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Ostholstein Naturdenkmale in Gefahr? Klimawandel lässt Bäume schneller altern
Lokales Ostholstein Naturdenkmale in Gefahr? Klimawandel lässt Bäume schneller altern
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07:00 13.09.2019
Auf die Eichenreihe an der Carl-Maria-von-Weber-Straße, vor rund 500 bis 600 Jahren gepflanzt, wird besonders geachtet. Joachim Siebrecht steht vor einem „Sorgenkind“, dessen Äste gestützt werden müssen. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

Bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) kümmert sich ein Trio um das Wohlergehen der 118 als Naturdenkmal eingestuften Bäume, Baumreihen und Alleen im Kreis: Joachim Siebrecht, Fachdienstleiter Naturschutz, sowie seine Kolleginnen, die Biologin Karina Graap und Gartenbauingenieurin Regina Strunk. Um einen guten Überblick über den Zustand der Bäume zu haben, werden sie vierteljährlich im Wechsel betrachtet: „So bekommen wir alle Jahreszeiten mit, erleben die Bäume in der Blüte, aber auch unbelaubt“, erklärt Siebrecht.

Bäume tun sich schwer mit Wetterumstellungen

Die Fachleute sehen bei ihren Schützlingen noch keine erheblichen Wirkungen des Klimawandels. „Die alten Bäume haben tiefe Wurzeln. Aber sie nehmen mehr CO2 auf, haben einen höheren Stoffwechsel und altern schneller. Man kann das an breiteren Jahresringen erkennen“, erklärt Joachim Siebrecht. Außerdem gerieten die Bäume in Stress: „Wir haben keine warme und kalte Jahreszeit mehr, sondern mal einen warmen Winter, dann einen nassen Sommer, einen kalten Winter, einen heißen Sommer. Da ist der Baum ganz Mensch – die Umstellung fällt ihm schwer“, sagt er. Seine Befürchtung ist, „dass durch Verschiebung der Klimazonen unbekannte Schädlinge einwandern werden“.

Von 126 Naturdenkmalen sind 118 Bäume, Baumreihen und Alleen.

„Problembäume“ suchen die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde häufiger auf. Dazu zählt beispielsweise die Linde vor dem Voss-Haus in Eutin. „Sie ist durch die Bauarbeiten stark in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagt Siebrecht. Auch wenn es Auflagen gegeben habe, wie einen Stammschutz, bestimmte Abstände zum Wurzelwerk zu halten, wie angeschnittene Wurzeln zu behandeln seien und dass notwendige Schnitte durch einen ausgewiesenen Fachmann vorzunehmen seien.

Verletzungen zeigen erst mit Verspätung Wirkung

Bäume sind sehr sensibel. „Ihr Hauptproblem ist das Bedrängen ihres Wurzelraums durch Baumaßnahmen und Verdichtung. Auch Auffahrschäden setzen ihnen zu“, schildert Joachim Siebrecht. Wenn jemand mit dem Auto beim Rangieren gegen einen Baum stoße, falle das nicht unbedingt auf, die Verletzung mache sich erst mit Verzögerung bemerkbar. Gleich hinter der Borke sitze das Cambium, die lebende Schicht des Baums. „Wird immer wieder dagegen gedengelt, auch nur mit leichten Anschlägen, dann wird die Wasserversorgung gestört, der Baum anfällig für Schädlinge“, sagt Siebrecht. Ein weiteres Problem ist ererbt: „In der Vergangenheit gab es häufig falsche Pflege und Schnittmaßnahmen. Heute geht man behutsamer vor.“

Ein anderes Sorgenkind in Eutin ist der Weberhain an der Ecke Charlottenstraße/Lübecker Landstraße, gegenüber dem Böhmckersweg. Hier waren mehrere Stieleichen vom Leberpilz befallen. Drei mussten im Sommer gekappt, eine musste ganz gefällt werden. „Es ist immer schwierig, die Balance zu finden zwischen Verkehrssicherheit und Funktion und Wuchs der Bäume“, sagt Joachim Siebrecht. Am Weberhain will die UNB jetzt verstärkt kontrollieren, da zu befürchten ist, dass über Sporen eine Verbreitung des Pilzes stattgefunden hat. „Gesunde Bäume können mit einem Pilz umgehen. Gestresste oder Bäume in der Altersphase schaffen das nicht“, sagt der Fachmann.

Bekanntestes Naturdenkmal: die Bräutigamseiche

60 Prozent der Naturdenkmale im Kreis stehen auf Privatgrundstücken, die anderen Bäume sind im öffentlichen Raum zu finden. Das bekannteste Naturdenkmal ist sicher die Bräutigamseiche im Dodauer Forst in Eutin, eine rund 600 Jahre alte Eiche, in deren Astloch Verliebte und Bekanntschaftssuchende seit vielen Jahrzehnten ihre Post ablegen. Um Pflege und Erhalt der Bräutigamseiche kümmern sich die Landesforsten.

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Auch der Name Blüchereiche wird vielen geläufig sein. Der Baum, inzwischen eher sein Rest, steht in Ratekau. In den 1970er bis 1990er Jahren hat man mit mehreren Sanierungen versucht, ihn zu retten. Laut Unterer Naturschutzbehörde hat er 1998 letztmalig ausgetrieben. Angeblich soll sich an dieser Stelle der preußische Generalfeldmarschall Blücher im November 1806 den französischen Truppen ergeben haben.

Kellenhusener Eiche als Vorbild für Reichsmark-Münze

In Kellenhusen gibt es ebenfalls eine besondere Eiche, die „5-Mark-Eiche“. Sie ist 2012 abgestorben, mit rund 350 Jahren auf dem Buckel. Anfang der 1920er Jahre war sie so mächtig und prächtig, dass sie als Vorbild für die Prägung der alten Fünf-Reichsmark-Münze diente. Im Kellenhusener Wald ist auch die Wasserstands-Eiche zu finden. Sie soll an die höchste Sturmflut des 19. Jahrhunderts, im November 1872, erinnern – allerdings hat sie (noch) nicht das Prädikat Naturdenkmal.

Was ist ein Naturdenkmal?

Ein alter Baum, ein Findling, eine Quelle, sogar die Fundstellen erdgeschichtlicher Pflanzen- und Tierwelt können als Naturdenkmal eingestuft werden. Als bemerkenswert und schutzwürdig gelten bei Bäumen Exemplare von besonderem Wuchs, besonderer Schönheit, landschaftsprägender Form, von seltener Art oder kulturhistorischer Bedeutung.

Der Fachdienst Naturschutz beim Kreis Ostholstein hat dazu eine Broschüre „Naturdenkmale im Kreis Ostholstein“ herausgegeben, zu finden auch über die Internetseite des Kreises unter www.kreis-oh.de.

Den Titel können Privatleute für besondere Bäume auf ihrem Grundstück beim Kreis beantragen. Biologin Karina Graap prüft, ob sie für die Vergabe infrage kommen. Sind sie kulturgeschichtlich bedeutsam, prägen sie das Landschaftsbild, sind sie einer Gefährdung ausgesetzt oder von besonderem Wuchs, außergewöhnlicher Schönheit, einer ausgefallenen Art oder Unterart? So lauten unter anderem die Kriterien.

Naturschutzbehörde trägt besondere Pflegekosten für Bäume

„Es gibt auch Menschen, die zu uns kommen und einen Baum schützen lassen möchten, weil sie Bedenken haben, dass er bei der Neu-Ausweisung eines B-Plans unter die Räder kommen könnte“, berichtet Joachim Siebrecht. „Oder weil sie alt sind und fürchten, dass bei einem Hausverkauf der neue Eigentümer den Baum fällen lassen würde.“ Ein anderer Aspekt: „Die Untere Naturschutzbehörde übernimmt bei Privatleuten 100 Prozent der Kosten für Maßnahmen, die über den normalen Pflegeschnitt hinausgehen, zum Beispiel das Sichern von Ästen durch Verzurrung oder die Versorgung des Baumes mit Nährstoffen über einer Sonde. Bei Bäumen, die auf dem Grund von Gemeinden und Kirchen stehen, tragen wir 50 Prozent der Kosten. Denn wir sehen uns auch da in der Verantwortung und sind um den Erhalt der Bäume bemüht.“ Zwischen 10 000 und 15 000 Euro gebe die Untere Naturschutzbehörde dafür im Schnitt pro Jahr aus.

Von Ulrike Benthien

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