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Ostholstein Oldenburgs Hoteliers sehen sich durch Gutachten verunglimpft
Lokales Ostholstein Oldenburgs Hoteliers sehen sich durch Gutachten verunglimpft
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21:10 05.02.2015
Anja Mooshagen (l.) übernachtet zum zweiten Mal in Annelore Garleffs Hotel „Zur Eule“: „Die Zimmer sind toll, der Service sehr freundlich — ansonsten wäre ich bestimmt nicht wiedergekommen.“ Fotos (3): Klatt
Oldenburg

Das von der Stadt Oldenburg in Auftrag gegebene Hotelgutachten hat viele Oldenburger Hoteliers verärgert. Sie sehen sich und ihr Angebot durch das Gutachten zu Unrecht verunglimpft, fürchten Einbußen aufgrund der Rufschädigung — und wollen sich jetzt wehren.

Als Annelore Garleff jüngst die Lübecker Nachrichten aufschlug, habe sie nach eigenem Bekunden „fast der Schlag getroffen“. Es ist vor allem ein Satz der Gutachter, der die Betreiberin des Oldenburger Hotels „Zur Eule“ fassungslos macht. Es ist der Satz, dass Oldenburger Hotels gegenwärtig weder quantitativ noch qualitativ in der Lage seien, Geschäftsreisenden oder privaten Gästen ein „zeitgemäßes Hotelprodukt mit einem akzeptablen Standard zu bieten“.

„Das ,quantitativ‘ kann ich ja noch verstehen“, sagt Annelore Garleff, deren Hotel 20 Zimmer aufweist, „aber das ,qualitativ‘ ist eine Unverfrorenheit.“ Und sie fängt an aufzulisten: „2012 habe ich das Haus streichen lassen, vergangenes Jahr 19000 Euro für den Einbau neuer Fenster bezahlt, 30000 Euro hat es gekostet, die Auflagen des Brandschutzes zu erfüllen.“ Weitere Neuanschaffungen bei Betten und Teppichen stünden in diesem Jahr an. „Ich mache die ganze Zeit nichts anderes, als in den qualitativen Ausbau meines Hotels zu investieren — und dann muss man so einen Satz lesen“, ärgert sich die Eignerin. 30 Jahre lang habe ihr vor zwei Jahren verstorbener Mann das Hotel geführt „und viel Herzblut hier reingesteckt“. Jetzt versuche sie — „so gut es eben geht“ —, das Hotel alleine weiterzuführen.

Plötzlich springt sie auf: „Ich zeig‘ Ihnen die Zimmer.“ Man muss sich schon sputen, um der rüstigen 74-Jährigen im Laufschritt durch die Zimmer zu folgen. Die zum Teil geräumigen Zimmer und auch die Bäder — alles picobello und in tadellosem Zustand. Die massiven Holzbetten sind mit qualitativ hochwertigen Matratzen ausgestattet.

Was Annelore Garleff besonders ärgert: „Ich weiß nicht, wie der Eindruck zustande gekommen sein soll, dass wir qualitativ nichts zu bieten haben. Mit mir hat niemand gesprochen. Bei mir hat sich auch kein Sachverständiger vorgestellt.“ Gleiches hört man von Alex Blunk vom Hotel „Hoheluft“ in Oldenburg: „Mit uns hat niemand gesprochen.“

Die LN fragten daraufhin bei der Gutachter-Firma Volz & Partner in Saarbrücken nach: „Ich habe persönlich bei beiden Betrieben Anfang November als Gast vorgesprochen und mir jeweils ein Zimmer zeigen lassen“, versichert Geschäftsführer Adnan Azrak. In puncto Bewertung der Oldenburger Hotellerie rudert Azrak zurück: „Unsere Bewertung bezieht sich vor allem auf den quantitativen Bereich. Die Oldenburger Hotels sind alteingesessene Betriebe mit einer guten Qualität.“ Warum das Wort „qualitativ“ überhaupt im Gutachten auftaucht — die Frage lässt Azrak unbeantwortet. Er weist darauf hin, dass die Aussagen im Gutachten nicht für die Öffentlichkeit, sondern für den Auftraggeber — in diesem Fall die Stadt Oldenburg — gedacht seien.

Bei der Weitergabe dieser Informationen räumt auch Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) Fehler ein: „Wir hätten diesen Passus so nicht einfach an die Öffentlichkeit weitergeben dürfen.“ Für ihn sei es dennoch legitim gewesen, zunächst einmal die Ausgangslage zu untersuchen, um dann in die Diskussion einzusteigen.

Das sieht Alex Blunk vom Hotel „Hoheluft“ gänzlich anders: „Das ist kein guter Stil, uns anonym Gutachter ins Haus zu schicken. Da hätten wir uns gewünscht, dass wir von Anfang an mit ins Boot geholt worden wären.“ Es sei unstrittig, so Blunk, dass man die quantitativen Ansprüche nicht erfüllen könne. Und es sei für die Stadt auch legitim, die Möglichkeiten für ein zusätzliches Angebot zu prüfen.

Blunk: „Nur hätte das nicht auf und hinter unserem Rücken geschehen müssen.“ Denn der Satz im Gutachten lese sich nunmal wie „das Angebot der Oldenburger Hoteliers kann man vergessen“, so Blunk. Und das sei definitiv nicht so.

Thomas Klatt

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