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Ostholstein Brauchen Frauen extra Parkplätze?
Lokales Ostholstein Brauchen Frauen extra Parkplätze?
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17:51 30.01.2019
Auf dem Parkplatz am Badeweg in Scharbeutz gibt es drei Parkplätze speziell für Frauen.
Auf dem Parkplatz am Badeweg in Scharbeutz gibt es drei Parkplätze speziell für Frauen. Quelle: Luisa Jacobsen
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Ostholstein

Die Klage eines Jura-Studenten im oberbayrischen Eichstätt hat in der vergangenen Woche zu einer umfassenden Diskussion über Frauenparkplätze geführt. Ein junger Mann hatte sich von den Stellflächen diskriminiert gefühlt und – zumindest im Ansatz – erfolgreich geklagt: Die Stellplätze können bleiben, müssen aber neu beschildert werden. Im Kreis Ostholstein sehen viele Städte und Gemeinden offenbar keinen Bedarf für diese Flächen.

In Eutin, Oldenburg Neustadt, Bad Schwartau, Timmendorf und auf Fehmarn gibt es keine Frauenparkplätze. Zumindest nicht im öffentlichen Verkehrsbereich. „Ich kenne diese Plätze vor allem von Parkhäusern, wo die gefühlte Bedrohung vielleicht auch größer ist“, sagt Klaas Raloff, Leiter des Amts für gesellschaftliche Angelegenheiten in Neustadt.

Auf den öffentlichen Parkplätzen im Stadtgebiet habe man bisher keine Gefährdungssituation wahrgenommen, die eine Einrichtung von extra Frauenparkplätzen notwendig erschienen ließe. „Die Blickwinkel auf das Thema sind natürlich verschieden“, sagt Raloff. Alle Nutzergruppen im öffentlichen Raum wünschten sich für sie ausgewiesene Parkplätze, „das bedeutet dann aber auch, dass andere dort nicht parken dürfen.“

„Wo kommen wir hin, wenn der Schutz von Frauen als Diskriminierung von Männern ausgelegt wird?“

Natalia von Levetzow, Gleichstellungsbeauftragte in Neustadt empfindet Frauenparkplätze in einer modernen Kommune hingegen als eine Selbstverständlichkeit. Im Rahmen eines neuen Parkraumbewirtschaftungs-Konzepts soll es in Neustadt künftig Eltern-Kind-Parkplätze geben. Von Levetzow würde in dem Konzept gern auch Frauenparkplätze sehen.

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„Diese Parkplätze sind ein Zeichen dafür, dass Sorgen und Ängste ernst genommen werden“, sagt sie. Es ginge um ein Sicherheitsgefühl, das eine Gesellschaft zu geben bereit sein sollte. „Wo kommen wir denn hin, wenn der Schutz von Frauen gleich als Diskriminierung von Männern ausgelegt wird?“

Ein angstfreier Parkplatz für alle Geschlechter?

Natalia von Levetzow selbst parkt allerdings selten auf Frauenparkplätzen. Weil sie sich nicht bedroht fühlt. Sie findet: Frauenparkplätze sollten nicht Frauen vorbehalten sein, sondern Frauen, die eine Gefährdung empfinden und den Parkplatz deshalb annehmen. Einer Öffnung dieser Plätze für alle Geschlechter steht sie offen gegenüber. Bei einem „angstfreien Parkplatz“ für alle, befürchtet sie allerdings Schwierigkeiten bei der gesellschaftlichen Akzeptanz und Kontrolle.

Ähnlich sieht es Tanja Gorodiski, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bad Schwartau. Dort gibt es Frauenparkplätze nur in einem privat betriebenen Parkhaus. Generell befürwortet Gorodiski diese Stellflächen. „Es sind einfach mehr Frauen als Männer von Gewalt betroffen“, sagt sie. Doch: Wenn Männer Angst haben, sollten auch sie auf Frauenparkplätzen parken dürfen. Genau genommen sei das ja aber auch schon der Fall, denn Frauenparkplätze sind nicht Teil der Straßenverkehrsordnung. Anders als bei Behindertenparkplätzen gibt es keine Bußgelder für falsches Parken auf dem Frauenparkplatz.

Frauenparkplätze in Scharbeutz

Stellflächen nur für Frauen haben also einen „unverbindlichen Charakter“. Das betont auch Heiko Laskowski, Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Scharbeutz. Dort gibt es auf einem großen Parkplatz an der Badestraße drei Parkplätze nur für Frauen. „Hintergrund der Einrichtung war der Sicherheitsgedanke“, sagt Laskowski. Gleichstellungsbeauftragte Sonja Sesko ergänzt: „Diese Plätze sollen niemanden benachteiligen.“

Als die Flächen geschaffen wurden, war ihre Kollegin aus Bad Schwartau, Tanja Gorodinski, noch Gleichstellungsbeauftragte in Scharbeutz. Einsetzten musste sich Gorodinski für die Flächen aber nicht. „Die hat man da ganz selbstverständlich zur Verfügung gestellt“, erzählt sie. „Genauso selbstverständlich wie Wickeltische auf den öffentlichen Herrentoiletten.“

Luisa Jacobsen

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