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Ostholstein 2800 Kilometer Glasfaser sollen bis Ende 2021 verlegt sein
Lokales Ostholstein 2800 Kilometer Glasfaser sollen bis Ende 2021 verlegt sein
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06:15 09.07.2019
Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs aus dem Wirtschaftsministerium besucht den Zweckverband Ostholstein (ZVO) und informiert sich bei ZVO-Verbandsvorsteherin Gesine Strohmeyer über das kommunale Glasfaserprojekt. Quelle: Markus Billhardt
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Sierksdorf

 Nach der Sommerpause wird abgerechnet. Dann steht fest, ob alle beteiligten Gemeinden am Glasfaserprojekt des Zweckverbandes Ostholstein (ZVO) mit dem Netzbetreiber TNG Stadtnetz künftig auf schnelles Internet setzen können. Geplant ist, 2800 Kilometer Glasfaser bis Ende 2021 in den Boden zu legen. 21 Gemeinden haben die Quote erfüllt, acht müssen noch zittern.

Kommunale Partner statt große Player

„Die Zukunft gehört dem Glasfaser“, sagt Dr. Thilo Rohlfs, Kieler Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, bei einer Stippvisite im Hauptsitz des ZVO in Sierksdorf. Das Land habe ehrgeizige Ziele beim Breitbandausbau. Um die digitale Infrastruktur im ländlichen Raum voranzubringen, brauche es starke kommunale Partner. „Wenn wir es den großen Playern überlassen, kriegen wir es nicht hin“, sagt der Besuch aus Kiel. „Und Ostholstein ist dabei führend“, ergänzt Richard Krause, Geschäftsführer des Breitband-Kompetenzzentrums Schleswig-Holstein (BKZ.SH). Das Projekt habe das größte Volumen im Land.

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Allerdings steigen die Kosten. Was beim Start im Sommer 2017 mit rund 100 Millionen Euro beziffert wurde, liegt am Ende wohl deutlich darüber. „Ob es 130, 140 oder gar 150 Millionen Euro werden, ist gar nicht genau zu sagen, aber in diesem Rahmen dürfte es sich bewegen“, erläutert die ZVO-Verbandsvorsteherin Gesine Strohmeyer. Vor allem die Baupreise hätten es in sich. So sei auch dem Staatssekretär klar, dass „deutlich ein Brikett nachgelegt und mehr Fördermittel für die Mehrkosten bereitgestellt werden müssen“. Davon könne auch der ZVO profitieren.

Verzögerungen in den Bauphasen

Der ZVO habe in der Vergangenheit einiges an Lehrgeld bezahlt, sagt Strohmeyer. Es gab teilweise Verzögerungen von mehreren Monaten. So seien Ausschreibungen wie in Malente und Scharbeutz zurückgezogen worden, da die Firmen nicht die Voraussetzungen erfüllten. Inzwischen werde dort – wie parallel in neun weiteren Gemeinden – gebaut. Doch generell fehle es an Personal für Planungsleistungen, Bauüberwachung und qualifizierten Arbeitskräften. „Was wir auf Baustellen festgestellt haben, glich zum Teil einem Gruselkabinett. Da wurde mit einer Säge an den Glasfaserkabeln gearbeitet“, erläutert Dirk Mrowka vom ZVO.

Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs (l.) besucht den Zweckverband Ostholstein (ZVO) und informiert sich über das kommunale Glasfaserprojekt. Im Beisein von Verbandsvorsteherin Gesine Strohmeyer erklärt Stefan Vollstedt vom ZVO ein Bauteil zur unterirdischen Hausführung von Glasfaser. Quelle: Markus Billhardt

So wird es jetzt in Schleswig-Holstein eine Qualifizierungsoffensive geben, um in Sachen Glasfaser weiterzubilden. „Es werden nach dem Sommer erste Programme dazu an vier Standorten im Land anlaufen“, sagt Richard Krause. Er rechne schon am Anfang mit etwa 20 Schulungen und rund 600 Teilnehmern. „Graben können sie alle, wir müssen sie für die Feinarbeit abholen“, ergänzt Mrowka. Das Potenzial sei da. Wie die Verbandsvorsteherin verdeutlicht, werde auch mit den Innungen und den Berufsschulen gesprochen, um dafür zu werben. „Die Qualifizierung ist ein wichtiger Baustein, daher unterstützt das Land dies mit 190 000 Euro“, betont Staatssekretär Rohlfs.

ZVO selbst aktiv beim Ausbau

Die größten Bautätigkeiten erwartet Gesine Strohmeyer in den kommenden zwei Jahren: „Noch ist es realistisch, in zweieinhalb Jahren fertig zu werden.“ Um voranzukommen, ist der ZVO sogar selbst derzeit an vielen Stellen an der Glasfaserverlegung mitbeteiligt. Für die Lagerung des Materials werden Flächen auf den Betriebsgeländen in Sierksdorf und Oldenburg genutzt. Gespannt warten die Verantwortlichen jetzt ab, was in den noch offenen Gemeinden passiert. „Erst dann können die Planungen beginnen und die Ausschreibungen rausgehen“, sagt Strohmeyer.

In Grömitz, Dahme, Heringsdorf, Neukirchen, Großenbrode, Lensahn und Ratekau sowie auf der Insel Fehmarn wurde die Quote von 60 Prozent an Vorverträgen nach der Vermarktungsphase nicht erreicht. Diese Kommunen haben noch sechs zusätzliche Wochen Zeit, um den Glasfaserausbau abzusichern. Am 18. August endet die letzte Frist.

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Markus Billhardt