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Ostholstein „Momo“ wurde zwei Mal attackiert: Eutiner warnt vor aggressivem Pitbull
Lokales Ostholstein „Momo“ wurde zwei Mal attackiert: Eutiner warnt vor aggressivem Pitbull
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16:05 07.10.2019
„Momos“ Bisswunden sind zwar verheilt. Aber der Vierbeiner habe Angst beim Spazieren gehen, sagt Halter Burkhard Knieß. Quelle: Saskia Bücker
Eutin

Früher war „Momo“, zehn Jahre alt, Rasse Parson Jack Russell, gern mit seinem Herrchen im Eutiner Seepark unterwegs. Heute machen Hund und Halter einen großen Bogen darum, fahren lieber mit dem Auto in andere Waldstücke. „Der Hund hat Angst“, sagt Besitzer Burkhard Knieß (67). Denn dort könne wieder der Pitbull unterwegs sein. „Der hat sich schon zwei Mal tief in Rücken und Hinterläufe des Hundes verbissen und ihn dabei sehr schwer verletzt“, berichtet der Halter.

Der letzte Vorfall ereignete sich Mitte Juli dieses Jahres. Da sei die 18-jährige Tochter von Knieß mit „Momo“ im Park spazieren gewesen. Plötzlich sei da eine Pitbull-Hündin unvermittelt auf die beiden zugestürmt, habe sich vom Halter losgerissen und den Plastik-Maulkorb von der Schnauze befreit. „Unseren ,Momo’ hat der Hund in Unterleib, Bein und Ohr gebissen“, berichtet Knieß und zeigt Fotos von den großen Bisswunden.

Leinen- und Maulkorb-Pflicht vernachlässigt?

Sein Vorwurf: Der aggressive Hund habe „Momo“ nur so verletzten können, weil dessen Halter sich nicht an die Anlein- und Maulkorbpflicht gehalten habe. Der Maulkorb, den der Pitbull getragen habe, sei für diese Rasse nicht ausreichend gewesen. Die Leine zu lang, der Halter zu weit weg vom Tier. Laut Knieß sei der Kampfhund im Stadtgebiet unter Hundebesitzern bekannt und schon öfter aggressiv gegen andere Tiere vorgegangen.

Im Seepark am Großen Eutiner See ist die Pitbull-Hündin schon häufig gesehen worden. Quelle: Saskia Bücker

„Momo“ wurde schon einmal angefallen, vor fünf Jahren. Da sei die Tochter von Knieß mit dem Hund vor einem Einkaufszentrum unterwegs gewesen, als der Pitbull sich, damals noch ohne Maulkorb, von seinem Halter losgerissen und den Parson gebissen habe. „Drei Mal in den Rücken“, sagt Knieß, der sich noch genau erinnert. Auch davon erholte sich sein Hund körperlich, musste aber mehr als vier Stunden beim Tierarzt operiert werden.

Zwei Hunde in Eutin als gefährlich eingestuft

Knieß habe mehrmals das Ordnungsamt in Eutin informiert. „Der Mann ist offensichtlich nicht in der Lage, seinen Hund unter Kontrolle zu halten“, kritisiert der 67-Jährige. Seine größte Sorge: „Was ist, wenn das Tier irgendwann auf Menschen losgeht?“ Auch der Behörde wirft er Versagen vor. „Die Bürger müssen doch frühzeitig gewarnt werden, wenn ein gefährliches Tier in der Stadt unterwegs ist“, sagt Knieß. Nun, nach der zweiten Biss-Attacke, reiche es ihm. Er habe einen Anwalt eingeschaltet, der Fall liegt jetzt beim Amtsgericht.

Details dazu will das Ordnungsamt derzeit nicht nennen. „Im aktuellen Fall können wir wegen eines laufenden Verfahrens keine Auskunft geben“, sagt Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt. Sie könne aber bestätigen, dass in Eutin aktuell zwei Hunde als gefährlich eingestuft seien. Das Ordnungsamt verfügt in solchen Fällen zunächst über einen Maulkorb- und Leinenzwang. Zudem muss der Halter eine Befähigung vorlegen. Hält sich der Hundebesitzer nicht an diese Auflage, wird ein Bußgeld fällig. Wie hoch das ausfällt, sei individuell festzulegen, sagt Stein-Schmidt.

Hundegesetz: Beiß-Attacke oder Rasse ausschlaggebend

Wann ein Hund als gefährlich eingestuft wird, regelt das jeweilige Landeshundegesetz. In Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen müssen Tiere erst auffällig werden: durch Beiß-Attacken, unkontrolliertes Hetzen oder gefahrdrohendes Anspringen von Menschen oder anderen Tieren. In allen anderen Bundesländern gibt es hingegen eine Rasseliste. Pitbull-Terrier und Kreuzungen gelten dann grundsätzlich als gefährlich. Der Import von Pitbull-Hunden ist in ganz Deutschland verboten.

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In Schleswig-Holstein beurteilt die zuständige Gemeinde, in der der Halter des Hundes wohnt, nach einem Beiß-Vorfall, ob von dem Hund eine Gefahr für Menschen und andere Tiere ausgeht. Bestätigt sich dieser Verdacht, stuft die Gemeinde den Hund als gefährlich ein. Die Haltung ist dann nur noch mit ausdrücklicher Erlaubnis der Behörde zugelassen.

Burkhard Knieß hat den Pitbull in Eutin erlebt. Seiner Ansicht nach gibt es in diesem Fall nur eine wirklich sinnvolle Maßnahme: „Man müsste dem Halter den Hund eigentlich wegnehmen“, fordert er. „Ein Hund, der mehrfach beißt, das geht einfach nicht.“ Das Ordnungsamt greife da nicht richtig durch. Glücklicherweise sei der Hund bislang seiner Kenntnis nach noch nicht auf Menschen losgegangen. Aber eine Garantie dafür gebe es nicht.

Beiß-Vorfälle mit Kampfhunden

Pitbull-Terrier wurden ursprünglich für Tierkämpfe gezüchtet. Seit im Jahr 2000 auf einem Schulhof in Hamburg ein Kind von einem Pitbull tot gebissen wurde, gelten für die Besitzer in vielen Bundesländern strenge Auflagen wie die Anlein- und Maulkorbpflicht in der Öffentlichkeit. Pitbull-Terrier und Kreuzungen mit anderen Arten stehen auch häufig auf der Liste gefährlicher Rassen – nicht aber in Schleswig-Holstein.

In Ratekau hat im September ein Kampfhund eine Frau und ihren Hund auf einem Wanderweg am Wasserwerk „Kleinensee“ angegriffen. Seitdem bangt die Besitzerin um das Leben ihres „Julep“. Vom Angreifer und dem Hundehalter fehlt noch immer jede Spur.

In Lübeck gab es dieses Jahr bereits einen Vorfall, bei dem eine Frau beim Spaziergang in einem Wald von einem Pitbull-Mischling angefallen und an der Hand verletzt wurde. Der Besitzer hatte ihr seine persönlichen Daten gegeben – die allerdings falsch waren.

Von Saskia Bücker

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