Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Ein Hospiz für Ostholstein: Förderverein braucht dringend Spender
Lokales Ostholstein

Ostholstein: Förderverein sucht Spender für Hospiz in Oldenburg

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 27.11.2020
Gemeinsam mit Bürgermeister Jörg Saba (l.) traf sich der Förderverein Hospiz Wagrien-Fehmarn im Oldenburger Rathaus.
Gemeinsam mit Bürgermeister Jörg Saba (l.) traf sich der Förderverein Hospiz Wagrien-Fehmarn im Oldenburger Rathaus. Quelle: Maike Wegner
Anzeige
Oldenburg

Es ist ein Thema, das jeden betrifft. Doch gesprochen wird oft wenig über das Lebensende. Wie möchte ein Mensch sterben, wo möchte er seine letzten Wochen oder Tage verbringen? Darüber wird häufig geschwiegen, bis es so weit ist. Doch die Erfahrungen der Pfleger, Ärzte und Palliativkräfte zeigen: „Die meisten Menschen möchten zu Hause sterben“, sagt Dr. Gerdt Hübner, Chefarzt der Onkologie an den Sana-Kliniken Ostholstein. Doch nicht immer ist das möglich. Es bleiben häufig nur das Krankenhaus oder ein Pflegeheim als Alternative. Das soll sich in Ostholstein schon bald ändern.

Der Förderverein Hospiz Wagrien-Fehmarn möchte in Oldenburg ein Hospiz mit bis zu zwölf Plätzen für das östliche Ostholstein einrichten. Ein Herzensprojekt, das bereits viele Unterstützer gefunden hat. Doch die Ehrenamtler sind nun vor allem auf Spenden angewiesen, um das Projekt zu realisieren.

80 Mitglieder hat der Förderverein derzeit

„Wir möchten in Oldenburg meinen Traum verwirklichen“, sagt Beate Rinck, die das Projekt initiiert hat. 40 Jahre lang war sie im Gesundheitswesen als Pflegedienstleitung im Krankenhaus, aber auch als Ethikberaterin und Betriebspsychologin tätig. Der Wunsch, jedem Menschen ein würdevolles Lebensende zu ermöglichen, treibt sie Tag für Tag an. Mit 40 Mitgliedern ist der Verein vor rund einem Jahr gestartet – mittlerweile sind es doppelt so viele Mitstreiter. Viele aktive Ehrenamtler legen ihre Energie, aber auch ihr Herzblut in das Projekt.

So können Bürger helfen

Der Fördervereinhat sich vor rund einem Jahr gegründet. Unter dem Vorsitz von Beate Rinck engagieren sich zehn Mitglieder im Vorstand.

80 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Der Jahresbeitrag für Einzelpersonen ist ab 30 Euro (In Härtefällen ab 15 Euro) frei wählbar. Wer ebenfalls Mitglied werden möchte, kann den Antrag unter www.hospiz-ostholstein.de herunterladen. Auch das Spendenkonto ist auf der Seite einsehbar.

Das Projekt mit Platz für bis zu zwölf Gäste kostet insgesamt rund 4,5 Millionen Euro und soll bis 2024 realisiert werden.

Es werden dringend Spenden benötigt

Doch die Corona-Pandemie hat die Spenden-Akquise erheblich erschwert. „Wir müssen Geld sammeln und das Thema noch bekannter machen“, sagt Beate Rinck. „Allerdings waren kaum Vorträge und Informationsveranstaltungen möglich.“ Die Summe, die aufgebracht werden muss, klingt zunächst gigantisch. Viereinhalb Millionen Euro sind notwendig, um das Hospiz zu realisieren. Dazu kommen jährliche Kosten. Denn der Aufenthalt für die Gäste ist kostenlos. Doch die Kranken- und Pflegekassen übernehmen nur 95 Prozent. Die restlichen Kosten müssen über den Förderverein gedeckt werden. Dazu kommen zusätzliche Kosten, beispielsweise für die Trauerbegleitung der Angehörigen.

Viele Bürger helfen bereits

Die Hilfsbereitschaft in Ostholstein ist groß. Etliche Bürger haben bereits gespendet oder sich Projekte ausgedacht. Junge Frauen beispielsweise haben Alltagsmasken genäht, die in den Oldenburger Apotheken gegen Spenden verkauft wurden. Der Erlös von 7000 Euro geht an den Förderverein. „Wir segeln wirklich mit Rückenwind“, betont Dr. Gerdt Hübner, der zweiter Vorsitzender des Fördervereins ist. Dazu kommen Fördergelder vom Sozialministerium, die bei 30 000 Euro pro Platz liegen. „Und mit Glück bekommen wir noch eine Förderung aus dem Landesprogramm ländlicher Raum. Aber es fehlt eben auch noch ein ganz großer Teil“, sagt Beate Rinck.

„Der Standort Oldenburg ist optimal“

Unterstützung für das Vorhaben gibt es auch von der Stadt Oldenburg, die die Standortwahl befürwortet. „Das Hospiz ist zwar für das gesamte östliche Ostholstein. Aber Oldenburg hat eine zentrale Funktion und ist daher als Standort optimal“, sagt Bürgermeister Jörg Saba (parteilos). Wichtig sei, dass das Hospiz auch für Angehörige gut erreichbar sei, denn sie spielen bei der Begleitung im letzten Lebensabschnitt eine wichtige Rolle. „Die Stadt steht an der Seite des Fördervereins“, sagt Saba. Und er betont: „Die Oldenburger Bürger haben die Pläne sofort akzeptiert. Hier gibt es keine Diskussionen über das Hospiz.“

Suche nach einem Grundstück läuft

Das freut auch den Vorstand des Fördervereins. Denn die Mitglieder wünschen sich, dass das Hospiz nicht isoliert wird, sondern mitten im Leben liegt. Die Standortsuche läuft bereits auf Hochtouren, einige Grundstücke stehen in Aussicht – doch noch ist nichts spruchreif. 3000 Quadratmeter muss das Grundstück groß sein, um die benötigten Räumlichkeiten zu schaffen. Andere Vereine haben fünf bis sieben Jahre für die Finanzierung gebraucht. „Ich hoffe, dass wir es etwas schneller schaffen“, sagt Beate Rinck optimistisch.

Dass der Bedarf da ist, daran hat niemand Zweifel. Im östlichen Ostholstein wurden allein im vergangenen Jahr 400 alte oder kranke Menschen von der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in ihrem Zuhause begleitet. Damit hat sich die Zahl innerhalb weniger Jahre verdoppelt. „Wir sind uns sicher, dass die Betten im Hospiz nicht leer stehen würden“, sagt Dr. Gerdt Hübner.

Lesen Sie auch

Von Maike Wegner

Großangelegte Laser-Vermessung - Wall und Markt im 3D-Format: Oldenburg wird gescannt
27.11.2020
26.11.2020