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Ostholstein Niendorfer Hafen wird ausgebaggert
Lokales Ostholstein Niendorfer Hafen wird ausgebaggert
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21:10 29.03.2018
Schiff, Schute, Ponton und Schlepper: Manchmal ist das Knäuel an Wasserfahrzeugen an der Baggerstelle unübersichtlich.
Schiff, Schute, Ponton und Schlepper: Manchmal ist das Knäuel an Wasserfahrzeugen an der Baggerstelle unübersichtlich. Quelle: Fotos: Peyronnet
Niendorf

Deshalb werden der Baggerschiff-Kapitän und seine Mannen während der Feiertage arbeiten. Es ist noch einiges an Masse wegzuschaffen, und spätestens Ostermontag soll alles fertig sein, berichtet Diplom-Ingenieur Torsten Hauser, Technischer Leiter der Firma Deutsch Dänische Wasserbau GmbH aus Arnis (Kreis Schleswig-Flensburg).

Am Dienstag wird gepeilt, wie tief der Hafen dann ist.

28000 Kubikmeter Sand und Schlick müssen weg. Nach mehr als 20 Jahren wird mal wieder der Niendorfer Hafen ausgebaggert. Eine Mammutaufgabe für den Bagger auf dem Baggerschiff „Camilla Hoj“. Fasst seine Schaufel doch gerade einmal zwei Kubikmeter.

2,50 Meter sollten es mindestens sein, damit Schiffe keine Probleme bekommen. Vor Beginn der Baggerarbeiten waren es aber stellenweise nur noch 1,80 Meter, wie eine Peilung ergeben hat. Dank der „Camilla Hoj“ sind es nun wieder 4,50 Meter. Genug Wasser unter dem Kiel für die nächsten 20 Jahre. Jedes Jahr lagert sich am Grund des Hafens wieder etwas ab. Die Fahrrinne wird deshalb in kürzeren Abständen ausgebaggert. Ein gründliches Ausräumen des Beckens wie jetzt ist jedoch nicht so häufig erforderlich.

Es sind viele Faktoren, die den Untergrund des Bodens im Hafen immer höher auftürmen, erläutert Bürgermeisterin Hatice Kara (SPD): die Strömung, die Schiffsbewegungen, rutschende Unterwasser-Böschungen. Michael Hasselberg, Tiefbau-Ingenieur der Gemeinde, ergänzt, dass der Hemmelsdorfer See in das Hafenbecken entwässere und dieses Wasser ebenfalls Sedimente mit sich trage. Das Drehen und Wenden der Schiffe drücke zudem das Material in die Ecken des Hafens. Dann ist da der Sturm, der vergangene Woche noch einmal Ablagerungen in den Hafen trieb.

Und so liegt die „Camilla Hoj“ mit dem Bagger auf dem Bug nun jeden Tag im Hafen sowie in und vor der Hafeneinfahrt. Unermüdlich fährt die Baggerschaufel erst ins Wasser, dann in den Untergrund und holt unter Blubbern und dem Geruch nach Schlick und Schlamm den Dreck aus dem Hafenbecken. Das Baggergut landet entweder im Bauch der „Camilla Hoj“ und von dort oder auch direkt in zwei Klappschuten.

Sie bringen den Aushub zum sogenannten Walkyriengrund, einer Schüttstelle in der Lübecker Bucht. Am Rand dieses ausgedehnten Areals wurde legal Munition abgekippt, die zum Teil mit dem Niendorfer Sand und Schlamm abgedeckt wird. Der Weg dorthin ist weit: Eine Schute braucht für die 17 Kilometer hin und zurück vier Stunden.

Das sind nicht die einzigen Herausforderungen, die die Baggerarbeiten bereithielten. Ursprünglich sollten zwei Schiffe mit Baggern kommen, berichtet Kara. Die große „Camilla Hoj“ und ein kleineres, wendigeres Schiff, dass sich besser im Hafen bewegen kann und auch in die Ecken kommt. Das kleine Schiff ist aber vor seinem Einsatz in Niendorf vor Dänemark gesunken. Das Ersatzschiff, ebenfalls ein kleineres Modell, steckte in Ückermünde im Eis fest, erzählt der Technische Leiter Torsten Hauser. „Ein Eisbrecher hat es gestern frei gebrochen. Es arbeitet jetzt dort weiter.“

Durch den Ausfall des kleineren Schiffes dauerten die Arbeiten jedoch nicht länger als geplant, versichert Kara. „Das größere arbeitet schneller, kommt aber eben nicht in alle Ecken.“ Deshalb werde voraussichtlich im Herbst noch einmal im Hafen gebaggert. Oder um es unfachmännisch auszudrücken: Dann werden die Ecken sauber geputzt, also die Feinarbeit erledigt.

Das Ausbaggern des Hafens kostet insgesamt 400000 Euro, teilt Kara mit. Damit ist für die nächsten 20 Jahre aber erst einmal Ruhe. Für die Deutsche Dänische Wasserbau GmbH ist ihre Arbeit in Niendorf mit dem Ausbaggern des Hafens noch nicht beendet. Gleichzeitig und noch darüber hinaus laufen Arbeiten zur Strandsanierung und zum Buhnenbau. Die Firma ist spezialisiert auf alle Arbeiten am und im Wasser an der gesamten Ostseeküste. Unter anderem arbeitet sie gerade an zwei Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals.

 Von Susanne Peyronnet