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Ostholstein Ältester Autofahrer Schleswig-Holsteins gesucht
Lokales Ostholstein Ältester Autofahrer Schleswig-Holsteins gesucht
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19:04 17.01.2019
Senioren am Steuer kompensieren „altersbedingte Leistungseinbußen“ laut ADAC in der Regel mit Erfahrung und einem angepassten Fahrverhalten.
Senioren am Steuer kompensieren „altersbedingte Leistungseinbußen“ laut ADAC in der Regel mit Erfahrung und einem angepassten Fahrverhalten. Quelle: Wolfram Kastl/dpa
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Oldenburg

Eine vermeintlich harmlose Werbeaktion sorgt für Diskussionen in Oldenburg. Im Rahmen der Vorbereitungen für eine Autoausstellung unter freiem Himmel sucht die Stadt den ältesten Autofahrer Schleswig-Holsteins. Doch während der Aufruf vielerorts wohlwollend zur Kenntnis genommen wird, werfen andere die ewige Frage wieder auf: Werden Autofahrer mit zunehmendem Alter zum Risiko?

Vor allem nach schweren Unfällen mit Senioren am Steuer werden immer wieder Stimmen nach einer Überprüfung der Fahrtauglichkeit ab einem bestimmten Alter laut. Ein Thema, das auch viele Menschen in Ostholstein beschäftigt. Die Oldenburgerin Jasmin Grage plädiert für Kontrollen – allerdings nicht nur für ältere, sondern für Fahrer jeden Alters, wie die 37-Jährige betont. Ihrer Meinung nach mache es Sinn, Autofahrer nach der Führerscheinprüfung regelmäßig erneut zu testen. Von Eltern und Schwiegereltern wisse sie, dass Autofahren im Alter für viele Menschen zur Belastung werde, erzählt die Oldenburgerin. Doch in einem ländlichen Kreis wie Ostholstein sei es häufig schwierig, ohne eigenes Fahrzeug zurechtzukommen; mit öffentlichen Verkehrsmitteln allein seien Senioren in der Regel nicht so mobil, wie sie es gern wären.

Wunsch nach Selbstständigkeit auch im hohen Alter

Das sagt auch Harald Klatt. Der 86-Jährige setzt sich regelmäßig hinters Steuer. Zwar seien die Fahrten für ihn mittlerweile manchmal beschwerlicher als früher, räumt er ein. Aufs Auto verzichten möchte er dennoch nicht: „Damit ist man einfach beweglicher“, sagt er, „ich fahre immer schön vorsichtig.“

Der Wunsch nach diesem Stück Selbstständigkeit bleibe auch im höheren Alter bestehen, bestätigt der ADAC. Dort sieht man Rentner am Steuer keinesfalls kritisch: Zwar hätten Senioren am Steuer oft einen schlechten Ruf – jedoch zu Unrecht. Sehvermögen und Reaktionsgeschwindigkeit könnten im Alter abnehmen, dafür brächten ältere Autofahrer viel Erfahrung mit. Auch könnten „mit einem besonnenen und selbstkritischen Fahrverhalten altersbedingte Leistungseinbußen häufig gut kompensiert werden“, heißt es.

Gemessen am Bevölkerungsanteil: Weniger Unfälle durch Senioren

Der Verkehrssicherheitsbericht der Polizei gibt dieser Einschätzung nur teilweise recht. Die Zahl der durch Menschen ab 65 Jahren verursachten Unfälle ist im Jahr 2017 (die Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor) weiter gestiegen: um 2,9 Prozent auf 3323. Das entspricht 16,6 Prozent aller Unfälle im Land. Mit Blick auf die Einwohnerzahl macht die betreffende Altersgruppe allerdings mehr als 22 Prozent aus. Zum Vergleich: Bundesweit waren Senioren für 16 Prozent der Unfälle mit Personenschaden verantwortlich und machten 21 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.

Auf diese Zahlen beruft sich auch der ADAC: Der direkte Vergleich zeige, dass ältere Autofahrer keineswegs überproportional oft Unfälle verursachten – im Gegenteil. Die Polizei Schleswig-Holstein wiederum weist auch darauf hin, dass, sofern Senioren an einem Unfall beteiligt waren, diese in 64 Prozent der Fälle auch die Schuld am Geschehen treffe. Die häufigsten Ursachen seien dabei die Missachtung von Vorfahrtsregeln (28 Prozent) und Fehler beim Abbiegen (24 Prozent).

Polizei empfiehlt regelmäßige Gesundheitstests

Die Polizei empfiehlt älteren Menschen regelmäßige gesundheitliche Untersuchungen, „um die Teilnahme am Straßenverkehr nicht zu gefährden“. Stellten Beamte im Rahmen einer Unfallaufnahme oder der Verkehrsüberwachung körperliche Einschränkungen fest, werde eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit veranlasst. Der ADAC bietet für ältere Menschen spezielle Fahrsicherheitstrainings an.

Oldenburgs Stadtmanager Alexander Hass sieht die hiesige Aktion auch als Möglichkeit, das Augenmerk auf solche Angebote zu lenken. Mache man stärker auf das Thema aufmerksam, sei das auch eine Chance, Autofahrer dazu zu bringen, die eigene Fahrtauglichkeit von alleine zu überprüfen. In erster Linie solle die Suche nach dem ältesten Autofahrer aber eine „fröhliche Aktion“ sein, betont Hass.

Wie der ADAC verweist er auf die Unfallstatistik, nach der Senioren – „entgegen der weit verbreiteten Meinung“ – eben nicht die größte Risikogruppe im Straßenverkehr seien. Aus seiner Sicht seien ältere Menschen mit ihrer langjährigen Erfahrung hinterm Steuer durchaus als gute Werbung fürs Autofahren geeignet. Oldenburg mit seinen vielen Autohäusern habe das Potenzial, sich über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen als „Autostadt“ zu machen. Mit dem „Autofrühling“ hoffe er insofern auf überregionale Aufmerksamkeit.

Auto- und Modefrühling im April

Der Oldenburger „Auto- und Modefrühling“ wird am Wochenende vom 6. und 7. April veranstaltet. Der Sonntag ist verkaufsoffen. Die Innenstadt soll zu einem „Autohaus unter freiem Himmel werden“; Hersteller präsentieren dort sich und ihre Fahrzeuge. Neben Autohäusern sind auch Anbieter von Wohnmobilen oder Motorrädern willkommen, genauso wie Fahrschulen, Kfz-Versicherungen, Fahrradläden und Fitnessstudios. Aussteller können sich unter www.stadtmarketing-oldenburg.de bewerben.

Im Rahmen des Projekts sucht Oldenburg den ältesten aktiven Autofahrer Schleswig-Holsteins. Zu gewinnen gibt es zwei Übernachtungen am „Autofrühlings“-Wochenende in Oldenburg, eine Tour mit einem Oldtimer und Einkaufsgutscheine. Bewerber können sich bis zum 1. März melden: telefonisch unter 043 61/498 155 oder per E-Mail an auto@stadtmarketing-oldenburg.de. Voraussetzung für die Teilnahme sind die eigene Fahrtauglichkeit und eine gültige Fahrerlaubnis.

Jennifer Binder