Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Meeresspiegel der Ostsee steigt bedrohlich
Lokales Ostholstein Meeresspiegel der Ostsee steigt bedrohlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:31 10.02.2019
Ein erschreckendes Szenario: So sähe der nördliche Teil Ostholsteins mit Fehmarn bei einem Meeresspiegelanstieg von nur einem Meter aus. Quelle: Flood Firetree
Ostholstein

Der Meeresspiegel steigt und steigt – und zwar jedes Jahr etwas schneller. Schon gegen Ende dieses Jahrhunderts dürften die Pegel auch an der Küste Ostholsteins rund einen Meter höher liegen. Klimaforscher befürchten, dass der Anstieg sogar noch höher ausfallen könnte. „80 Zentimeter sind realistisch, Sturmfluten können aber auch weit über einen Meter auflaufen. Auch 160 Zentimeter sind bis zum Jahr 2100 möglich, wenngleich wenig wahrscheinlich“, sagt Dr. Ingo Sasgen (43), Geophysiker am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. Der Klimaforscher beschäftigt sich auch mit den regionalen Auswirkungen.

Orte von Timmendorfer Strand bis Fehmarn betroffen

Wo heute an der Küste Zehntausende Menschen leben, könnten in Zukunft vielerorts die Wellen schlagen. Nach Einschätzung von Klimaforschern gelten durch denkbare Folgen des Klimawandels auch noch jene Gebiete als überflutungsgefährdet, die sogar bis zu drei Meter über dem Meeresspiegel liegen. Betroffen wären demnach große Teile der Insel Fehmarn, der Raum um Großenbrode, der Oldenburger Graben unter anderem mit Grube, Lensterstrand, das Hinterland des Neustädter Binnenwassers sowie die Küstenorte Haffkrug, Scharbeutz und Timmendorfer Strand. Überflutungskarten im Internet veranschaulichen das Ausmaß je nachdem, wie hoch man in Meter-Schritten den Meeresspiegelanstieg einstellt.

Klicken Sie hier, um zahlreiche Bilder und Grafiken zum Anstieg des Meerespiegels in Ostholstein und dem Rest der Welt zu sehen!

„Die Folgen des Klimawandels sind vielfältig und wirken sich auf unterschiedlichen räumlichen und zeitlichen Skalen aus“, sagt Sasgen. Hierbei zähle der Meeresspiegelanstieg aber zu einer der bedrohlichsten Konsequenzen, da die Küsten dicht besiedelt und somit besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels seien.

Der AWI-Geophysiker erklärt weiter: „Der Tourismus an den Küsten ist ein großer Wirtschaftsfaktor. Es ist kaum vorstellbar, was es für die Küsten und die damit verbundenen infrastrukturellen Systeme bedeutet, wenn der Weltozean bis zum Ende des Jahrhunderts tatsächlich deutlich über einen Meter ansteigen sollte.“

Strände würden überspült werden, ufernahe Straßen unter Wasser stehen. Solche Extremszenarios sind Gegenstand aktueller Forschung, gelten zwar als unwahrscheinlich, aber möglich.

Vorher-Nachher-Vergleich

Eisschilde an den Polkappen schmelzen

Für den ungebremsten Klimawandel ist ein Anstieg von 80 Zentimetern am wahrscheinlichsten. Die Hauptursachen hierfür liegen für Sasgen und seine Kollegen im Schmelzen der Eisschilde an den Polkappen und der Inlandgletscher, sowie in der thermischen Ausdehnung der Weltozeane als Folge der globalen Erwärmung. Der Weltklimarat (IPCC) hat deshalb auch entschlossenes Handeln angemahnt, um die Erderwärmung noch auf 1,5 Grad zu begrenzen. Notwendig seien schnelle, weitreichende Änderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Jede weitere Erwärmung vergrößert die Gefahr unumkehrbarer Veränderungen – mit Extremwetter, steigendem Meeresspiegel und dem Verschwinden arktischen Meereises.

Dr. Ingo Sasgen war bereits zwei Mal in Ostholstein. Einmal auf Einladung der Sparkasse Holstein, als er einen Vortrag im IFA-Hotel auf Fehmarn hielt. Und ein weiteres Mal auf der Durchreise nach Grönland – sein Flieger ging von Kopenhagen aus. Dort in Grönland wollte er mit eigenen Augen sehen, was ihn täglich am Schreibtisch beschäftigt. In Bremerhaven befasst er sich mit der Auswertung der Satellitendaten aus dem Grace-Programm (Abkürzung für „Gravity Recovery And Climate Experiment“, siehe Infobox unten). Dabei wird über die Schwerefeld-Messung der Anstieg des Meeresspiegels errechnet. Sasgen: „Diese Daten belegen, dass Grönlands Eismassenverluste allein in den letzten zehn Jahren etwa ein Fünftel zum globalen Meeresspiegelanstieg beigetragen haben.“

Hitzesommer bereiten große Sorge  

Das Abschmelzen der Polkappen ist eine der großen Gefahren für die Zukunft. „Aber der Anstieg des Meeresspiegels ist ein langsamer Prozess, auf den sich die Menschen einstellen können“, sagt Sasgen. Sorge bereiten dem dreifachen Familienvater auch die mit dem Klimawandel einhergehenden Veränderungen: die Zunahme von Extremereignissen und deren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft wie im Hitzesommer 2018. Und dies nicht nur hierzulande, sondern weltweit mit unterschiedlichen Konsequenzen. Kurzfristig gäbe es dabei sogar Gewinner dieses Klimawandels – die Tourismusindustrie. Sie könne sich auf mehr heiße Tage einstellen und somit auf Menschen, die an der Küste Abkühlung suchen – aber eben nur kurzfristig!

Somit komme auch dem Küstenschutz künftig eine immer größere Rolle zu. „Deiche müssen ständig angepasst werden“, sagt Sasgen. Aber dies sei eine Generationsaufgabe. In Bremen stehen die Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Institutes auch in engem Kontakt mit dem Senat. Hier konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse in die Entwicklung der Klimaanpassungsstrategie des Landes Bremen einbringen.

Grace: Satelliten liefern die Daten

Für die Beobachtung des Meeresspiegelanstieges sind die „Grace“-Daten von entscheidender Bedeutung. GRACE ist die Abkürzung für „Gravity Recovery And Climate Experiment“, was mit „Schwerefeld-Messung und Klimaexperiment“ übersetzt werden kann. Zwei Satelliten im All haben die Aufgabe, das Schwerefeld der Erde einmal pro Monat vollständig zu vermessen. Beide fliegen in einem Abstand von etwa 220 Kilometern hintereinander her und überprüfen mit einem Mikrowellenradar permanent ihren Abstand zueinander.

Überfliegt der erste Satellit einen Bereich mit erhöhter Schwerkraft, wird er leicht angezogen und dadurch beschleunigt. Der Abstand zum zweiten Satelliten vergrößert sich. Diese Abweichung wird gemessen. Aus diesen Werten können Klimaforscher ihre Vorhersage herleiten.

Louis Gäbler

Als erste Kommune im Norden informiert Ahrensbök künftig ihre Bürger per Whatsapp. Jeder kann sich anschließen, Informationen bekommen und mit dem Rathaus kommunizieren. Nächste Woche geht’s los.

10.02.2019

Von Dienstag bis Sonntag gibt es in Bad Schwartau eine ökumenische Woche. Neben fünf evangelischen Kirchengemeinden ist auch die katholische Kirche dabei. Zu den drei Abendveranstaltungen und dem Abschlussgottesdienst in Cleverbrück sind auch Nicht-Kirchenmitglieder willkommen.

09.02.2019

Das Ensemble der Schürsdorfer Speeldeel übt ein neues Stück ein: Der ländliche Schwank feiert am Freitag, 1. März, Premiere im Gemeinschaftshaus.

09.02.2019