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Ostholstein Neuer Trend: Hier gibt es kostenlos Trinkwasser zum Auffüllen
Lokales Ostholstein Neuer Trend: Hier gibt es kostenlos Trinkwasser zum Auffüllen
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06:44 07.08.2019
Buchhändlerin Susanne Bimberg- Nittritz und ihre Mitarbeiterin Finja Grundt (l.) verteilen Wasser an ihre Kunden. Sie wollen verstärkt auf Nachhaltigkeit achten. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Trinkwasser soll kostenlos und für jedermann überall zugänglich sein. Und es sollte umweltverträglich verpackt sein. Das ist die Idee der ehrenamtlich organisierten „Refill“-Bewegung. Sie setzt sich weltweit dafür ein, dass kommerzielle Läden Privatpersonen ihre Trinkflaschen kostenlos mit Wasser auffüllen. Auch an der Lübecker Bucht gibt es immer mehr dieser Auffüll-Stationen, die sich an dem Projekt beteiligen.

Diese Karte zeigt registrierte „Refill“-Läden in Ostholstein (Stand Juli 2019):

Leitgedanke von „Refill“: Müll vermeiden

17 Läden machen bisher in Ostholstein mit. Darunter Bäckereien, Cafés, Eisdielen, Büchereien und Museen. Ganz neu dabei sind in Neustadt beispielsweise das Haus des Gastes, das Rathaus, das Stadtmuseum Zeittor und die zwei Filialen der Buchhandlung „Buchstabe“. „Den Anstoß hat der Neustädter Tourismus-Ausschuss gegeben“, sagt Andrea Brunhöber vom Stadt-Marketing. Der Leitgedanke von Refill sei einfach. Es gehe darum Müll zu vermeiden, die Umwelt zu schützen und deshalb Leitungswasser zu trinken.

Im Neustädter Rathaus gibt es ebenfalls kostenlos Trinkwasser. Bürgermeister Mirko Spieckermann weist auf den „Refill“-Aufkleber am Nebeneingang hin. Quelle: Sebastian Rosenkötter

„Dadurch wird vermieden, dass unnötig Plastikflaschen gekauft werden“, erklärt Brunhöber den Hintergrund. Man erkennt teilnehmende Geschäfte daran, dass sie einen Aufkleber mit einem hellblauen Wassertropfen darauf in den Eingang kleben. Auf der Internetseite von „Refill“ gibt es zudem eine Karte, auf der alle in Deutschland teilnehmenden Geschäfte verzeichnet sind.

Läden registrieren sich im Internet

Susanne Bimberg-Nittritz, Inhaberin der Neustädter Buchhandlung „Buchstabe am Markt“ ist seit Neuestem mit einer Refill-Station dabei. „Ich finde die Idee toll, da ich versuche, auf Nachhaltigkeit zu achten. Von den vielen Verpackungen bin ich zunehmend genervt und diese Sache ist einfach umsetzbar.“ Ladenbesitzer können sich auf der Homepage der Refill-Initiative kostenlos registrieren. „Man braucht nur das Eigen-Engagement sowie das der Mitarbeiter“, sagt die Buchladen-Inhaberin.

Die Entstehung der Refill-Bewegung

In Bristol hat alles angefangen. 2014 bildete sich dort eine Bewegungn, die etwas gegen die Verschmutzung durch Plastik unternehmen wollte. 2015 entstand daraus die Kampagne „Refill Bristol“. Die Idee: Leitungswasser soll unterwegs für jedermann kostenlos und leicht zugänglich sein. Durch die Verwendung eigener, mitgebrachter Flaschen wird Plastikmüll von Einweg-Flaschen reduziert.

2017 hat Stephanie Wiermann „Refill“ nach Deutschland gebracht. Los ging es in Hamburg. Inzwischen gibt es in vielen Städten bundesweit rund 3000 „Refill“-Stationen, die von Ehrenamtlichen organisiert werden.

Pro Person 200 Plastikflaschen im Jahr

Die Zahlen sind alarmierend: Laut der Deutschen Umwelthilfe werden bundesweit pro Stunde 1,9 Millionen Einweg-Plastikflaschen verbraucht. Im Schnitt befördert allein jeder Deutsche im Jahr 200 Einweg-Flaschen in den Müll. Um diesem wachsenden Plastikmüll etwas entgegenzusetzen, hat das Europäische Parlament im August 2018 eine Trinkwasser-Richtlinie auf den Weg gebracht.

In dieser ist festgelegt, dass die Mitgliedstaaten den Zugang zu Wasser mit frei zugänglichen Trinkbrunnen in Städten verbessern sollen. Leitungswasser soll zudem kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr in Restaurants, Kantinen und bei Catering-Dienstleistungen bereitgestellt werden. Auch der Zweckverband Ostholstein (ZVO) will die Umsetzung der Richtlinie schnell voranbringen. „Wir begrüßen es sehr, dass Geschäfte zur Abfallvermeidung Leitungswasser umsonst verteilen“, sagt Rüdiger Lange-Joost, Geschäftsführer des ZVO.

Gastronomie soll auf Plastikflaschen verzichten

Und es sollen noch mehr Anbieter werden. „Insbesondere in den touristisch stark genutzten ländlichen Küstenregionen können durch den verstärkten Ausschank von Leitungswasser eine Menge Ressourcen eingespart werden“, heißt es auf der Homepage der ZVO-Ideenwerkstatt für Umweltthemen. Es werde bereits nach Lösungen gesucht, wie die Betriebe dazu animiert werden können, auf Einweg-Plastikflaschen zu verzichten. Noch steckt das Projekt laut Lange-Joost aber in den Startlöchern.

Für den Geldbeutel des Verbrauchers lohne es sich auch, auf Leitungswasser umzusteigen. „Ein Liter Wasser aus der Leitung kostet bei uns 0,165 Cent“, sagt der ZVO-Geschäftsführer. Dieser Preis halte sich seit 2009 konstant. „Im Discounter kostet die Ein-Liter-Flasche deutlich mehr.“ Auch die Qualität stimme. Das Leitungswasser in Ostholstein komme aus der Tiefe und lagere 40 bis 50 Meter unter der Erde. „Es gibt keine Belastungen, das Wasser ist komplett unbehandelt und in einer sehr guten Qualität“, sagt Lange-Joost.

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Von Saskia Bücker