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Ostholstein Nachts drehte „Xaver“ auf: Über 120 Einsätze für die Retter
Lokales Ostholstein Nachts drehte „Xaver“ auf: Über 120 Einsätze für die Retter
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20:32 06.12.2013
Von einer Böe erfasst und im Graben gelandet: Dieser Sprinter blockierte bei Puttgarden vorübergehend sogar die Bahngleise.
Heiligenhafen

„Xaver“ schlug Donnerstag erst spät in Ostholstein zu. „Ab Abend ging es dann rund. Innerhalb von drei Stunden gab es etwa 120 Einsätze in Ostholstein“, bilanzierte gestern Kreisfeuerwehrsprecher Hartmut Junge aus Lensahn. Kreisweit insgesamt 38 Mal musste auch die Polizei ausrücken. Besonders betroffen war Fehmarn mit drei Lkw-Unfällen.

Die Insel blieb auch gestern von der Außenwelt abgeschlossen. Die Vollsperrung der Sundbrücke dauerte bis Redaktionsschluss an. Der Grund: die aufgrund des Orkans auf Rot stehenden Brücken-Ampeln und ein umgewehter Lkw, der nicht geborgen werden konnte. Auf den Auffangparkplätzen wurde es rappelvoll, vor allem Richtung Fehmarn bildete sich eine lange Warteschlange mit 300 Lkw. Auch die LN konnte nicht wie gewohnt auf der Insel ausgeliefert werden.

Dort blieb es stundenlang auf der B 207 gespenstisch ruhig. Denn auch der Fährverkehr auf der Vogelfluglinie musste wegen des extrem niedrigen Wasserstandes in den Häfen bis gestern Nachmittag eingestellt werden. Einige Fähren „parkten“ vor der Ostküste in Höhe Katharinenhof. Frust gab es zudem für skandinavische Kunden: Das schwimmende Einkaufsparadies „Portcenter“ geriet bei schwindendem Wasser im Hafenbecken in eine leichte Schieflage — und musste aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Laut Reederei wird es voraussichtlich erst heute früh um 6 Uhr wieder öffnen.

Kurzzeitig drohte auf der Sundbrücke gar ein Horrorszenario. „Um 21.45 Uhr hieß es, dass ein Reisebus auf der Brücke umgekippt sei. Wir sind mit einem Großaufgebot ausgerückt“, so Junge. Jedoch habe sich der Bus als Lkw entpuppt. Der Fahrer des 40-Tonners war trotz roter Ampel auf die Brücke gefahren — sein Lkw wurde vom Orkan umgekippt. Der Mann wurde leicht verletzt. Der vollbesetzte Reisebus wurde laut Polizeidirektion Lübeck bei dem Unfall zum Glück nur am Heck beschädigt — alle Insassen blieben unverletzt. Aufgrund der widrigen Wetterlage musste die Lkw-Bergung bis vergangene Nacht verschoben werden.

Glimpflich war zuvor am Donnerstag gegen 19 Uhr der Unfall eines Klein-Lkw ausgegangen, der kurz vor Puttgarden in den Graben fuhr. Das größte Problem: Das Heck des Sprinters ragte zunächst in die Bahngleise neben der Fahrbahn. Der Fahrzeugführer wurde leicht verletzt. Zu diesem Unfall wurden die Wehren aus Puttgarden und Bannesdorf alarmiert. Die Burger Wehr musste überdies im Gewerbebiet eine Halle sichern, auf der sich erneut — wie schon beim vorherigen Sturm — eine Photovoltaikanlage gelöst hatte.

Für Aufregung sorgte in der Orkannacht auf dem Festland ein Anruf beim Neustädter THW. Gegen 23 Uhr berichtete ein Unbekannter, dass zwei Angler ins Hafenbecken gestürzt seien. DGzRS, Johanniter, Feuerwehr und THW starteten eine groß angelegte Suchaktion im Hafen. Taucher und Boote kamen zum Einsatz. „Wir haben alle Register gezogen und nichts gefunden. Ich denke, da hat sich jemand einen üblen Scherz erlaubt. Das war eine böswillige Alarmierung“, so Wehrführer Reinhard Schloer. Der Einsatz wurde nach mehr als zwei Stunden beendet. Die meisten anderen Einsätze im Kreis galten umgestürzten Bäumen, abgeknickten Ästen und losen Dachpfannen. So kippte ein Baum auf die K 59 bei Lensahn. „Das Kuriose war, dass während der Beseitigung plötzlich ein Zug auf der Bahnstrecke daneben anhielt. Ein Baum war auf die Gleise gestürzt. Der Weg wurde direkt freigeräumt“, so Junge.

Stau vor der Sundbrücke: Lkw-Fahrer vertreiben sich die Zeit mit Laptops
Im warmen Führerhaus von Klaus wackelt es gewaltig. Immer wieder packt der Wind den Lkw und schüttelt ihn — doch Angst hat Klaus nicht. Überhaupt, der 68-Jährige ist gelassen: „Ich habe die Ruhe weg.“ Er schaut Filme auf seinem Laptop, ein Buch liegt auf dem Boden. Und als Notration wartet hinter ihm eine Lkw-Ladung französische Schokolade, die eigentlich von Belgien nach Malmö gebracht werden soll. Seit drei Stunden steht Klaus in der A-1-Auffahrt Heiligenhafen-Nord, seiner ist der vorletzte Truck — dahinter hat die Polizei die Auffahrt gesperrt. „Käme ich raus, würde ich umdrehen und über Flensburg fahren“, sagt Klaus. Stattdessen gibt‘s jetzt erst einmal ein Nickerchen.

Kurz hinter Klaus riegelt Friedhelm Flohr die Autobahn-Auffahrt ab. „Viele fragen uns, was los ist. Aber alle sind verständnisvoll“, erzählt der Polizeihauptmeister. Schon ab Lübeck seien die Parkplätze voll mit Lkw und jeder, der jetzt aus Süden kommt, muss spätestens hier abfahren.

Bereits seit Mitternacht steht Sergej (39) aus Cloppenburg mit seinem Lkw auf der A 1. Eigentlich wollte er mit Obst und Gemüse bereits in Kopenhagen sein. Nun hat er es sich — wie die meisten seiner Kollegen, die hier warten — warm und gemütlich gemacht. Schuhe aus, Laptop an und: abwarten. „So lange hab ich noch nie gestanden“, sagt er. Doch er werde auch noch eine weitere Nacht durchhalten. sts

Gerd-J. Schwennsen und Sebastian Rosenkötter

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