Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Klimaproteste geben Grünen Schwung
Lokales Ostholstein Klimaproteste geben Grünen Schwung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:37 27.05.2019
Das Thema Klimaschutz beschäftigt die Menschen: Hunderte Schüler, aber auch viele Erwachsene, demonstrierten am 15. März in Eutin für eine saubere Umwelt und einen schnellen Kohleausstieg. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Ostholstein

Das vorläufige Endergebnis für Ostholstein lag Sonntagnacht um 22.53 Uhr vor: Wahlgewinner im Kreis sind die Grünen. Sie legten in Ostholstein um 15,5 Prozentpunkte zu und landeten bei 25,5 Prozent – somit auch noch deutlich über dem Bundesergebnis. Einen leichten Zugewinn verzeichnete auch die AfD, sie kommt auf 8,1 Prozent (+ 0,3 Prozentpunkte). Trotz herber Verluste von 7,2 Prozentpunkten bleibt die CDU mit 29,4 Prozent stärkste Kraft in Ostholstein. Die SPD kommt auf 19,0 Prozent (- 13,6 Prozentpunkte), die FDP 6,2 Prozent (+ 2,2 Prozentpunkte). Die Linken verlieren in Ostholstein 0,6 Prozentpunkte. Die Wahlbeteiligung lag dieses Mal bei 59,2 Prozent, 2014 waren es lediglich 42,5 Prozent, 2009 sogar nur 35,7 Prozent.

Erste Ergebnisse lagen schon um 19 Uhr vor: Altenkrempe, Beschendorf, Grube, Harmsdorf, Kellenhusen und Manhagen waren mit der Stimmenauszählung durch. Die CDU hat in diesen Gemeinden überall das stärkste Ergebnis geholt, gefolgt von den Grünen. Nur in Manhagen ist es umgekehrt – dort erhielten die Grünen 28,5 Prozent der Stimmen und sicherten sich so das zweitbeste Ergebnis hinter Eutin (CDU landete hier bei 27,8 Prozent). Als letztes EU-Ergebnis trudelte Timmendorfer Strand kurz vor 23 Uhr ein.

Schwung auch für die künftige Arbeit

Reaktionen aus der Politik gab es gleich nach Veröffentlichung der ersten Hochrechnungen: Die Grünen-Fraktionschefin im Kreistag, Monika Obieray, jubelte am Sonntagabend in Rumänien. Sie macht derzeit eine Kulturreise durch das Land. „Mit plus 11,4 Prozent sehen wir uns mit unseren Themen und unserer Politik bestätigt. Wir werden den Schwung auch für die künftige Arbeit auf Kreisebene nutzen.“ Auch ihr Fraktionskollege Jens Johannsen ist derzeit unterwegs – in der Schweiz. Er sagte: „Wir haben nur einen Planeten und müssen alles tun, damit er erhalten bleibt.“ Themen wie Klima und Müll würden die Menschen immer mehr bewegen – nicht nur bei den „Fridays for Future“-Demos. Der Neustädter Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Böckenhauer sagte: „Die Grünen sind mit drei Komplexen angetreten: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und gegen Rechts. Das hat viele überzeugt.“

Enttäuschung dagegen bei der SPD: „Das ist wieder ein ganz bitterer Abend für die Sozialdemokratie“, sagte Niclas Dürbrook, Kreisvorsitzender der SPD Ostholstein. Gerade die Klimapolitik der Bundes-SPD müsse viel deutlicher und prägnanter werden. „Es kann nicht sein, dass man erst einmal 20 Seiten lesen muss, um zu wissen, wofür wir stehen“, sagte Dürbrook. Auch die Agenda 2010 hänge den Sozialdemokraten als Altlast immer noch an. Staatssekretärin Bettina Hagedorn (SPD), die gerade in Rom unterwegs war, sagte: „Die große Wahlbeteiligung ist aus Demokratiesicht wunderbar, kam aber nur den Grünen zugute. Sie hatten mit der Klima-Debatte das tragende Thema.“

Historisch schlechtes Abschneiden der CDU

Ingo Gädechens, CDU-Kreischef und Bundestagsabgeordneter, hatte sich auf Fehmarn bereits über diverse Vorab-Hochrechnungen mit dem Abschneiden seiner Partei vertraut gemacht. Er sei sehr unglücklich über das schlechte Abschneiden der CDU, sagte Gädechens. „Unter 30 Prozent im Bund, das tut schon weh.“ Als „Weckruf“ bezeichnete am Montag der CDU-Fraktionschef im Kreistag, Timo Gaarz, „das historisch schlechte Abschneiden“ der CDU. In Berlin müsse man darauf reagieren und die Themen auf der Straße suchen, nicht im eigenen Haus, so Gaarz. „Für die CDU ist es eine Chance, nun passende Antworten auf die Zukunftsthemen zu finden.“

So wählten die Städte und großen Gemeinden

So sieht das
vorläufige Endergebnis des Kreises Ostholstein bei der Europawahl 2019 aus: die CDU erreicht 29,4 Prozent, die SPD 19,0, die Grünen 25,4, die AfD 8,1, die linke 2,9, und die FDP 6,2. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,2.

Auf der Insel Fehmarn schafft die CDU 29,0 Prozent, die SPD 21,2. Knapp darüber liegen hier die Grünen mit 21,7. Die AfD holt 8,5, die FDP 6,0.

In Heiligenhafen erzielt die CDU 28,3 Prozent, die SPD 20,3 und die Grünen 23,5. Die AfD holt 8,1, die FDP 5,5.

Oldenburg wählte so: CDU 28,2 Prozent, SPD 23,9, Grüne 22,3. Die AfD holt 8,1, die Linke 3,2 und die FDP 5,9.

In Neustadt wurde wie folgt gewählt: CDU 27,0 Prozent, SPD 19,2, Grüne 27,6, AfD 7,7, die Linke 3,7 und die FDP erreicht 5,7.

In der Kreisstadt Eutin holen die Christdemokraten 26,6 Prozent, die Sozialdemokraten 18,4 und die Grünen 30,6, die AfD 6,8, die Linke 3,2 und die FDP 5,2.

Das Bad Schwartauer Ergebnis: die CDU schafft 29,2 Prozent, die SPD kommt auf 19,7 und die Grünen in Bad Schwartau auf 27,1. Die AfD landet bei 7,7 und die FDP bei 5,7.

In Stockelsdorf erreichte die CDU 28,7 Prozent, die SPD 19,1, die Grünen 27,4, die AfD 7,8, die Linke 2,3 und die FDP 5,9.

Timmendorfer Strand hat so gewählt. Die CDU erreicht 34,9 Prozent, die SPD 15,1, die Grünen 23,8, die AfD 8,9 die FDP 8,5.

In Grömitz erreichte die CDU 35,1 Prozent, die SPD kommt auf 18, die Grünen auf 18,9, die AfD auf 9,2, die Linke auf 2,7 und die FDP auf 7,1.

Sven Partheil, der neue FDP-Kreisvorsitzende aus Timmendorfer Strand, hätte sich mehr gewünscht – ein Ergebnis zwischen neun und 10 Prozent. „Aber wir sind zufrieden. Ein Plus von 2,2 Prozentpunkten klingt zunächst nicht nach viel, bedeutet aber angesichts der hohen Wahlbeteiligung doch ein gutes Abschneiden.“

Volker Schnurrbusch (AfD-Landtagsabgeordneter in Kiel) aus Schönwalde war auf der Wahlparty seiner Partei in Berlin und sagte den LN: „Ein Zuwachs um 0,3 Prozentpunkten ist weniger als wir erhofft hatten. Wir sind aber trotzdem zufrieden und werden sicher drittstärkste Fraktion im EU-Parlament.“

Gabriele Hebel (hinten), Fachbereichsleiterin Sicherheit und Gesundheit bei der Kreisverwaltung Ostholstein, und ihre Kollegin Sigrid Rathert, Leiterin der Stabsstelle Kommunalaufsicht, waren am Sonntag im Dauereinsatz. Quelle: Gäbler

Wahlsplitter

Zwei Wahlbezirke fehlten am Wahlabend um 22.15 Uhr noch: Oldenburg und Timmendorfer Strand. Wer würde an diesem Abend die rote Laterne übernehmen? In Oldenburg waren die EU-Wahlergebnisse zwar ausgezählt, erst dann beschäftigte man sich mit der Bürgermeister. Aber sie tauchten trotzdem erst kurz vor 23 Uhr im Internet auf. Der Grund in Timmendorf ist klarer: dort wurde zuerst der Bürgerentscheid ausgezählt, obwohl es laut Wahlordnung anders hätte sein sollen.

Hochburg der Sozialdemokraten ist offenbar Kabelhorst, Ostholsteins kleinste Gemeinde. Hier erreichte die SPD 27,4 Prozent. In Manhagen wählten nur 13,9 Prozent der Bürger die SPD.

In Dahme holt die CDU ihr bestes Ergebnis mit 38,0 Prozent, lediglich 22,1 Prozent erreichte die Partei in Göhl.

Ihr bestes Ergebnis holen die Grünen in Eutin (30,6 Proeznt). Das schlechteste verzeichnete die Partei in Kabelhorst mit 18,4 Prozent.

Mit 10,5 Prozent erreicht die AfD in Neukirchen ihr bestes Ergebnis. In Göhl schafft sie dagegen nur 4,3 Prozent.

Die Ökologische-Demokratische Partei (ÖDP) hat ihren Sitz erfolgreich verteidigt. Der deutsche Physiker und Universiätsprofessor Prof. Dr. Klaus Buchner wurde erneut gewählt. Kreisvorsitzender Thomas Weber (Fehmarn) bewertet die Europawahl als positives Zeichen für die ÖDP.

Im Kreishaus Eutin waren am Sonntag insgesamt zwölf Mitarbeiter den ganzen Tag lang im Einsatz. Für sie gab es Pizza und Salat vom Lieferservice – spendiert von der Kreisverwaltung. Mit der Übermittlung des Ostholstein-Ergebnisses an den Landeswahlleiter in Kiel um 23 Uhr hatten dann aber auch die letzten Mitarbeiter endlich Feierabend.

Sämtliche Ergebnisse der EU-Wahl 2019 aus den Gemeinden und Städten in Ostholstein liefen am Sonntagabend im Kreishaus Eutin zusammen. Quelle: Gäbler

Den Wahlabend im Live-Ticker lesen Sie hier.

Louis Gäbler

Die Timmendorfer wollen das ETC behalten. Nach 2017 stimmte auch beim erneuten Bürgerentscheid am Sonntag eine knappe Mehrheit für die Grundsanierung: 51,65 Prozent votierten mit „Ja“.

26.05.2019

Zwei Investoren wollen Großprojekt im Inselwesten realisieren. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) in Sorge um den Tourismus auf der Insel. Bürger sehen Gefahren für Grundwasser und Böden.

27.05.2019

Oldenburg hat einen neuen Bürgermeister: Jörg Saba (parteilos). Die ETC-Halle in Timmendorfer Strand wird saniert. Die Grünen sind auch in Ostholstein die großen Gewinner der Europawahl.

26.05.2019