Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Bürgermeister-Kandidaten im Interview: Was wollen Sie für Oldenburg tun?
Lokales Ostholstein Bürgermeister-Kandidaten im Interview: Was wollen Sie für Oldenburg tun?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 25.04.2019
Jörg Saba (l.) und Burkhard Naß kandidieren für das Bürgermeisteramt in Oldenburg. Quelle: Binder
Anzeige
Oldenburg

Jörg Saba und Burkhard Naß werben um Stimmen für die Bürgermeisterwahl am 26. Mai. Im LN-Interview verraten sie, wie sie sich Oldenburgs Zukunft vorstellen.

Was ist das erste Projekt, das Sie als Bürgermeister angehen möchten?

Anzeige

Naß: Die Umgestaltung des Marktplatzes, Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Aufwertung des Stadtparks sind die ersten Projekte, die ich parallel anpacken werde. Diese Themen haben die Bürgerinnen und Bürger immer wieder genannt. Hiervon gehen die meisten Impulse für ein gutes Lebensgefühl in Oldenburg aus. Den Bürgerinnen und Bürgern will ich dafür einen Zeitplan vorstellen. Mit einer guten Projektorganisation stehen im Rathaus die Kapazitäten dafür bereit. Den auch aus meiner Sicht unumgänglichen Schulneubau und die Aulasanierung hat der jetzige Amtsinhaber bereits angeschoben.

Saba: Die Digitalisierung der Schulen ist ein wichtiges Projekt. Ich möchte dieses Vorhaben vorantreiben und zügig umsetzen. Zum einen, um dadurch den Schulstandort zu stärken, aber auch, um die bereitgestellten Fördermittel aus dem Digitalpakt zu nutzen. Außerdem möchte ich lieber heute als morgen damit beginnen, das Stadtbild zu verschönern. Buswartehallen und öffentliche Toiletten stehen ganz oben auf meiner To-do-Liste. Auch einen „Bürger-Garten für alle“ möchte ich im Freizeitpark realisieren. Dass es funktionieren kann, habe ich in unserer Partnerstadt Blain gesehen.

Leerstände in der Innenstadt und die Zukunft des Marktplatzes

Wie wollen Sie den zunehmenden Leerständen in der Innenstadt begegnen?

Naß: Wir müssen Oldenburgs Stärken besser verkaufen. Über die Analyse, welche Geschäfte fehlen und welcher Bedarf besteht, will ich vorhandene Lücken schließen und in den Leerständen platzieren. Das Einzelhandelsgutachtens ist dabei zu berücksichtigen. Das Netzwerken mit den Eigentümern und Interessenten will ich intensivieren. Beim Unternehmensfrühstück erfuhr ich, dass ein regelmäßiger Austausch begrüßt würde. Mit besseren Aufenthaltsqualitäten in der Kuhtor- und Schuhstraße will ich Impulse geben, damit sich mehr Bürgerinnen und Bürger in der Innenstadt wohl fühlen und hier Geld ausgeben. Da die Kaufkraft der Touristenmassen fehlt, müssen wir mit Veranstaltungen und guter Werbung unsere Nachbarn und auch Gäste nach Oldenburg zum Verweilen einladen.

Saba: Das Stadtmarketing baut derzeit ein Leerstands-Management auf. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Kommunikation mit den Inhabern der Betriebe und den Eigentümern der Immobilien muss verbessert werden. Ich möchte frühzeitig wissen, wenn neue Leerstände drohen, um dann gemeinsam mit den Betroffenen über Lösungen zu sprechen, um den Leerstand zu vermeiden. Bereits leerstehende Gebäude können zum Beispiel auch für öffentliche Aufgaben (Bürgerbüro?) genutzt werden. Querdenken ist erlaubt.

Vorstellungsrunde am 3. Mai

Oldenburgs Bürgermeister wird am 26. Mai gewählt, parallel zur Europawahl. Es kandidieren Burkhard Naß (parteilos, unterstützt von CDU und FDP) und Jörg Saba (parteilos, unterstützt von SPD und Grünen). Beide sind Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung. Amtsinhaber Martin Voigt tritt nicht wieder an.

Die beiden Kandidaten stellen sich am Freitag, 3. Mai, im Schützenhof vor. Alle Interessierten sind um 19 Uhr willkommen. Durch die Veranstaltung führt R.SH-Moderator Andreas Rackow.

Wie stellen Sie sich die Zukunft des Marktplatzes vor? Soll der dortige Parkplatz erhalten bleiben?

Naß: Bei der Umgestaltung des Marktplatzes haben für mich Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität und reges Leben Priorität. Der Marktplatz sollte weiterhin die städtische Mitte bleiben, die von Jung und Alt erreicht werden kann. Jedoch muss er zum Verweilen einladen mit qualitativ gut eingerichteten Außenterrassen und einem einheitlichen Stadtbild. Um Ärzte, Apotheke, Rathaus, Banken etc. zu erreichen, ist es notwendig, dass wir eine ausreichende Anzahl von Parkplätzen anbieten, jedoch nehmen Straßen- und Parkplatzflächen derzeit zu viel Raum ein.

Saba: Der Marktplatz muss das Zentrum unserer Stadt bleiben. Er ist das Herz unserer Stadt. Die Aufenthaltsqualität muss jedoch gesteigert werden. Die Randbebauung des Marktplatzes muss attraktiviert werden. Natürlich sind innenstadtnahe Parkplatzangebote für den Einzelhandel und die Wirtschaft wichtig. Parkplätze sind aber auch große Platzverbraucher. Hier muss ein Mittelweg gefunden werden, der möglichst viele Interessen berücksichtigt. Und als Ergänzung oder Alternative zum Wochenmarkt könnte ein „Bauernmarkt“ mit ausschließlich regionalen Produkten funktionieren.

Feste Fehmarnbeltquerung und die neue Bahntrasse

Wie stehen Sie zum Thema feste Fehmarnbeltquerung? Sehen Sie in deren Bau Chancen oder Risiken für Oldenburg?

Naß: Ich bin Befürworter der Festen Fehmarnbeltquerung und sehe gute Entwicklungschancen für unsere Region. Wir rücken näher zu unseren dänischen Nachbarn. Damit kann sich ein intensiverer kultureller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Austausch ergeben. Ein Arbeitsplatz auf Lolland könnte für unsere Kinder selbstverständlich sein. Unter Beachtung der Auflagen wird sich die Natur, wie in der Öresund-Region geschehen, schnell erholen. Als Skandinavien-Fan bin ich beeindruckt, was in den letzten 15 Jahren entlang der E 4 und E 6 an Einkaufszentren und Gewerbe entstanden ist. Dort pulsiert das Leben. Diese Chance haben auch wir.

Saba: Wie auch immer man zu der Beltquerung steht, nach heutigem Stand wird sie kommen. Die Risiken für Oldenburg sind meines Erachtens verhältnismäßig gering. Im Vergleich mit anderen Kommunen, die an der Trasse liegen, kommen wir dabei noch relativ gut weg. Vorteile und Chancen sehe ich vor allem im wirtschaftlichen Bereich und weniger im Tourismus. Der skandinavische Markt bietet neue Entwicklungsmöglichkeiten. Vielleicht auch für weitere interkommunale Gewerbegebiete.

Wie bewerten Sie die politische Entscheidung für einen zukünftigen Bahnhaltepunkt bei Göhl?

Naß: Als Teil der Verwaltung und Demokrat habe ich die Entscheidung der Stadtverordneten als Arbeitsauftrag zu akzeptieren. Trotzdem würde ich zukünftig alle Rahmenbedingungen genau beobachten und die Auswirkungen des Projekts offen kommunizieren. Persönlich würde ich den Bahnhaltepunkt in Stadtnähe sehen. Viele Schüler, Berufsschüler und Werktätige nutzen die Regionalbahn. Sie sollten nicht noch auf ein zweites Verkehrsmittel umsteigen müssen. Der Haltepunkt für den Fernverkehr (ICE, IC, EC) muss auf jeden Fall für Oldenburg erhalten bleiben.

Saba: Wie das Abstimmungsergebnis gezeigt hat (11 dafür, 8 dagegen), ist das Thema sehr umstritten. Ich hätte mir gewünscht, dass vor solch einer wichtigen und zukunftsweisenden Entscheidung die Bürgerinnen und Bürger befragt worden wären. Als es um die Anstrichfarbe für das Rathaus ging, gab es eine große Meinungsumfrage, aber wenn es um den Standort des Bahnhaltepunktes geht, verzichtet man darauf?! Ich glaube, das ist falsch und kommt bei der Bevölkerung nicht gut an. Ich selbst spreche mich für einen Bahnhaltepunkt am Milchdamm aus. Ich befürchte, dass der von allen gewünschte ICE-Halt nun schwerer zu realisieren sein wird.

Zusätzlicher Wohnraum und neue Gewerbeflächen

Wo sehen Sie im Stadtgebiet Potenzial, neue Flächen zu entwickeln – etwa für Wohnraum und Gewerbe?

Naß: Am Voßberg sollten die Gewerbeflächen bis an den Rehkamp ausgebaut werden. Mit Blick auf den Flächenanspruch heutiger Betriebe und die FBQ gehört ein neues Gewerbegebiet an die Kreisstraße nach Kröß. Wohnbauflächen könnte ich mir am Langen Segen und in Dannau gut vorstellen. Die Zeit könnte reif sein, westlich der Autobahn mit einer Wohnbebauung zu beginnen. Am Giddendorfer Weg gibt es nur begrenztes Potenzial. Dort entfernen wir uns immer weiter vom Ortskern. Es gibt auch etliche innerstädtische Flächen, die neu bebaut werden können. Nach Verlegung der Bahntrasse gibt es innenstadtnah weitere Flächen. Binnenhochwasser und moorige Böden sind begrenzende Faktoren. Die Entwicklung muss heute beginnen, nicht erst morgen.

Saba: Oldenburg braucht dringend sozialen Geschosswohnungsbau, auch, um auf den demografischen Wandel zu reagieren. Innerstädtische Verdichtung wäre natürlich wünschenswert, ist aber aufgrund dessen, dass sich viele Grundstücke in Privatbesitz befinden, nicht oder nicht zeitnah umzusetzen. Es gibt aber durchaus städtische Grundstücke, die infrage kommen würden. Ich würde dennoch mit den Eigentümern potenzieller Grundstücke sprechen wollen, um das Interesse der Stadt zu bekräftigen. Die Nachfrage nach Gewerbeflächen ist konstant groß. Flächen sind rar. Ich setze auf interkommunale Lösungen.

Was tun für junge und alte Einwohner?

Wie möchten Sie sich für die Belange älterer Einwohner einsetzen?

Naß: Bei den sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Angeboten, die unsere Gemeinschaft bestimmen, werde ich mit unseren Vereinen, Verbänden, Organisationen, Kirchen und anderen eine gute Kommunikation pflegen und für eine Angebotssteigerung werben. Unser Seniorenbeirat ist eine wichtige Schnittstelle. Dem Ehrenamt zolle ich größten Respekt und werde es unterstützen und helfen, wo ich kann. Wir dürfen keinen vergessen. Barrierefreiheit ist bei der Städtebausanierung eine Selbstverständlichkeit. Zur Schaffung von bezahlbaren, innenstadtnahen Wohnungen gehe ich auf Wohnungsbaugesellschaften und Investoren zu.

Saba: Ich möchte die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum umsetzen. Ein bedarfsorientiertes Bürgerbus-Modell muss her. Beides ist notwendig, um unseren Seniorinnen und Senioren die Teilnahme am städtischen Leben zu ermöglichen. Altengerechter, bezahlbarer Wohnraum wird in Zukunft eine große Rolle spielen. Die ärztliche Versorgung muss langfristig sichergestellt werden. Die VHS und die KulTour GmbH sollten das seniorengerechte Angebot noch ausweiten. Gerne in Kooperation mit dem Seniorenbeirat. Das Seniorenkino ist ein gutes Beispiel für ein Angebot, welches sich großer Beliebtheit erfreut.

Welche Chancen sehen Sie für Oldenburg, ein attraktiver Wohnort für junge Familien zu sein/werden?

Naß: Ich sehe gute Chancen für Oldenburg, wenn wir stringent in die Schulen und unsere Infrastruktur investieren. Eine gute Bildung sichert uns Zukunftspotenziale. Gute Kinderbetreuungsangebote und bezahlbarer Wohnraum bilden wichtige Bausteine. Oldenburg als Zentrum der Halbinsel Wagrien muss seine Angebotsstruktur positiv herausstellen. Wohnen und arbeiten an einem Ort ohne Zweitwagen ist für viele Familien wichtig. Der Stadtpark als attraktive Naherholungsfläche für die ganze Familie wäre ein Anziehungspunkt. Wohnbau- und Gewerbeflächen müssen parallel dazu geschaffen werden.

Saba: Es muss unser Ziel sein, in Oldenburg ausreichende und attraktive Angebote für alle Lebensabschnitte vorzuhalten. Bedarfsgerechte Kinderbetreuungsplätze, moderne Schulen, ausreichend Ausbildungsplätze und gut bezahlte Arbeitsplätze verschaffen uns einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Kommunen. Bezahlbarer Wohnraum ist eine Grundvoraussetzung. Die Lage Oldenburgs, in Nähe zu den Ostseebädern, ist kein Nachteil. Oldenburg muss seine Position als Wirtschafts- und Bildungsstandort weiter stärken. Das könnte unser Alleinstellungsmerkmal im Norden Ostholsteins werden.

Jennifer Binder