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Ostholstein Als Tausende Schafe auf Gut Putlos lebten
Lokales Ostholstein Als Tausende Schafe auf Gut Putlos lebten
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07:00 08.06.2019
100 Jahre Schafzüchterverein Ostholstein: Die Vorsitzende Frauke Wechselberg hat zu ihren Flaschenkindern, einigen Lämmern von diesem Jahr, eine innige Beziehung. Quelle: Susanne Peyronnet
Oldenburg/Neutestorf

Ohne Schafe ging gar nichts vor 100 Jahren in Ostholstein. Auf den Gütern wurden große Herden gehalten. Es ging um die Wolle, Grundstoff für Kleidung und vor allem für Uniformen und Decken des Militärs. Folgerichtig entstanden vor etwa 100 Jahren überall in Schleswig-Holstein Schafzuchtvereine. 1919 wurde der für den Kreis Oldenburg gegründet.

Den Kreis Oldenburg gibt es längst nicht mehr, der Schafzuchtverein heißt heute Herdbuchbezirk Ostholstein und umfasst auch den Kreis Plön und die Städte Lübeck und Kiel. Vorsitzende ist Frauke Wechselberg, die mit ihrem Mann Dr. Carl Wechselberg seit 2001 im Wangelner Ortsteil Neutestorf Coburger Fuchsschafe züchtet.

Vom Tierschauverein zum Tierzuchtverein

Das Ehepaar erzählt von der Vereinslandschaft vor 100 und mehr Jahren. 1750, berichtet Carl Wechselberg, wurden überall in Deutschland Bauernvereine gegründet. Als 1885 die Gründung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) folgte, erließ diese Richtlinien zu Züchtung und Haltung. Die Tierschauvereine, die es bereits gab, mussten sich in Tierzuchtvereine umwandeln. So entstanden zwischen 1885 und 1920 etliche Bezirksvereine in Schleswig-Holstein.

1000 Tiere auf einem Hof

Die Ostholsteiner waren spät dran. Am 3. Juni 1919 gründeten zwölf Schafhalter in Oldenburg den Kreisschafzuchtverein. Drei weitere Schafhalter hatten sich schriftlich angemeldet. Erster Vorsitzender war Dr. von Hoff, der Gutsherr auf Putlos. Die Güter waren damals die größten Schafhalter. „Es gab Güter wie Putlos und Sierhagen mit weit über 1000 Tieren“, berichtet Carl Wechselberg.

Waren es früher die große Güter, die Schafe hielten, sind es heute vor allem Hobbyhalter.

Zeiten, die längst vorbei sind. Während des Dritten Reiches wurden die Schafhalter wie alle anderen Tierhalter streng reguliert. Erst 1949 wurde der Straftatbestand der Schwarzschlächterei abgeschafft. Nicht mehr die großen Güter waren die Zentren der Schafhaltung, jetzt bildeten die kleinen Schafhalter die Stütze des Schafzüchtervereins. „In der Nachkriegszeit hatte jeder mit einem größeren Garten ein Schaf zur Selbstversorgung“, berichtet Wechselberg. „Es gab die großen Schäfereien an der Westküste und auf Fehmarn, aber sonst war das vor allem Kleinhaltung“, ergänzt Frauke Wechselberg.

Es fehlt an jungen Schafhaltern

Heute sind es zwei Grundpfeiler, auf die sich der Schafzüchterverein, jetzt Herdbuchbezirk, stützt. Die Hobby-Schafhalter und die Schafe zur Landschaftspflege. Der Bezirk hat zurzeit etwa 60 Mitglieder, davon gerade mal drei große Schäfereien. Die Zahl der Rassen ist auf etwa 35 bis 40 gestiegen. Woran es aber mangelt, ist Nachwuchs. „Wir haben ein paar jüngere Schafhalter, aber nur ganz wenige“, sagt Carl Wechselberg. „wir versuchen verzweifelt, Jungschäferwettbewerbe auszurichten.“ Seine Frau fügt hinzu: „In dem Alter schmusen die Mädchen lieber mit Pferden.“ Noch etwas quält die Schafzüchter in Schleswig-Holstein: Der Wolf und sein Einfluss auf die Schafhaltung gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Schafmarkt in Lensahn

Mit einem großen Schafmarkt wird das 100-jährige Bestehen des Schafzüchtervereins gefeiert. Er findet am Pfingstsonntag, 9. Juni, von 10 bis etwa 18 Uhr auf dem Museumshof Lensahn statt.Elf verschiedene Schafrassen sind auf dem Schafmarkt zu sehen. Außerdem gibt es Vorführungen von Schafscherern und mit Hütehunden, eine Wollmeile und ein Zelt, in dem mehr als 20 Spinnerinnen das Rad drehen und aus Wolle Garn machen.

In Neutestorf ist die Welt noch in Ordnung. Hinter dem Haus der Wechselbergs grasen die Schafe friedlich auf ihrer Wiese. Wenn Frauke Wechselberg auftaucht, rennen einige Lämmer auf sie zu, stupsen sie an, klettern an ihr hoch. Es sind die Flaschenkinder, Lämmer, die Frauke Wechselberg mit der Flasche aufgezogen hat. Das ist meistens bei Drillingen nötig, Schafmütter haben nur zwei Euterzitzen, da kommt schnell eines der Lämmer zu kurz.

Die Wolle der Coburger Fuchsschafe wird von einer Firma kunstvoll zu gewebten und geflochtenen Teppichen verarbeitet. Quelle: Susanne Peyronnet

Spinnen und Köttel-Kurse

Auch jenseits von Stall und Wiese dreht sich bei Wechselbergs alles um Schafe und ihre Wolle. Frauke Wechselberg spinnt sie zu Garn, getragen werden Wollstrickjacken, die Sitzgruppe ist mit gewebten Bezügen aus Schaffwolle, natürlich vom Coburger Fuchsschaf, bezogen. Ihr Wissen geben die Wechselbergs gern weiter, etwa in sogenannten Köttel-Kursen. Dann wird im Untergeschoss ihres Hauses Schafkot per Mikroskop auf Parasiten untersucht. Denn Schafe halten erfordert mehr, als die Tiere auf die Weide zu schicken.

Susanne Peyronnet

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