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Ostholstein Orkan „Xaver“ kommt mit 200 km/h auf Ostholstein zu
Lokales Ostholstein Orkan „Xaver“ kommt mit 200 km/h auf Ostholstein zu
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12:15 05.12.2013
Er geht lieber auf Nummer sicher: Vorarbeiter Dirk Havemann sichert den Bauzaun auf der Baustelle nahe des Niendorfer Balkons mit langen Holzbrettern. Quelle: Fotos: Lintschnig (2), Düvell-Veen
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Ostholstein

Das Telefon von Kreiswehrführer Ralf Thomsen klingelt seit gestern unentwegt. Die Orkanwarnung für Norddeutschland bedeutet für die 3700 Feuerwehrleute im Kreis Ostholstein kollektive Alarmbereitschaft. Mit bis zu 200 Stundenkilometern soll das Orkantief „Xaver“ heute ab etwa 15 Uhr über Ostholstein hinwegfegen.

Die Technische Einsatzleitung der Feuerwehr in Lensahn wurde bereits aufgebaut, als Zwischenglied zur Leitstelle in Bad Oldesloe. „Wir haben von Orkan ,Christian‘ gelernt und uns erst vergangenen Donnerstag über eine straffere Organisation verständigt. Die dürfte bei ,Xaver‘ nun zum Einsatz kommen. Wir alle richten uns auf heiße Einsatzstunden ein“, erläutert Thomsen. Der Blick auf die Wetterkarte der Feuerwehr lässt Thomsen Böses erahnen: „Alle Bereiche auf der Ostholstein-Karte sind lila eingefärbt, was höchste Warnstufe bedeutet. Das habe ich in 35 Jahren noch nicht erlebt.“

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+++ Über den Sturm berichtet LN Online mit einem Live-Ticker und Bilderstrecken +++

Besonders heikel könnten Hilfsaktionen für Fehmarn ausfallen. Thomsen sagt: „Wir können auch bei Orkanböen mit 14-Tonnern über die Brücke. Aber das ist schon eine Mission. Und wenn Krankenwagen rüber müssen, brauchen die unseren Wind- und Geleitschutz.“

Auf welche Wetterlage sich Ostholstein konkret einzustellen hat, erläutert NDR-Meteorologe Meeno Schrader: „Das Orkantief kommt schneller als angenommen und fällt weit heftiger als Orkan ,Christian‘ aus. ,Xaver‘ bläst auf Fehmarn mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde und bis zu zwölf Stunden bis in die Nacht hinein.“ Auf dem Festland sei mit 130 bis 160 km/h zu rechnen, was Windstärke 13 bis 14 entspreche. Zunächst pustet der Wind aus Südwest, dann wechselt die Richtung auf West, später Nordwest.

Sicherheit geht jetzt vor. So wurde gestern bereits der Schulunterricht in ganz Ostholstein abgesagt. Schulrat Manfred Meyer: „Selbst dann, wenn bis zum Mittag alles ruhig ist, müssen alle Schüler ja auch wieder heil nach Hause.“ Besorgt blickt auch Thomas Tiede von der Försterei Kellenhusen dem Unwetter entgegen. „Bei diesen Windgeschwindigkeiten ist nichts mehr sicher, da reißen auch gesunde Bäume aus dem Boden.“

In den Gemeinden ist man auf „Xaver“ vorbereitet. Die Buden und Zelte für „Fischers Wiehnacht“ im Niendorfer Hafen, die vom morgigen Freitag bis Sonntag währt, sind bereits aufgebaut. Der Orkan wird ihnen aber wenig anhaben können, glaubt Gesine Lender von der Tourismus GmbH. „Die Pagoden werden geöffnet, so dass der Sturm sie nicht anheben kann.“ Geschmückt werde erst morgen Vormittag, bis dahin soll „Xaver“ sich eigentlich ausgetobt haben. Fischermeister Reinhard Rahn, dessen Boot im Niendorfer Hafen liegt, hatte seine Netze wegen des Sturms schon gestern eingeholt:

„Wenn ich morgen nicht ‘rauskomme, könnten die Fische in den Netzen verenden. Außerdem erwarte ich bei der starken Strömung sowieso keinen großen Fang“, so der 73-Jährige.

Eingestimmt auf den Sturm sind auch die Feuerwehren in Timmendorfer Strand, ebenso wie der Bauhof, heißt es vonseiten des Ordnungsamtes. Spezielle Vorbereitungen wurden aber nicht getroffen.

Ähnlich sieht es in Ahrensbök aus. „Eine Großveranstaltung unter freiem Himmel haben wir derzeit nicht“, sagt Bürgermeister Andreas Zimmermann. „Aber der Bauhof ist gewappnet und auf stand-by.“ „Wir sind in Alarmbereitschaft“, sagte gestern auch Scharbeutz‘ Bürgermeister Volker Owerien. Im Ernstfall müssten zum Schutz vor Hochwasser noch die restlichen Strandzugänge gesperrt werden. Sorgen, dass die für heute geplante große Senioren-Weihnachtsfeier in der Scharbeutzer Sporthalle abgesagt werden muss, hatte er gestern nicht. „Unsere Senioren werden mit Bussen abgeholt, und sie werden mit Bussen auch wieder nach Hause gefahren.“

In Eutin bleibt Ulfert Georgs, Betreiber der Eisbahn, gelassen: „Der Wind kann zwischen Eisfläche und Dach hindurchfegen. Da passiert nichts. Wenn es zu krass wird, wird das Schlittschuhlaufen aber eingestellt.“ Birte Friedländer und ihr Team haben aus den Januar-Stürmen gelernt. „Wir haben die gesamte Bande noch einmal überklebt, damit kein Windstoß drunterfahren kann“, berichtete die Organisatorin der Eisbahn in Scharbeutz. Anfang dieses Jahres sei ein Drittel der Bande dem heftigen Sturm zum Opfer gefallen — das soll nicht wieder geschehen. Auch bei den Hütten sei alles Notwendige zu deren Sicherung getan worden. Friedländer:

„Aber eine hundertprozentige Sicherheit, dass nichts wegfliegt, gibt es beim Orkan nicht.“

Markthändler Christian Lüth (34) aus Bosau wird heute seinen Obst- und Gemüsestand planmäßig auf dem Parkplatz des Süseler Rathauses aufbauen. „Da pfeift es ohnehin schon immer ganz ordentlich“, weiß

er aus Erfahrung, will seinen Stand aber zusätzlich sichern. cd, ben, latz, lin, pm

Webcams liefern Livebilder von „Xaver“
Sturmbeobachtung von zu Hause aus geht per Webcam. In Ostholstein sind eine ganze Reihe davon installiert.

www.timmendorfer-strand.de/webcams.html liefert Bilder von drei Kameras in Timmendorfer Strand und Niendorf. Sie stehen auf dem Dach des Maritim Seehotels, am Timmendorfer Platz und im Niendorfer Hafen.
www.luebecker-bucht-ostsee.de/webcams-wetter listet Links zu den Kameras in Scharbeutz, Haffkrug, Pelzerhaken, dem Hansa-Park und zu einer Unterwasserkamera auf.

www.schwanensee.com/index.php/service/webcam zeigt einen Blick auf das Bosauer Ufer des Großen Plöner Sees vom Hotel Haus Schwanensee.

LN