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Ostholstein Forderung nach Zentralklinik löst Proteste aus
Lokales Ostholstein Forderung nach Zentralklinik löst Proteste aus
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18:36 29.04.2019
Für den Notfall wünschen sich die Ostholsteiner eine Klinik mit Notaufnahme in der Nähe. Eine Zentralklinik wäre ihnen zu weit weg. Quelle: Tim Schaarschmidt
Eutin/Oldenburg

Ein vom Land beauftragter Gutachter schlägt es vor. Armin Tank, Landeschef des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), hält die Idee einer Zentralklinik für ganz Ostholstein ebenfalls für gut. Doch damit stehen sie ziemlich alleine da. Von allen Seiten kommt Protest. Es ist sogar von einem „verantwortungslosen Vorschlag“ die Rede.

„Wenn man heute bei Null anfangen und quasi auf einem Reißbrett eine Krankenhauslandschaft für den Kreis Ostholstein neu konzipieren könnte, sähe das Ergebnis ohne Frage anders aus“, sagt Landrat Reinhard Sager (CDU). „Aber das Drücken eines ,Reset-Knopfes’ ist keine wirkliche Option und die immer wieder aufkommende Diskussion über ein Zentralklinikum nicht zielführend.“ Die Träger der Kliniken sollten sich darauf konzentrieren können, die gesicherten Standorte kooperativ und zukunftsfest weiterzuentwickeln, um den Menschen im Kreis auch in den nächsten Jahren eine gut erreichbare und qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu sichern.

Ameos winkt ab

Damit rennt Sager bei den Trägern, jedenfalls bei dem möglicherweise bald überwiegend tätigen Träger, offene Türen ein. Michael Dieckmann, Vorstandsmitglied der um eine Sana-Übernahme bemühten Ameos-Gruppe, nennt den Vorschlag des Ersatzkassenverbandes „verantwortungslos“. Die Versorgung eines Flächenkreises wie Ostholstein mit besonderen Herausforderungen könne aus seiner Sicht nicht durch ein Zentralklinikum sichergestellt werden. Für die Umsetzung eines solches Vorschlages stehe Ameos nicht zur Verfügung.

Das Sana-Krankenhaus in Oldenburg: Ameos will Sana übernehmen und spricht sich für den Erhalt der Klinik aus.  Quelle: Louis Gäbler

Stattdessen würde sich der Krankenhausträger gern an Planungen zum Ausbau der Versorgung durch eine bessere Verzahnung der ambulanten und stationären Angebote beteiligen. Dieckmann: „Hier sehen wir zukünftig die größten Potenziale, um dauerhaft und vor allem für jedermann zugänglich Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“

Millionenbeträge investiert

Landrat Sager verweist darauf, dass in die bestehenden Kliniken viel investiert worden sei. Allein nach Oldenburg seien in den vergangenen Jahren erhebliche öffentliche Investitionsmittel geflossen. So seien im Mai 2014 der Stationsneubau, im September 2017 die neue Intensivstation und im Spätsommer 2018 die neue Zentrale Notaufnahme (ZNA) eingeweiht worden. „Land und Kreise haben hierzu erhebliche Anteile aus den Krankenhausfinanzierungsmitteln erbracht“, sagt Sager. „Es wäre den Steuerzahlern kaum zu vermitteln, zweistellige Millionenbeträge in den letzten Jahren in den Standort Oldenburg zu investieren und kurz danach komplett umzusteuern.“

Lange Wege befürchtet

Ein klares Bekenntnis zu vier ostholsteinischen Klinikstandorten – Eutin, Oldenburg, Neustadt und Fehmarn – kommt von der SPD-Kreistagsfraktion, die betont, sich immer wieder dafür eingesetzt zu haben. SPD-Fraktionschef Burkhard Klinke: „Der Verband der Versicherten sollte, bevor die Forderung der Zentralisierung transportiert wird, seine Versicherten befragen, ob eine Zentralisierung gewollt ist.“ Die würde zu langen Anfahrtswegen führen. „Das Krankenhaus Fehmarn muss wegen seiner exponierten Lage auf der Insel erhalten bleiben, unter anderem im Sommer auch für die vielen Touristen und falls die Insel vom Festland abgeschnitten ist“, sagt Klinke weiter.

Ans Wohlfühlen denken

Ebenso klar positioniert sich Petra Kirner, die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfaktion. Sie sei der festen Überzeugung, dass die gewachsene Kliniklandschaft gut für die Menschen sei. „Das ist eine hervorragende Struktur.“ Weiter fragt Kirner, wie eine Zentralklinik im Sommer, wenn die Touristenströme die Straßen verstopften, in einer angemessenen Zeit erreichbar sein solle. Und noch etwas führt sie an: „Wir brauchen ein bisschen Persönlichkeit in Krankenhäusern. Die gibt es in einer Riesenklinik nicht mehr, da bin ich nur eine Nummer.“ Die Menschen müssten sich im Krankenhaus wohlfühlen können und die Möglichkeit haben, Besuch zu bekommen, selbst wenn kein Auto zur Verfügung stünde. Und das angesichts eines öffentlichen Nahverkehrs, der nicht gut aufgestellt sei.

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