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Ostholstein Ortsbeirat bleibt stur: Standort West für Wohnmobil-Stellplatz
Lokales Ostholstein Ortsbeirat bleibt stur: Standort West für Wohnmobil-Stellplatz
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00:05 07.02.2015
„Es gibt Leute, die den Platz hier unten nicht für geeignet halten.“ Volker Weber (SPD), Ausschussmitglied
Rettin

Mindestens 16 Mal stand er seit 2009 auf einer Tagesordnung — und immer wurde leidenschaftlich diskutiert: Der für Rettin (bei Neustadt) geplante Wohnmobil-Stellplatz entwickelt sich immer mehr zum Ärgernis. Donnerstagabend wurde bei einer Sondersitzung eine neue Stufe erreicht. Clemens Reichert (BGN), Ortsbeirats-Vorsitzender, sagte, dass er sowohl der Verwaltung als auch der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländlich Räume (LLUR) nicht traue. Er fühle sich nicht ernst genommen.

Die Vorwürfe: „Befremdlich“ empfindet Reichert, dass die Verwaltung der Stadt Neustadt die Änderung des Flächennutzungsplanes (F-Plan) auf die Tagesordnung des Umwelt- und des Bauausschusses setzt, obwohl der Ortsbeirat eine Sondersitzung geplant hatte. Auch ärgert ihn, dass die Fläche westlich des Strandweges in der Sitzungsvorlage als nicht genehmigungsfähig eingestuft wird. Den für den Naturschutz zuständigen Behörden des Kreises und des Landes unterstellt er, mit falschen Grundlagen zu arbeiten. Diese würden davon ausgehen, dass die Fläche Lagune und Strandsee sei. In einem den LN vorliegenden Schreiben des Fachdienstes Naturschutz heißt es: „Eine Verschlechterung ihres Erhaltungszustandes ist zu vermeiden, vielmehr ist ihr Zustand zu verbessern.“ Reichert sagte, dass sich hier keine Lagunen und Strandseen bilden könnten. Dem entgegnete der ebenfalls anwesende Dr. Horst Pasenau (Grüne), Vorsitzender des Umweltausschusses, dass es bei Hochwasser durchaus Salzwassereinfluss gebe — „im Untergrund“.

Volker Weber (SPD), der als einziger des sieben Personen umfassenden Ortsbeirates gegen den West-Platz ist, konnte die Ausführungen offensichtlich kaum ertragen. „Es gibt durchaus Leute, die den Platz hier unten nicht für geeignet halten.“ Auch betonte er, dass die Verwaltung stets die Meinung des Ortsbeirates in den Gesprächen mit den Behörden vertreten habe und das Thema von der Tagesordnung der Ausschüsse genommen worden sei, um der Sondersitzung des Ortsbeirates nicht zuvorzukommen. „Wir hätten seit zwei Jahren hier einen Stellplatz haben können — an anderer Stelle“, so Weber. Stattdessen würde der Großteil des Ortsbeirates aufstapfen wie ein zorniges Kind und sagen „wir wollen das aber“. Weber: „Dabei wird der Platz hier unten nicht genehmigt.“ Seinen Ausführungen zum Trotz sprach sich der Ortsbeirat am Ende mit sechs Ja-Stimmen und einer Nein-Stimme (von Volker Weber) für eine Weiterverfolgung der West-Variante aus. Das Thema solle in den Fachausschüssen erneut behandelt werden und die Verwaltung die Aufstellung eines F-Planes vorantreiben. Noch besser sei es, so Clemens Reichert, wenn ein externes Planungsbüro dies übernehme.

Damit nicht genug: Willy Heckel von den Grünen kündigte gegenüber den LN an, eine Bürgerbefragung hinsichtlich des Standortes anschieben zu wollen.

Chronologie: Fast sechs Jahre Planung und Diskussion
6. Mai 2009: Die BGN beantragt die Errichtung eines Wohnmobil-Stellplatzes in Rettin.


18. April 2012: Bauausschuss empfiehlt Ost-Variante — West gilt als nicht genehmigungsfähig.


29. November 2012: Ortsbeirat will weiter West, bleibt bis heute dabei.

Sebastian Rosenkötter