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Ostholstein Neue Regeln verärgern Wohnmobilisten
Lokales Ostholstein Neue Regeln verärgern Wohnmobilisten
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08:47 30.07.2014
Wohnmobilist Eckhard Eisenack aus Plön ärgert sich auch darüber, dass er nicht nur zehn Euro Parkgebühr, sondern auch zweimal drei Euro als Tourismusbeitrag zahlen muss, obwohl er alleine reist. Quelle: Fotos: Düvell-Veen
Scharbeutz

Ende vergangener Woche waren sie plötzlich da — die mit neuen Anweisungen dicht beschriebenen Schilder auf einem gemeindeeigenen Gelände am Hamburger Ring in Scharbeutz. Seitdem ist nichts mehr so wie vorher. Aus einem Stellplatz für Wohnmobile wurde ein schlichter Parkplatz. Und dort, wo Urlauber ihre Fahrzeuge oftmals für mehrere Tage abgestellt hatten, dürfen sie jetzt nur noch höchstens 24 Stunden und ausschließlich „zur Wiederherstellung ihrer Fahrtüchtigkeit“ halten. Der Automat schluckt nicht mehr — wie bisher üblich — die zehn Euro Tagesgebühr, sondern zusätzlich für jedes Wohnmobil auch noch zweimal drei Euro Tourismusbeitrag.

Besonders verärgert darüber sind die Dauergäste aus der Region. Viele von ihnen reisten noch am Wochenende ab. Dort, wo sich sonst in den Sommerferien die Fahrzeuge drängeln, gibt es derzeit große Lücken. „Ohne Ankündigung wurde die Gästeschar von heute auf morgen vergrätzt“, sind sich Eckhard Eisenack (70) und Manfred Pries (66) aus Plön einig. Beide Ruheständler kommen mit ihren Wohnmobilen schon seit mehreren Jahren nach Scharbeutz. „Das hier ist ein angenehmer Ort mit angenehmer Atmosphäre und einer schönen Gemeinschaft“, sagt Eisenack. Er weiß von Feriengästen, dass dieser Platz in Zeitschriften für Camper angepriesen wird. Und auch durch die Internetseite der Tourismus Agentur Lübecker Bucht (TALB) werden immer wieder Gäste auf den Platz aufmerksam. „Herzlich willkommen“, hieß

es auch gestern noch bei der TALB mit dem Hinweis darauf, dass „der Wohnmobilstellplatz in Scharbeutz für 58 Reisemobile unmittelbar am Ostsee-Strand ganzjährig geöffnet“ ist. Der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) auf LN-Anfrage: „Rein rechtlich gesehen, handelt es sich bei dem Grundstück um einen Parkplatz. Es erfüllt nicht die Voraussetzungen für einen offiziellen Wohnmobil-Standort. Trotzdem wurden Camper von uns in der Vergangenheit dort geduldet.“

Ins Rollen brachte die aktuelle Entwicklung der rechtskundige Betreiber eines neuen Wohnmobil-Parks in Scharbeutz. Der sei bei ihm vorstellig geworden, habe die rechtlichen Bedenken schriftlich dargelegt und vor allem auf die Wettbewerbsverzerrung hingewiesen, so Owerien. Da der Platz am Hamburger Ring in der Bauleitplanung nicht als Stellplatz ausgewiesen sei, fehlten beispielsweise die Vorgaben für Brandschutz und Hygiene. „Die Vorschriften der Campingplatzverordnung müssen eingehalten werden“, ergaben auch Prüfungen in der Gemeindeverwaltung. „Es war meine Entscheidung. Wir mussten so reagieren, um nicht rechtswidrig zu handeln“, erläutert Owerien das Vorgehen vom Ende der vergangenen Woche.

Der Verwaltungschef berichtet auch von der derzeit laufenden Bauleitplanung für das Areal mit dem Ziel, aus dem Parkplatz einen Wohnmobilplatz zu machen, auf dem alle Vorschriften erfüllt werden. Die Gemeinde werde ihren Grund und Boden zur Verfügung stellen und einen Betreiber für die Anlage suchen. Geplant seien unter anderen ein Empfangsgebäude sowie eine Ver- und Entsorgungsstation. Mit den Umbauarbeiten, so hofft Owerien, werde noch in diesem Jahr begonnen, so dass der Platz zur nächsten Saison in Betrieb genommen werden könne. Bis es so weit ist, müssen alle neun Punkte, die auf den neuen Schildern zu lesen sind, von den Wohnmobilisten eingehalten werden. Demnach ist „campingähnliches Verhalten zu unterlassen“. Und somit ist es auch verboten, „Vorzelte, Tische und Stühle oder Ähnliches aufzustellen“. Eisenack und Pries denken an einen Abschied von Scharbeutz und daran, andere Stellplätze zu suchen — vielleicht in Niendorf, Travemünde, Heiligenhafen oder Neustadt. Pries: „Wenn das hier so bleibt, dann bin ich weg.“

„Wenn das hier so bleibt, dann bin ich weg.“
Wohnmobilist Manfred Pries (66) aus Plön

Christina Düvell-Veen