie ich die bezahlen soll, ich hab doch nur gut 800 Euro im Monat zur Verfügung.“ Jetzt hat sie überlegt ihren Pferdeanhänger und ihr Auto zu verkaufen. „Anders geht es ja nicht“, sagt sie leise. „Ich habe auch Angst, dass ich meine beiden Jobs verliere. Ich fahre Medikamente aus und arbeite in einem Hundehotel.“

In der Tierklinik wurde auch die Hand von Angelika Gross notdürftig verbunden. „Die wollten, dass ich sofort ins Krankenhaus gehe. Aber ich musste erst wissen, was mit ,Julep’ ist“, erzählt Gross. Am Abend dann ließ sie sich dann ebenfalls behandeln. Mittlerweile wurde der Finger operiert. Ob er erhalten bleiben kann oder amputiert werden muss, ist bisher nicht klar.

Die gelben Fähnchen kennzeichnen die Drainagen, die „Julep“ gelegt wurden. Quelle: Maike Wegner

„Der andere Hund müsste auch verletzt sein“

Mittlerweile sind „Julep“ und seine Besitzer zumindest wieder in den eigenen vier Wänden. Beide müssen Antibiotika nehmen. „Im Grunde bekommen wir die gleiche Medizin“, sagt Angelika Gross mit einem kleinen Schmunzeln. Doch der Rüde ist sehr unsicher und vertraut fast niemandem mehr. Weil er nicht laufen kann, muss seine Besitzerin ihn außerdem aus dem ersten Stock runter tragen, damit er auf die Grünfläche vor dem Haus kann. „Das darf ich mit der Hand zwar nicht, aber ich hab ja keine Alternative. Der Hund muss sich ja lösen können.“

Dass sich der Mann mit seinem Hund einfach entfernt hat, kann Angelika Gross nicht verstehen. „Für so etwas hat man doch eine Versicherung“, sagt sie. Außerdem mutmaßt sie, dass auch der angreifende Hund Verletzungen davon getragen hat. „Ich hab ihn an den Augen verletzt, um ihn von ,Julep’ wegzubekommen“, erzählt sie.

Polizei sucht Zeugen

Die Polizei in Lübeck-Kücknitz, Tel. 04 51/300 36 30, bittet den Halter von „Harald“, aber auch etwaige Zeugen, sich bei ihr zu melden. Gesucht werden auch Zeugen, die Hinweise zu einem kleinen weißen Hyundai mit Lübecker Kennzeichen geben können, der in der Nähe des Tatorts stand. Den Hundehalter beschrieb Angelika Gross bei der Polizei lediglich als „etwa 1,80 Meter groß“.

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Von Maike Wegner

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