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Ostholstein Nach Tod des Bürgermeisters: Ehrenamtler führt bis zur Wahl die Verwaltung
Lokales Ostholstein Nach Tod des Bürgermeisters: Ehrenamtler führt bis zur Wahl die Verwaltung
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17:30 27.11.2019
Folkert Loose ist Erster Stadtrat in Heiligenhafen. Er führt nach dem Tod von Heiko Müller die Geschäfte weiter. Quelle: Luisa Jacobsen
Heiligenhafen

Eigentlich hat Folkert Loose (CDU), Erster Stadtrat in Heiligenhafen, gerade Elternzeit. Doch anstatt sich ausschließlich um seine fünfjährige Tochter zu kümmern, führt er nach dem überraschenden Tod von Heiko Müller weiter die Geschäfte im Heiligenhafener Rathaus.

„Wir sind momentan alle noch in der Trauerbewältigung“, sagt Folkert Loose. „Es war für uns alle ein Schock, dass unser Bürgermeister gestorben ist.“ So lange bis ein neuer Bürgermeister ins Heiligenhafener Rathaus einzieht, muss Loose dessen Aufgaben übernehmen. Geübt ist er: Seit Mitte August hatte er den ehemaligen Bürgermeister schon vertreten. Hinzu kommen mehrere Wochen im ersten Halbjahr 2019 als Müller wegen eines gebrochenen Fußes ausgefallen war.

Bürgermeister-Wahlen: So geht weiter in Heiligenhafen

„Jetzt ist es wirklich ein Full-Time-Job geworden, der noch so lange dauern wird, bis diese Stelle nachbesetzt wird“, sagt Loose. Das wird nach seiner Annahme zum 1. Mai 2020 der Fall sein. Der Gemeindewahlausschuss wird in dieser Woche erstmals zusammenkommen und Termine festlegen. Loose rechnet mit Wahlen im März. „Nach dem Gemeinderecht müssen wir ein bestimmtes Zeitfenster einhalten“, sagt der 60-Jährige. Noch im Dezember solle es eine Wahlbekanntmachung geben. Daraufhin kann sich im Grunde jeder für das Bürgermeisteramt bewerben. Voraussetzung ist aber: „Jeder Bewerber braucht 130 Unterschriften von Bürgern mit Erstwohnsitz in Heiligenhafen“, sagt Loose.

Wie lange darf ein Stadtrat den Bürgermeister vertreten?

Die Vertretung eines Bürgermeisters ist in der Gemeindeordnung geregelt. Diese sieht keine explizite Begrenzung der Vertretungsdauer vor. Ein Erster Stadtrat kann einen Bürgermeister bis zum Beginn der Amtszeit des Nachfolgers vertreten.

Eine Frist zur Neuwahlgibt es Fall gibt es hingegen schon. Ist eine Bürgermeister-Wahl wegen Ablaufs der Amtszeit oder wegen Eintritts in den Ruhestand notwendig, muss sie frühestens acht Monate und spätestens einen Monat vor Freiwerden der Stelle durchgeführt werden. Im Falle eines Todes des amtierenden Bürgermeisters muss die Wahl nach der Gemeindeordnung spätestens sechs Monate nach dem Freiwerden der Stelle erfolgen.

Folkert Loose wird nicht als Kandidat antreten

Trotz aller Erfahrung, die Folkert Loose jetzt schon in der Stadtverwaltung gesammelt hat, wird er für das Bürgermeisteramt nicht kandidieren. „Ich bin 60 Jahre alt und es ist auch nicht so, dass sich ein Erster Stadtrat automatisch als Bürgermeisterkandidat fühlt“, sagt er. „Ich bin gerne Erster Stadtrat.“ Doch auch dieses Amt verlangt Folkert Loose derzeit viel ab: „Der größte Brocken ist jetzt der Haushalt“, schildert er. Am 12. Dezember soll ihn die Stadtvertretung genehmigen.

Gleichzeitig laufen Bauprojekte: In der Ina-Seidel-Straße zum Beispiel soll bezahlbarer Wohnraum entstehen, in der Lindenstraße sind insgesamt 28 Wohnobjekte für junge Familien geplant. Hohe Priorität haben zudem ein neues Feuerwehrgerätehaus und ein neuer Kindergarten am Höhenweg. Im Gespräch ist auch ein Ärztehaus für Heiligenhafen. „Das muss weiterentwickelt werden“, sagt Loose.

Rathaus-Termine statt Elternzeit

Hinzu kommen gerade vor Weihnachten diverse Einladungen. Viele nimmt Loose gerne an, nicht alle schafft er. „Aber wir haben ja auch eine Bürgervorsteherin, Petra Kowoll, die ebenfalls Termine wahrnimmt.“ Und er sei nicht allein: „Da sind auch noch der Zweite und Dritte Stadtrat Florian Kinnert (BfH) und Helmut Gideon (FDP). „Wenn es mal gar nicht mehr ginge für mich, habe ich auch eine Vertretung.“

Looses großer Vorteil im Moment ist seine Elternzeit. Von Beruf ist er Polizeibeamter und seit vier Jahren Leiter des Diensthundewesens in Schleswig-Holstein. Jetzt und auch noch für Januar und Februar hatte er Elternzeit eingereicht. „Ziel ist dabei gewesen, dass ich mich um meine fünfjährige Tochter kümmern kann“, sagt er. Was auch funktioniere – allerdings mit nicht ganz so viel Zeit wie geplant. Wie es nach seiner Elternzeit weitergehen kann, müsse er dann mit seinem Dienstherr besprechen.   

Loose spricht von positiver Erfahrung

Grund zur Klage ist all das für Folkert Loose nicht. „Es ist schon so, dass man auch mal ein Limit erreicht.“ Doch er sehe vor allem die positiven Erfahrungen: „Wir haben eine tolle Verwaltung, die mich sehr unterstützt.“ Und auch den Außenterminen könne er viel abgewinnen: „Das ist eigentlich wirklich das Schöne im Moment, ich lerne jeden Tag dazu und ich nehme jeden Abend etwas mit nach Hause.“

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Von Luisa Jacobsen

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