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Ostholstein OVG-Beschluss: Haffkruger Hotelprojekt liegt weiter auf Eis
Lokales Ostholstein OVG-Beschluss: Haffkruger Hotelprojekt liegt weiter auf Eis
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15:23 27.09.2019
Die Haffkruger „Kuhle“ an der Strandallee: Nur der Promenadenweg trennt das Grundstück vom Strand. Investoren mühen sich seit Jahrzehnten, dort ein Hotel zu bauen, doch Anlieger wehren sich. Quelle: Sabine Latzel
Haffkrug

Eine bessere Lage scheint kaum denkbar: Direkt am Strand, an der Ostseite der Strandallee, liegt das vom Promenadenweg eingefasste Grundstück, die Haffkruger „Kuhle“. Seit Jahrzehnten streiten die Haffkruger über einen Hotel-Neubau an diesem Standort. Jetzt hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig eine Entscheidung getroffen, die die Gegner des Vorhabens zunächst stärkt und das Projekt für weitere Jahre auf Eis legen könnte.

Seit Jahrzehnten kämpfen Anlieger gegen Hotel-Bau

Nach dem aktuellen Beschluss des OVG wird die dritte Änderung des Bebauungsplanes Nr. 49 „außer Vollzug gesetzt“. Für diese Änderung hatte die Scharbeutzer Gemeindevertretung im April 2016 gestimmt und damit die Weichen für eine 15-Millionen-Euro-Investition in der „Kuhle“ gestellt. Die Hildesheimer Hanseatic-Group will dort ein Hotel mit 86 Zimmern bauen und stellte im Juni 2017 den Bauantrag. Die Eröffnung war für das Frühjahr 2019 geplant.

Doch schon Jahre zuvor hatte sich Widerstand gegen ein Hotel in der „Kuhle“ geregt, die Eigentümer von gegenüber gelegenen Grundstücken an der Strandallee protestierten auch gegen ähnliche Projekte anderer Investoren. Auf der anderen Seite formierte sich die Gruppe „Pro Hotel Haffkrug“. Mindestens ein Anlieger reichte dann Klage gegen die dritte B-Plan-Änderung ein – beziehungsweise einen „Normenkontrollantrag“. Sowie einen Antrag auf „Erlass einer einstweiligen Anordnung“, letzteren vor zwei Jahren, im September 2017.

OVG verweist auf das Naturschutzgesetz

Diesem Antrag ist der erste Senat des OVG nun gefolgt und listet dazu auf 16 Seiten insgesamt 104 Gründe auf. Neben einem formellen Mangel beim Vorhaben- und Erschließungsplan geht es dabei vor allem um den Naturschutz – nicht um eine mögliche Einschränkung des Ostseeblicks oder Lärmbelästigung durch ein Hotel. Vielmehr verweist das OVG auf den 150 Meter breiten Küstenschutzstreifen entlang der Ostsee, auf dem laut Naturschutzgesetz nicht gebaut werden darf. Zum betroffenen B-Plan sei keine Ausnahme zugelassen worden, heißt es: „Damit besteht im überplanten Bereich ein Bauverbot.“

So soll das Hotel in der Haffkruger „Kuhle“ nach Angaben des Investors von 2017 aussehen. Quelle: Hanseatic-Group/HFR

Des Weiteren werden Eingriffe in das Landschaftsbild und in die Biotopfläche moniert. Es spreche „Überwiegendes“ dafür, dass das Areal als geschützte Küstendüne zu werten sei, unabhängig von vorherigen „künstlichen Veränderungen“ – in beziehungsweise auf der „Kuhle“ befanden sich einst die Strandhalle, ein „Wienerwald“ sowie die Disco „Insel“. Laut Gericht ist dessen ungeachtet kein überzeugender Grund ersichtlich, einen Hotelbau gerade an dieser Stelle zuzulassen.

Gemeinde will das Projekt nicht aufgeben

Der Scharbeutzer Bürgermeister Volker Owerien (parteilos) verweist darauf, dass es sich bei der OVG-Entscheidung lediglich um eine einstweilige Anordnung handelt, „damit keine Tatsachen geschaffen werden“. Für das Hauptsacheverfahren werde die Gemeinde die jetzige Entscheidung auswerten und sich mit der Naturschutzbehörde des Kreises verständigen. Ad acta legen wolle man das Hotelprojekt mit dem Arbeitstitel „Nordic Wave“ aber nicht. „Wir müssen unsere Argumente darlegen und unter anderem die Belange des Tourismus noch mehr herausarbeiten“, kündigt Owerien an. Wie lange es dauern wird, bis eine endgültige Entscheidung fällt, vermöge er allerdings nicht abzuschätzen.

Wenig optimistisch ist der Haffkruger Dorfvorsteher Helmut Kurth. „Ich bin ziemlich erschüttert“, sagt er zum OVG-Beschluss. „Die Ausgangslage ist jetzt denkbar ungünstig, und ich halte es für äußerst schwierig, das Hotel an dieser Stelle noch zu bauen.“ Kurth hatte sich für das Projekt ausgesprochen. „Wir brauchen in Haffkrug ein Hotel“, erklärt er. Gewiss sei der geplante, E-förmige Gebäudekomplex, 80 Meter lang und zwölfeinhalb Meter hoch, ein Eingriff ins Gesamtbild, sagt Kurth. „Doch man muss auch die ökonomische Seite sehen.“ Einen alternativen Standort könne Haffkrug nicht bieten: „Wir haben keinen Platz.“

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Von Sabine Latzel

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