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Ostholstein Nach Wohnungsbrand: Junge Mutter fühlt sich alleingelassen
Lokales Ostholstein Nach Wohnungsbrand: Junge Mutter fühlt sich alleingelassen
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00:00 13.11.2018
Lama Myly und ihr Sohn Yussuf (4 Monate) sind nach dem Brand von Pönitz obdachlos. Quelle: Susanne Peyronnet
Pönitz/Scharbeutz

Im Schlafzimmer von Margareta Mensch war es in den vergangenen Tagen recht eng. Nach dem Brand eines von Flüchtlingen bewohnten Hauses in Pönitz hat sie ihre Freundin Lama Myly (26) und deren vier Monate alten Sohn Yussuf bei sich aufgenommen und ihnen ein Matratzenlager am Fuß ihres Bettes aufgeschlagen. Die junge Syrerin wusste nicht wohin, konnte mit ihrem Baby die Nächte schlecht auf der Straße verbringen. Eine ihr zugewiesene Unterkunft in Timmendorfer Strand lehnte sie als unzumutbar ab. Sie habe Angst vor den dort lebenden alleinstehenden Männern, sagt sie.

Lama Myly (rechts) ist im Schlafzimmer ihrer Freundin Margareta Mensch (l.) untergekommen. Dort stapeln sich auch die Spenden für die junge Mutter. Quelle: Peyronnet

Warum Timmendorfer Strand? Pönitz liegt in der Gemeinde Scharbeutz. Doch die fühlt sich offenbar nicht zuständig. Oder wie es Margareta Mensch formuliert: „Die Gemeinde Scharbeutz schiebt obdachlos gewordene Mutter mit Säugling nach Timmendorfer Strand ab und droht bei Rückkehr nach Scharbeutz mit der Polizei.“ Es ist die kurze Zusammenfassung einer Odyssee, die Lama Myly und Yussuf nach dem Brand erlebten.

Myly, die berichtet, in ihrem Leben mehrmals Opfer von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen geworden zu sein, lebte in den vergangenen Monaten zusammen mit anderen Flüchtlingen in der Eekkampstraße in Scharbeutz. Es sei dort zu feucht und schimmelig gewesen, berichtet Mensch. Sechs Tage vor dem Brand erfolgte der Umzug nach Pönitz. Das Feuer machte Myly nicht nur obdachlos, sondern verschlang auch ihren gesamten Besitz einschließlich ihrer Ausweis- und Aufenthaltspapiere.

Angst vor den Männern

Wie es weiterging, berichtet Margareta Mensch: „Anstatt sie und ihren Sohn wieder in deren ehemaliger Wohnung in der Eekkampstraße unterzubringen, verwies die Verwaltung der Gemeinde Scharbeutz die junge Frau an die Nachbargemeinde Timmendorfer Strand. Sie sollte sich dort als obdachlos registrieren lassen und in ein Containerzimmer am Rande des Ortes ziehen. Die Gemeindemitarbeiterin, die noch zusicherte, dass die Nachbargemeinde im Falle der Unzumutbarkeit der Containerunterkunft auch eine alternative Unterbringung anbieten würde, ließ dann allerdings Mutter und Säugling buchstäblich im Regen stehen und verzweifelt weinend in Timmendorfer Strand zurück, als die junge Frau sich weigerte, in den Container zu ziehen, aus Angst vor den alleinstehenden syrischen Männern. „Ich will nicht in den Container, ich hasse das“, sagt Myly. Ihr sei nur die Alternative geblieben, in den Container zu ziehen oder auf der Straße zu landen. „Das ist doch zu kalt für mich und mein Baby, es ist noch so klein.“

Zu allem Überfluss habe ihr die Gemeinde Scharbeutz mit der Polizei gedroht, sollte sie versuchen, bei ihren ehemaligen Hausnachbarn in der Eekkampstraße in Scharbeutz Unterschlupf zu finden, berichtet Margareta Mensch. „Vor dem Hintergrund, dass sie immer wieder häusliche Gewalt erlitten hat, vor der sie aus Syrien und der Türkei nach Deutschland geflohen ist, kann ich ihre Weigerung, in den Container zu ziehen, nur allzu gut verstehen.“ Mensch handelte und schlug in ihrem Schlafzimmer für Lama Myly ein Matratzenlager auf. Am Montag nahmen die Frauen erneut Kontakt mit der Gemeinde Scharbeutz auf, die ihr schließlich eine neue Unterkunft in Pönitz zuwies.

Wenn Verwaltung auf Schicksal trifft

Der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien erklärt das Verhalten seiner Verwaltung. „Als obdachlos meldete sich die damals schwangere Frau ursprünglich in der Gemeinde Timmendorfer Strand.“ Da die keine Unterkunft bereitstellen konnte, habe Scharbeutz Amtshilfe geleistet. Vor dem Brand habe die Nachbargemeinde dann mitgeteilt, jetzt eine Unterkunft für Mutter und Sohn zu haben. Weiter teilte Owerien mit: „Absprachegemäß wurde die Frau am Freitag, nachdem sie am Donnerstag nach dem Brand noch in Scharbeutz untergebracht war, der Gemeinde Timmendorfer Strand übergeben. Dort verweigerte sie jedoch die Unterbringung, weil dort Männer wohnen. Nachdem sie sich daraufhin wieder hier gemeldet hatte, wurde sie nunmehr in einem anderen gemeindeeigenen Objekt in Pönitz untergebracht.“

Die Feuerwehr rettet Yussuf aus dem brennenden Haus. Dafür strahlte er die Retter an. Quelle: hfr

Lama Myly hofft, eine eigene Wohnung für sich und ihr Kind in Scharbeutz zu finden. Bis zu 430 Euro würde das Jobcenter dafür bezahlen. Ihrer Freundin Margareta Mensch ist Myly sehr dankbar: „Sie ist eine ganz liebe Frau.“

Susanne Peyronnet

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