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Ostholstein EUT und OLD: Kein Comeback für alte Kennzeichen?
Lokales Ostholstein EUT und OLD: Kein Comeback für alte Kennzeichen?
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10:00 26.12.2018
Das Löschfahrzeug von 1942 der Oldtimer-Freunde Ahrensbök trägt noch ein EUT-Kennzeichen. Quelle: Peyronnet
Eutin/Oldenburg

1970 entstand der heutige Kreis Ostholstein. Es war das Ende der bis dahin üblichen Autokennzeichen EUT und OLD für Eutin und Oldenburg. Neuer Kreis, neue Buchstaben. Fortan stand OH auf den Kennzeichen. Es gab keine Alternative. Wie in Ostholstein wurden im Zuge der Kreis- und Gebietsreformen der 1970er-Jahre etliche deutsche Autokennzeichen abgeschafft.

Zurzeit sind gerade einmal noch 16 Fahrzeuge im ganzen Kreis mit den alten Kennzeichen unterwegs, sechs mit OLD und zehn mit EUT. Zwei der EUT-Fahrzeuge stehen in Ahrensbök, gehören sogar der Gemeinde. Es sind Feuerwehrautos der Baujahre 1941 und 1955, die vom Verein Oldtimer-Freunde Ahrensbök liebevoll gehegt und gepflegt werden. „Wir fahren damit zu Treffen. Viele ältere Besucher können sich noch an die alten Autos erinnern, die Jüngeren staunen“, berichten der Vorsitzende Siegfried Kibbel und sein Stellvertreter Wolfgang Kruse. Zu sehen sind sie die Feuerwehr-Oldtimer regelmäßig bei Trecker- oder Oldtimertreffen in Grömitz, Kiel und Hutzfeld.

Obwohl 38 Jahre seit der großen Welle der Kreisreformen vergangen sind, trauern etliche Autofahrer den Retro-Kennzeichen hinterher, nicht nur im Kreis Ostholstein. So sehr, dass 2012 die sogenannte Kennzeichenliberalisierung umgesetzt wurde. Weil sich immer wieder Politiker, Bürger und Kreise über die Abschaffung beklagten, wurden die alten Buchstabenkombinationen wieder zugelassen. Mehr als 100 Retro-Kennzeichen wurden deutschlandweit wieder eingeführt. Allerdings nicht in Ostholstein.

OH = Ostsee und Holstein

Im Vorfeld der Liberalisierung habe die Straßenverkehrsbehörde des Kreises im Mai 2012 erklärt, keine Retro-Kennzeichen anzustreben, teilte Kreissprecherin Carina Leonhardt mit. Hauptargument gegen EUT und OLD: „Auch im Kennzeichen für einen Landkreis und eine Region kommt eine regionale Identität und Zusammengehörigkeit zum Ausdruck. Die identitätsstiftende Wirkung mag auch ausschlaggebend sein, dass die Abkürzung ,OH’ für die Anfangsbuchstaben ,Ostsee’ und ,Holstein’ steht und damit auch aus touristischer Sicht vorteilhaft ist.“

Verfechter der Alt-Kennzeichen ist in Ostholstein vor allem die Stadt Oldenburg. Die Stadtverordnetenversammlung hatte sich am 12. Dezember 2012 mit dem Thema befasst und Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) mit elf Stimmen dafür bei zwei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen beauftragt, die Wiedereinführung beim Land über den Kreis zu beantragen. In seinem Antrag an das Land schrieb Voigt, dass das Kennzeichen OLD der Stadt eine zusätzliche Marketingmöglichkeit biete und gleichzeitig die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt und ihrer Region stärke. Dumm nur, dass es zwei Oldenburgs gibt.

Konkurrenz der Oldenburgs

In der Stellungnahme des Kreises zum Oldenburger Antrag schrieb Landrat Reinhard Sager (CDU) denn auch: „Dagegen wird mit dem Kennzeichen OLD außerhalb Schleswig-Holsteins wahrscheinlich am wenigsten eine Stadt in Ostholstein in Verbindung gebracht, zumal die Großstadt Oldenburg in Oldenburg eindeutig bundesweit bekannter ist.“

Bevor er seine Stellungnahme schrieb, hatte Sager die anderen Kommunen des ehemaligen Kreises Oldenburg befragt, ob sie Interesse an einer Wiederbelegung des OLD-Kennzeichens hätten. Das Ergebnis: Die Mehrheit sah keinen Bedarf für OLD. Folgerichtig lehnte das Land die Wiedereinführung der Buchstabenkombination ab.

OH ist und bleibt also das motorisierte Aushängeschild für den Kreis Ostholstein. Dabei war OH nur ein Kompromiss und die Gründung des Kreises Ostholstein hoch umstritten, vor allem im damals 103 Jahre alten Kreis Oldenburg. Die Oldenburger versuchten sogar, vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen, um die Kreisreform zu stoppen. Vergeblich. Der Kreis Oldenburg wurde mit dem Kreis Eutin zum neuen Kreis Ostholstein verschmolzen, mit Sitz in Eutin. Den widerborstigen Oldenburgern blieb zumindest das Kennzeichen EUT für den neuen Kreis erspart. Man einigte sich auf OH.

Dieses Kennzeichen gerät aber seit einigen Jahren von ganz anderer Seite unter Druck. Seit Juli 2014 dürfen Autofahrer ihre Autonummer bei einem Umzug behalten – selbst wenn sie den Kreis oder sogar das Bundesland wechseln. So kommt es, dass einige Neu-Ostholsteiner mit ihren alten Kennzeichen aus Berlin oder Hamburg durch den Kreis düsen – und das ganz legal.

Susanne Peyronnet

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