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Ostholstein Gemeinschaftsschule zieht zum Gymnasium
Lokales Ostholstein Gemeinschaftsschule zieht zum Gymnasium
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16:51 01.02.2019
Nach langer Wartezeit soll die Aula am Stein-Gymnasium nun saniert werden.
Nach langer Wartezeit soll die Aula am Stein-Gymnasium nun saniert werden. Quelle: *BINDER
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Oldenburg

Ein gemeinsamer Standort für Gymnasium und Gemeinschaftsschule: Im Zuge der Modernisierung der Oldenburger Schulgebäude soll die Wagrienschule zum Freiherr-vom-Stein-Gymnasium ziehen. So hat es der Ausschuss für Umwelt und Bauwesen jetzt mit deutlicher Mehrheit beschlossen; die endgültige Entscheidung fällt die Stadtvertretung. Die Grundschule am Wasserquell soll an ihrem jetzigen Standort neu gebaut werden.

Schulleiter reagieren unterschiedlich

Während sich deren Leiterin Gesine Böllnitz mit dem politischen Beschluss sehr zufrieden zeigte, verfolgten Kollegen der anderen Schulen die Sitzung mit gemischten Gefühlen. „Glücklich bin ich nicht – das ist sicherlich nicht das, was wir uns gewünscht hätten“, sagt André Bigott, Leiter des Stein-Gymnasiums. Er hatte stets dafür plädiert, die Schulstandorte getrennt voneinander zu halten. Das jetzige Konzept sei in seinen Augen „nicht die pädagogisch wertvolle Lösung“. Andreas Kröhl, Rektor der Wagrienschule, kommentiert den Beschluss nüchtern: Die Stadt als Schulträger stelle die Räume und entscheide insofern auch, wo sie sind. Er könne „mit dem neuen Standort gut leben“. Die Hauptsache sei, dass die Erneuerung der Gebäude nun endlich angeschoben werde.

Maßnahmen für 21 Millionen Euro geplant

Die Debatte darum, ob die Schulen saniert oder neu gebaut werden sollten, hatte sich jahrelang hingezogen. Mit Blick auf die prognostizierten Kosten von 35 (Sanierung) oder 50 (Neubau) Millionen Euro hatten Politik und Verwaltung zuletzt in interner Runde gemeinsam nach einer günstigeren Lösung gesucht. Das Ergebnis ist ein Konzept für geschätzte 21 Millionen Euro. Als erster Schritt sollen auf dem Gelände des Gymnasiums die seit Jahren gesperrte Aula saniert und eine neue Mehrzweckhalle mit Sportbereich und Mensa gebaut werden. Auf dem Sportplatz soll ein neuer Fachraumtrakt entstehen, den sich das Gymnasium später mit der Wagrienschule teilt. Und die Laufbahn am Schauenburger Platz soll saniert werden. Für diese Maßnahmen haben Land und Bund bereits Fördermittel in Höhe von insgesamt knapp 6,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Außerdem geplant sind für die kommenden Jahre der Neubau der Grundschule an ihrem jetzigen Standort und die Sanierung der dortigen Turnhalle. Für die Wagrienschule soll ein Neubau auf dem Sportplatz des Gymnasiums entstehen. Was aus den aktuellen Gebäuden wird, ist noch unklar – genau wie der Zeitpunkt, an dem die Schüler tatsächlich umziehen werden.

Zusammenlegung ist eine Kompromiss-Lösung

Das Konzept sei ein Kompromiss, waren sich Silja Hasselmann (Grüne) und Jens Junkersdorf (CDU) einig. Auch ihnen „wäre es lieber gewesen, wenn jede Schule an ihrem Standort hätte bleiben können“ – die Stadt könne das Mammutprojekt jedoch nur stemmen, wenn Synergien geschaffen würden, wie der gemeinsame Fachraumtrakt. Henning Andrees (FDP) und Wolfgang Seidel (FBO) konnten dieser Argumentation derweil nichts abgewinnen; sie bezweifelten dennoch, dass Oldenburg das Vorhaben finanzieren könne. Klaus Zorndt (SPD) dagegen zeigte sich erleichtert, dass „wir es endlich geschafft haben, einen sinnvollen Vorschlag zu erarbeiten“. Ähnlich äußerte sich Bürgermeister Martin Voigt (parteilos): „Wenn wir Oldenburg als Schulstandort attraktiv halten wollen, müssen wir jetzt endlich anfangen, zu investieren.“

„Es ist unbedingt erforderlich, dass etwas passiert“, betont auch Schulleiter Andreas Kröhl. Er habe Verständnis dafür, dass man Synergien nutzen wolle – ihm sei eine räumliche Veränderung allemal lieber, „als dass am Ende gar nichts geschieht“. Dass die Bauarbeiten nun tatsächlich starten sollen, freut trotz allem auch seine Amtskollegen. André Bigott hofft nun, dass die Schulen in die weitere Planung einbezogen werden – etwa in die Gestaltung der neuen Fachräume. Dass es bei den einzelnen Maßnahmen noch jede Menge Details zu klären gibt, wurde in der politischen Sitzung schnell klar: „Bisher haben wir lediglich ein Grundgerüst“, betonte Ausschussvorsitzender Detlef Ruwoldt (CDU).

Aula wird saniert

Die Schul- und Theater-Aulaauf dem Gelände des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums ist seit Jahren wegen Deckenschäden gesperrt. Die Sanierung wurde mit Blick auf die hohen Kosten und die Debatte um das Gesamtkonzept für die Schulen auf Eis gelegt. Jetzt soll das Vorhaben wieder aufgenommen werden. Ein Zuschuss über 752 000 Euro wurde bereits bewilligt.

15 Millionen Euro sollten zuletzt für die Sanierung der Schulen bereitgestellt werden – so hatte es die alte Stadtvertretung vor der Kommunalwahl 2018 mehrheitlich beschlossen. Weil mit dieser Summe nach Angaben der Planer lediglich Flickschusterei hätte betrieben werden können, wurde erneut an einem Gesamtkonzept gearbeitet.

Jennifer Binder